Unser Wald – Die Reviere RHEINPFALZ Plus Artikel Im Revier Finsterbrunnen geht der Eichenprachtkäfer um

Förster Christian Kappich zeigt eine Eiche, die mehrere Jahrhunderte unter der Rinde hat. Ein kleiner Käfer könnte jedoch auch b
Förster Christian Kappich zeigt eine Eiche, die mehrere Jahrhunderte unter der Rinde hat. Ein kleiner Käfer könnte jedoch auch bald diesem Giganten Probleme bereiten.

Im Revier Finsterbrunnen sorgt der Eichenprachtkäfer für deprimierende Blicke nach oben. Wie der Name verrät, hat es das kleine Kerlchen auf Eichen abgesehen. Und von denen gibt es bei Schopp viele Prachtexemplare. Für Förster Christian Kappich zeichnet sich ein Wandel in seinem Beruf ab.

Mit 1768 Hektar entspricht das Revier Finsterbrunnen der durchschnittlichen Reviergröße in Rheinland-Pfalz. Wie in vielen Revieren in der Nord- und Westpfalz, steht hier ein guter Mischwald, der sich in etwa halb und halb aus Laub- und Nadelholz zusammensetzt.

„Buche und Eiche machen den größten Anteil am Laubholz aus. Kiefer, gefolgt von Fichte, Douglasie und Lärche sind die am häufigsten vorkommenden Nadelgehölze“, stellt Revierförster Christian Kappich sein Revier vor. Seltene Mischbaumarten, wie Tanne, Erle und Ahorn kommen dazu. Und dann sind da eben diese sehr alten, ökologisch und ökonomisch wertvollen Eichenbestände – 300-jährige Eichen plus Exemplare, die noch ein ganzes Stück älter sind. Solche wertvollen Eichen stehen nicht überall im Wald, in Schopp schon. Die drei Jahrhunderte, die diese Bäume unter der Rinde haben, sind für eine Eiche wahrlich kein Alter. Trotzdem stehen immer wieder welche vor dem Aus. Nicht etwa, weil Kappich die Motorsägenzähne wetzen lässt. Schuld trägt der Eichenprachtkäfer – ein eigentlich hübsch anzusehendes Tierchen, das an und in den Eichen sein Unwesen treibt.

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Kappich gibt zu, dass es ihn mehr und mehr deprimiert, die prächtigen Eichen leiden zu sehen. Nicht alle, aber einige dieser monumentalen Bäume, denen über Jahrhunderte nichts und niemand etwas anhaben konnte, ziehen augenscheinlich gerade gegen den Eichenprachtkäfer den Kürzeren. Der ist kein Fremdling, sondern ein einheimischer Käfer, den es schon immer hier gegeben hat. Allerdings liebt er die Wärme und schwingt sich mit dem Klimawandel gerade auf, den Kampf David gegen Goliath zu gewinnen.

„Der Eichenprachtkäfer profitiert von den Bedingungen, die bei uns jetzt vorherrschen“, sagt der Förster und stellt den Übeltäter vor, der sich nur über lebende Eichen hermacht und dabei Bäume bevorzugt, die im Trockenstress an Vitalität eingebüßt haben. Es sind attraktive, metallisch glänzende Bewohner des Pfälzerwaldes, die sich als ausgesprochene „Sonnentiere“ in immer wärmeren Beständen mit lichten Stellen besonders wohlfühlen. Die Vermehrung flutscht und sie treffen derzeit häufiger auf Eichen, die in ihrer Vitalität durch ungünstige Witterungseinflüsse zwar noch nicht unbedingt angezählt, aber doch geschwächt sind.

Die Kronen verraten, was los ist

Der Umgang mit dem Befall des Eichenprachtkäfers ist schwierig und erfordert ein intensives Beobachten der Eichen. „Ich laufe viel von Baum zu Baum und sehe mir die Eichen an“, erzählt Kappich. Beim Blick in die Kronen habe er das Vergleichsbild vom Frühjahr im Kopf, um erkennen zu können, was los ist. Zeigt sich die Eiche frisch abgestorben, muss der Baum raus aus dem Wald. Aus solchem Holz können die Käfer noch ausfliegen und weiteren Schaden anrichten. „Bin ich zu spät und die Eiche ist schon länger abgestorben, geht von ihr keine Gefahr mehr aus, sie bleibt stehen“, erklärt der Förster, dass es bei der Eiche sehr lange dauere, bis sie sich endgültig zu Boden legt.

„Diese standortgemäße Baumart, die hier hingehört und bestimmt schon zehn oder mehr Förstergenerationen erlebt hat – die sterben zu sehen, das frustriert“, betont der 29-Jährige. Gerade hier habe sich der Försterberuf sehr gewandelt. Während seine älteren Kollegen wertvolle, gesunde Eichen ernten konnten, liegt es an seiner Generation, so schnell wie möglich die kranken zu entnehmen. „Gesunde Eichen werden im Schopper Wald nicht mehr entnommen“, betont Kappich, dass es wichtig sei, das genetische Potenzial dieser alten Eichen durch die Naturverjüngung zu bewahren. Kappich kennt es aber eigentlich gar nicht anders. Sein Berufsleben sei von Anfang an geprägt durch die Klimawandelfolgen.

Trotzdem liebt er seinen Beruf, schätzt sein Revier mit der Mischung aus Staats- und Kommunalwald zwischen stadtnah und einsam. Und wenn er am Trautmannsberg im Schopper Wald vorbeikommt, dann genießt er den wunderschönen Ausblick aus dem Pfälzerwald hinaus.

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