Kommentar
Oma ist systemrelevant
Während diese Zeilen geschrieben werden, erzählen die Großeltern ihren Enkeln das Märchen der drei kleinen Schweinchen. Beim Video-Telefonat auf dem Tablet, schließlich haben Oma und Opa Besuchsverbot wegen Corona. Das letzte Treffen ist Wochen her – für die Eltern fühlt es sich an wie Jahre.
Nicht nur geschlossene Schulen und Kitas haben das Leben von Familien in der Corona-Krise durcheinandergewirbelt. Wenn beide Elternteile arbeiten, funktioniert der Alltag oft nur, weil die Großeltern einspringen. Sie betreuen die Kinder in den Ferien, kommen an festen Tagen unterhalb der Woche oder sind längst private Kitas. Denn oft kümmern sich Oma und Opa auch dann um die Kleinen, wenn die Eltern einfach keinen passenden Betreuungsplatz für ihr Kind finden. Immerhin gibt jede fünfte Familie mit einem ein- oder zweijährigen Kind in Rheinland-Pfalz an, dass ihr Kind derzeit nicht institutionell betreut wird, obwohl Bedarf besteht.
Großeltern verdienen eine gerechte Entlohnung
Schätzungsweise vier Milliarden Stunden wenden die 21 Millionen Großeltern in Deutschland insgesamt jährlich für die Enkel auf. Vielen Deutschen ist nicht bewusst, wie wichtig diese Großeltern-Arbeit ist. Nicht nur für die Familien, sondern für die ganze Gesellschaft. Schweizer Forscher haben für ihr Land geschätzt, dass die Arbeit der Großmütter und -väter einer Wirtschaftskraft von rund zwei Milliarden Franken jährlich entspricht, umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro.
In Zeiten wie diesen wird klar, dass die heutige Elterngeneration Beruf und Familie nur dank des unermüdlichen Einsatzes von Oma und Opa unter einen Hut bekommt. In der aktuellen Krise fordern viele – völlig zu Recht – ein höheres Gehalt für Pflegerinnen und Pfleger. Eine gerechte Entlohnung haben auch die Älteren in unserer Gesellschaft verdient, zum Beispiel könnte man die Enkelbetreuungszeit auf die Rente anrechnen. Denn schon nach wenigen Wochen ohne Kinderbetreuung durch Oma und Opa steht für viele Familien fest: Großeltern sind systemrelevant – auch in der Zeit nach der Corona-Krise.