Wandern im Pfälzerwald RHEINPFALZ Plus Artikel Berg-und-Tal-Tour zwischen Dernbach und Ramberg

Trügerische Idylle: Auf dem Galgenberg bei Dernbach stand im 16. Jahrhundert das Hochgericht für die Dörfer des Tals.
Trügerische Idylle: Auf dem Galgenberg bei Dernbach stand im 16. Jahrhundert das Hochgericht für die Dörfer des Tals.

Zwei Hütten, eine Burg, viel Geschichte: Die gut zwölf Kilometer lange, anspruchsvolle Runde ab Dernbach hat es in sich. Unter anderem erwartet den Wanderer sogar der Galgen.

Der Auftakt ist makaber. Denn am Ende der Forststraße in Dernbach geht’s erstmal hoch auf den Galgenberg. Und der heißt nicht von ungefähr so. Im 16. Jahrhundert stand hier – weithin sichtbar – das Hochgericht für die Dörfer des Dernbachtals und die Herrschaft Scharfeneck. Der erste, der hier baumelte, war der Kuhhirt Hans aus Ramberg. Was er verbrochen hatte, verschweigt das Hinweisschild, das die idyllische Harmlosigkeit des Aussichtspunktes Lügen straft. Wohl aber wird eine Jahreszahl für des Hirten Hinrichtung mitgeteilt: 1506.

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Outdooractive

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60 Jahre später verlegte man den Galgenplatz nach Frankweiler, an den Ausgang des Hainbachtals. Eine gemalte Karte aus dem Jahr 1564, die im Landesarchiv Speyer aufbewahrt wird, dokumentiert beide Gerichtsstätten: einfache Konstruktionen, zwei Holzpfosten, oben von einem Querbalken abgeschlossen. Man könnte die Galgen der alten Karte glatt mit Gerüsten für eine Kinderschaukel verwechseln.

Detail aus einer Karte von 1564: links das Dorf Dernbach, rechts davon der Galgen, gegenüber Neuscharfeneck und am rechten Rand
Detail aus einer Karte von 1564: links das Dorf Dernbach, rechts davon der Galgen, gegenüber Neuscharfeneck und am rechten Rand die Ramburg.

Der kriminalhistorische Exkurs verschafft uns eine kleine Verschnaufpause, die man für den folgenden Teil der Wanderung gut gebrauchen kann. Denn bis zur Fachklinik Eußerthal ist der Weg – wir folgen dem Zeichen des Pfälzer Weinsteigs – eine einzige langgezogene Steigung. Das treibt selbst routinierten Wanderern den Schweiß auf die Stirn.

Kurz vor den ersten Häusern des Klinikgeländes halten wir uns rechts, verlassen dann den Weinsteig und laufen auf einem Forstweg mit der Nummer 126 weiter. Der Orientierung dienen hier zusätzlich Hinweisschilder zur Böchinger Hütte, zur Ramburg und zum Schwörstein.

Wo Förster Eide schworen

Letzterer liegt, mehr breit als hoch, nach etwa eineinhalb Kilometern auf dem Sattel zwischen Kneipenkopf, Hermesberg und Harzofenberg mitten auf dem Weg. Die gelbe Farbe des eingravierten Schriftzugs ist verblasst, trotzdem ist der „Schwörstein“ unschwer als einer der mehr als 300 Rittersteine zu identifizieren, die der Pfälzerwald-Verein ab 1910 entweder markierte oder eigens aufstellen ließ. In diesem Fall wurde eine bereits vorhandene, historisch „aufgeladene“ Sandsteinplatte gekennzeichnet: Am Schwörstein sollen die Förster der Haingeraide, einer Waldgenossenschaft der umgebenden Dörfer, ihren Amtseid geleistet haben. Daher der Name.

Historisches Relikt der Haingeraide: der Schwörstein.
Historisches Relikt der Haingeraide: der Schwörstein.

An diesem Knotenpunkt ehemaliger Forstwirtschaftsgebräuche gabelt sich der Weg in drei Richtungen. Wir halten uns links und folgen der „1“ zur drei Kilometer entfernten Böchinger Hütte. Anfangs noch ein breiter, zweispuriger Forstweg, wird die Strecke bald zum schmalen Pfad – und damit wesentlich attraktiver.

Ein Job für Pfadfinder

Vor einem niedrigen Hochstand zweigt der Pfad erstmals ab, führt dann bergab durch Buchenwald, mündet wieder auf einen breiteren Weg, aber nur kurz: schon geht es schwach rechts wieder ins Unterholz, jetzt überwiegend zwischen schlanken Kiefern hindurch, an Heidelbeeren und ein paar Sandsteinfindlingen vorbei. Dann wieder für ein paar Meter weiter auf dem Forstweg, ehe der Pfad links hinabsteigt ins Pottaschtal. Wer auf die gelben Hinweisschilder zur Böchinger Hütte achtet, kann den Pfad eigentlich nicht verfehlen. Etwas Pfadfindergeist ist dennoch gefragt.

Sonntags bewirtschaftet: die urige Böchinger Hütte.
Sonntags bewirtschaftet: die urige Böchinger Hütte.

Wie der Name schon sagt, wurde im Pottaschtal in früheren Jahrhunderten Pottasche gesiedet. Das durch Auswaschen und Eindampfen von Holzasche gewonnene Kaliumkarbonat wurde in den Pfälzer Glashütten gebraucht, kam aber auch als Waschmittel, Dünger und Backpulver zum Einsatz. Nachfolgerin der hiesigen Pottaschsiedehütte, die irgendwann aufgegeben wurde und verfiel, ist die Böchinger Hütte. Seit 1972 wird die urige Blockhütte von der Böchinger Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins sonntags bewirtschaftet.

Unsere Tour führt mitten durch den Biergarten dieses abgelegenen Wanderheims; nach der Talfahrt zur Hütte steigt der Weg jäh wieder knackig an. In Richtung Ramburg lotst der gute alte „Rote Punkt“, rechts zweigt der Pfad ab, schraubt sich über ein paar Serpentinen empor – noch einmal wird es schweißtreibend.

Skulpturale Ramburg

Bei der Schutzhütte „Am Barebäm“ gehen wir geradeaus, die Logos des Ramburg-Wegs und der Drei-Burgen-Tour ergänzen nun den roten Punkt. Nach nur einem Kilometer ist die Ramburgschenke erreicht, noch ein Stück den Berg hoch – und wir stehen vor den Ruinen der Ramburg.

Markante Ruine: Die Ramburg hatte keinen Bergfried, aber dafür eine stattliche Schildmauer (li.). Der Wohnbau (re.) erhielt um 1
Markante Ruine: Die Ramburg hatte keinen Bergfried, aber dafür eine stattliche Schildmauer (li.). Der Wohnbau (re.) erhielt um 1580 große Fensteröffnungen.

Das auf einem Felspodest aufklaffende Gemäuer wirkt fast wie eine moderne Skulptur. Vorzüglich erhalten ist die mit Buckelquadern gepanzerte, über dem Halsgraben aufragende Schildmauer. Sie stammt noch aus der Entstehungszeit der Burg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Das Erscheinungsbild der sich direkt an die Schildmauer anschließenden Wohnbaureste mit ihren großen Fensteröffnungen verdankt sich hingegen Umbaumaßnahmen des späten 16. Jahrhunderts. Damals wurde die Ramburg nach Beschädigungen im Bauernkrieg 1525 und einem Brand anno 1560 umfunktioniert: vom Wehrbau zum Wohnbau. Sensationell ist, neben der Aussicht, der riesige Keller, der im späten Mittelalter verblüffend akkurat in den Felssockel der Oberburg gegraben wurde.

Riesig: der Felsenkeller der Ramburg.
Riesig: der Felsenkeller der Ramburg.

Die Ramburg war eine Reichsburg, ihre seit 1163 urkundlich fassbaren Herren Ministeriale im Dienst der Staufer oder des Hochstifts Speyer. Später, im 14. und 15. Jahrhundert, waren die Ritter von Ramberg vor allem als Dienstleute der Kurpfalz unterwegs. Gut 350 Jahre lang konnten sie ihre Stammburg halten, doch 1519 verkauften sie Burg und Dorf Ramberg an die Herren von Dalberg, die damals auch die Kropsburg bei St. Martin besaßen.

Bereits 1536 trennten sich die Dalberger wieder von der maroden Anlage. Neue Besitzer waren die Herren der benachbarten Burg Neuscharfeneck. Die Grafen von Löwenstein-Scharfeneck ließen die Ramburg ab 1580 modernisieren, was indes nicht verhinderte, dass sie in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs erneut herunterkam. Die durch ein defektes Dach verursachten Wasserschäden waren am Ende so groß, dass sich die Grafen 1648 gegen eine Sanierung entschieden. Die Ramburg verfiel und wurde in der Folgezeit als Steinbruch genutzt.

Bürsten, Besen, Ginster

Mit dem Abstieg ins Bürstenbinderdorf beginnt der gemütliche Teil der Tour. Zurück an der Ramburgschenke folgen wir dem roten Punkt in zunächst südwestlicher Richtung nach Dernbach und Ramberg. Esskastanien säumen den Weg, was erklärt, warum unsere Strecke hier mit dem „Keschdeweg“ identisch ist.

Auch mancher Hund ist in Ramberg Burgherr: vierbeiniger Wächter in der Schlossbergstraße.
Auch mancher Hund ist in Ramberg Burgherr: vierbeiniger Wächter in der Schlossbergstraße.

Dann öffnet sich der Wald. Eine von Bäumen gerahmte Wiesenlandschaft breitet sich rechts von uns aus. Die ersten Häuser Rambergs kommen in den Blick. Wir spazieren durch die lange Schlossbergstraße. Am Balthersbrunnen biegen wir rechts ein in die Kreuzwoogstraße. Auf deren linker Seite folgt auf das Bürstenbindermuseum ein vom Dernbach gespeister Zwitter aus Biotop, Park und Wasserspielplatz; dahinter ragt Rambergs klassizistische, in Weiß und Rosa getünchte Laurentiuskirche auf.

Im Dernbachtal: Ginsterbüsche und alte Streuobstwiesen prägen den Weg zurück nach Dernbach. Wir folgen dabei der Markierung des
Im Dernbachtal: Ginsterbüsche und alte Streuobstwiesen prägen den Weg zurück nach Dernbach. Wir folgen dabei der Markierung des »Bürstenbinder-Wegs«.

Gegenüber der Grünfläche, zweigt, leicht zu übersehen, von der Kreuzwoogstraße rechts ein Wanderpfad ab, der zwischen Wohnbebauung und Berghang entlangführt. Von hier an vertrauen wir auf das Signet des Bürstenbinderwegs, das verdeutlicht, womit die Ramberger vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein ihr Geld verdienten. Im Zeichen der Bürsten und Besen wandern wir durch eine alte Kulturlandschaft aus Streuobstwiesen, vorbei an knorrigen Birn- und Apfelbäumen, an tiefgelb blühendem Ginster, zurück zum Ausgangspunkt in Dernbach: dem Picknickplatz am Fuße des Galgenbergs.

Schöne Aussicht: Ruhbank an der Ramburg.
Schöne Aussicht: Ruhbank an der Ramburg.

Wegweiser

Berg-und-Tal-Tour ab Dernbach: 12,2 km, 485 Höhenmeter. Schwierigkeitsgrad: mittel bis schwer. Parken: Parkplatz an der Hauptstraße von Dernbach, Einstieg in die Wanderung am Ende der Forststraße. Einkehrmöglichkeiten an der Strecke: Böchinger Hütte (So 11-17.30 Uhr), Ramburgschenke (Mi, Sa, So, Feiertag 11-18 Uhr)

Zweite Einkehrmöglichkeit an der Strecke: die Ramburgschenke.
Zweite Einkehrmöglichkeit an der Strecke: die Ramburgschenke.
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