Wandern im Pfälzerwald RHEINPFALZ Plus Artikel Lost Place der Ritterzeit: Expedition Frankenburg

Die Frankenburg: Blick vom Felsplateau über dem Halsgraben auf den Oberburgfelsen der Ruine, am Horizont die Rheinebene.
Die Frankenburg: Blick vom Felsplateau über dem Halsgraben auf den Oberburgfelsen der Ruine, am Horizont die Rheinebene.

Eine 8,5-Kilometer-Runde über dem Modenbachtal: anspruchsvoll, aber spannend. Eine kaum erschlossene Burgruine ist zu entdecken. Zwei Hütten bieten Schorle und Pfälzer Teller.

Verfallen, vergangen, vergessen: Die Frankenburg, hoch über dem Modenbachtal gelegen, gehört nicht gerade zu den historischen „Hotspots“ der Pfalz. Die offiziellen Tourentipps klammern sie aus. Und mit der Aussicht auf „nur wenige aufgehende Mauerreste“ bremst der ihr gewidmete Artikel im Pfälzischen Burgenlexikon den Drang, die Ruine zu besuchen, empfindlich. In weniger enzyklopädischen Burgenführern kommt die Frankenburg erst gar nicht vor.

Interesse wecken indes zwei Randbemerkungen auf der Webseite „Kulturlandschaft digital“, auf der die Ruine ebenfalls beschrieben ist. Sie liege unter Trümmerschutt verborgen, liest man dort. Und: „Im Burgareal fanden bisher keine Grabungen statt.“ Eine kaum erschlossene Burgruine? Das klingt spannend. Also doch mal hin!

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Outdooractive

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Der Plan ist gefasst. Mit einer Wander-App wird die Entdecker-Tour erstellt. Damit sie auch Menschen hinter dem Ofen hervorlockt, die ihren Hintern lieber für Saumagen, Wildgulasch und Schorle in Bewegung setzen als für magere Burgreste, sollen auch zwei Hütten auf der Strecke liegen: Amicitia und Nello. Am Ende spuckt die App eine Rundtour aus, die nur achteinhalb Kilometer lang ist und trotzdem als „schwer“ klassifiziert wird. Okay, ein mittlerer Schwierigkeitsgrad hätte völlig ausgereicht. Aber was tut man nicht alles, wenn die Entdeckerlust erstmal gereizt ist?

Meisentalbach und Amicitia-Hütte

Am Wanderparkplatz im Modenbachtal geht’s los. Erstes Ziel: das Sieben-Quellen-Haus, besser bekannt als Amicitia-Hütte, erbaut vom gleichnamigen Verein, der sich 1920 zum Zwecke der „Pflege und Verbreitung der Hausmusik und des Wanderns“ in Landau gründete. Zum Auftakt verläuft der Weg kommod etwas oberhalb des Meisentalbachs, der in den Modenbach mündet. Linker Hand vergilben Eichen und Buchen, rechts blickt man über Feuchtwiesen hin. Ein umgekippter Laubbaum ragt im vollen Ornat der Herbstfärbung in die Bachlandschaft.

Sonntags bewirtschaftet: das Sieben-Quellen-Haus, besser bekannt als Amicitia-Hütte.
Sonntags bewirtschaftet: das Sieben-Quellen-Haus, besser bekannt als Amicitia-Hütte.

Um die Hütte herum plätschern und glucksen die namengebenden Quellen. Da wir unter der Woche unterwegs sind, ist das nur sonntags bewirtschaftete Haus der „Freundschaft“ – genau das bedeutet der lateinische Vereinsname „Amicitia“ – verwaist. Also setzen wir unseren Weg gleich fort. Doch wohin? Ausgeschildert ist hier nichts, rechts und links der Hütte führen schmale Pfade hoch und ins Gebüsch. Die Wander-App auf dem Smartphone hilft weiter: Der linke Pfad ist zu wählen, der sich alsbald zwischen schlanken Fichtenstämmen hindurchschlängelt.

Schweißgebadet zur Frankenburg

Damit beginnt der schwere Teil der Tour. Zwischen dem Sieben-Quellen-Haus und der Frankenburg sind 230 Höhenmeter zu überwinden. Und das auf unmarkierten Wegen: ohne das GPS der App wären wir ziemlich aufgeschmissen. So aber landen wir zunächst wieder auf einem breiteren Forstweg, dem wir in südlicher Richtung folgen. Die erste Abzweigung nach rechts lassen wir links liegen und nehmen stattdessen die zweite, die man leicht übersehen könnte, weil ihr Einstieg zugewuchert ist. Überaus sportlich ansteigend führt der anschließende Pfad hoch auf den 556 Meter über Normalnull aufragenden Frankenberg.

Frankenburg: Dieser Graben diente wohl zuerst als Steinbruch, dann der Sicherung des Zugangs zur Burg.
Frankenburg: Dieser Graben diente wohl zuerst als Steinbruch, dann der Sicherung des Zugangs zur Burg.

Noch einmal eine Kehre gen Süden. Noch einmal zweigt – hier weist endlich ein Schild auf die Ruine hin – ein Pfad nach oben ab. Kurz darauf offenbaren sich im Herbstwald alte zivilisatorische Eingriffe. Zuerst ein Graben, der vermutlich anfangs als Steinbruch für den Bau der Burg und später zur Sicherung ihres Zugangs diente. Glatt abgearbeitet sind die Felswangen. Auf der Ebene darüber dann der Halsgraben, der nicht minder deutliche Bearbeitungsspuren zeigt und die Burg in Spornlage vom ansteigenden Bergrücken trennte.

Abarbeitungen und Reste einer Felsentreppe am Oberburgfelsen der Frankenburg.
Abarbeitungen und Reste einer Felsentreppe am Oberburgfelsen der Frankenburg.

Um mehr zu entdecken, muss man an der Südwestflanke des schmalen Burgfelsens entlang über bemooste Steinbrocken kraxeln. Einer davon zeigt noch die Einkerbung für einen Holzpfosten. Am Felsen selbst ist eine von Menschenhand geschaffene Aushöhlung zu bemerken, außerdem Reste einer Felsentreppe, die ehedem auf die Oberburg führte. Auf der südöstlich an den Felsen anschließenden Stufe stößt man auf niedrige Mauerreste. Sie gehörten zu einem rechteckigen Gebäude, bei dem es sich vielleicht, so eine Deutung der Burgenforscher, um einen Wohnturm handelte.

Frankenburg: Mauerreste im Anschluss an den Oberburgfelsen. Mutmaßlich gehörten sie zu einem Wohnturm.
Frankenburg: Mauerreste im Anschluss an den Oberburgfelsen. Mutmaßlich gehörten sie zu einem Wohnturm.

Auch die umgebende, etwas tiefer gelegene Ebene war offenbar in die Befestigung einbezogen. Ausgegraben, erschlossen und gesichert ist hier in der Tat nichts. Aus dem, was man im Areal erkennen kann, ergibt sich das Bild einer relativ kleinen, südöstlich orientierten U-förmigen Anlage, die sich in eine Ober- und eine Unterburg gliederte.

Wachs für die Kirchen der Haingeraide

Historisch weiß man wenig über die Frankenburg. Aber immerhin mehr als nichts. Fünf erhaltene Buckelquader und entsprechende Keramikfunde erlauben den Rückschluss, dass die Burg um 1150 gegründet wurde. Urkundlich fassbar wird sie drei Mal, jedoch erst in Schriftquellen des 14. Jahrhunderts. Dadurch weiß man, dass die Frankenburg 1327 einem Jakob von Ruppertsberg gehörte. Dass sie auf dem Gebiet der Haingeraide errichtet war, weshalb ihre Herren den Kirchen in Edesheim, Hainfeld und Rhodt den Wachszehnten entrichten mussten. Und dass sie vor 1353 in den Besitz der Herren von Dahn gelangte, die zu diesem Zeitpunkt auch die heute völlig abgegangene Geisburg am Ausgang des Modenbachtals nördlich von Burrweiler zu Lehen hatten.

Schriftliche Zeugnisse aus späterer Zeit fehlen. Auch die Fundkeramik weist nicht über die Zeit um 1350 hinaus. Was zu der Vermutung veranlasst, dass die Frankenburg bereits gegen Ende des 14. oder im Laufe des 15. Jahrhunderts zerstört wurde.

„Lost Place“ des Mittelalters: Ein Halsgraben trennte die Burg in Spornlage vom ansteigenden Bergrücken .
»Lost Place« des Mittelalters: Ein Halsgraben trennte die Burg in Spornlage vom ansteigenden Bergrücken .

Abenteuerlicher als seine wissenschaftlichen Beschreibungen ist dieser „Lost Place“ der Ritterzeit auf jeden Fall. Auch schöner. Vor allem, wenn man ihn vom gegenüberliegenden Bergrücken aus betrachtet. Dort schließt sich an einen langgestreckten Felstisch mit natürlichem Durchgang eine Felszunge an, die bis zum Abgrund des Halsgrabens führt. Von Wind und Wetter zerzauste Eichen, die ihre teilweise abgestorbenen Äste pathetisch in den Himmel recken, rahmen den Ausblick auf das geglättete Felsplateau der Frankenburg. Am fernen Horizont wird die Rheinebene sichtbar. Die ganze Stätte hat etwas Dramatisches.

Schenkenbrunnen und Nello-Hütte

Damit lassen wir den archäologischen Teil der Tour hinter uns und setzen den Weg über den Rücken des Frankenbergs in nordwestlicher Richtung fort. Nach dem entspannenden Höhenweg kommt man unterhalb des Kesselbergs am idyllischen Schenkenbrunnen vorbei, einer gefassten Quelle. Unweit lädt ein Rastplatz mit herrlicher Aussicht und zwei hölzernen Picknickhütten dazu ein, die mitgeschleppte Thermoskanne zu öffnen.

Rastplatz mit Aussicht: Zeit für eine Tasse Tee am Schenkenbrunnen.
Rastplatz mit Aussicht: Zeit für eine Tasse Tee am Schenkenbrunnen.

Danach schlägt unsere Tour einen Haken nach rechts. Mit der blau-gelben Markierung geht es in südöstlicher Richtung zum Kohlplatz und von dort mit dem blau-weißen Balken weiter bergab zur Nello-Hütte.

Das Heim des Wanderclubs Nello gehört zu den schönsten und urigsten Hütten im Pfälzerwald. Die bereits 1923 errichtete Blockhütte hat sich erhalten. Das später etwas oberhalb aus Buntsandstein errichtete Wanderheim versorgt heute an den Wochenenden hungrige Ausflügler.

Waldidyll mit Aussicht auf Saumagen und Leberknödel: Nello-Hütte.
Waldidyll mit Aussicht auf Saumagen und Leberknödel: Nello-Hütte.

An der Nello-Hütte entspringt der Meisentalbach, dem wir auf dem Rückweg folgen. Zunächst an seinem linken Uferrand, dann wechselt der Weg über eine trockene Furt auf die rechte Uferseite. Wer nochmals einen Schlenker über die Amicitia-Hütte machen will, nimmt hier den breiteren Forstweg. Wer lieber am Bachlauf entlang zurück zum Ausgangspunkt spaziert, bleibt auf dem Wasserpfad.

Am Ende ist man um ein schweißtreibendes Ruinenabenteuer reicher. Und, wenn man sonntags wandert, auch um etwas Hüttenkultur.

Auf dem Bergrücken gegenüber der Frankenburg: Felsentisch mit natürlichem Durchgang.
Auf dem Bergrücken gegenüber der Frankenburg: Felsentisch mit natürlichem Durchgang.

Wegweiser

Rundwanderung über den Frankenberg: 8,5 km, 338 Höhenmeter, Schwierigkeitsgrad: schwer; für kleine Kinder ist die Tour schon allein aus Sicherheitsgründen nicht geeignet. Startpunkt: Wanderparkplatz im Modenbachtal an der L506 zwischen Burrweiler/Weyher und Forsthaus Heldenstein. Alternativer Weg zur Frankenburg ab Kohlplatz, von dort der Beschilderung „Burgenwanderweg des Pfälzerwald-Vereins“ folgen. Amicitia-Hütte: So 2./9./16.11. geöffnet, ab 17.11. Winterpause. Nello-Hütte: Sa/So 1./2.11. Wildwochenende, bis 7.12. sonntags 10-17 Uhr.

Partie auf dem Frankenberg, über dem Halsgraben der Frankenburg.
Partie auf dem Frankenberg, über dem Halsgraben der Frankenburg.
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