Reportage RHEINPFALZ Plus Artikel Zu Gast im Zoo Kaiserslautern: Knuffige Tiere und eine Vision

Hängt im Kaiserslauterer Zoo rum: Faultier.
Hängt im Kaiserslauterer Zoo rum: Faultier.

Hier graben sich Erdmännchen durchs Gehege, dort klettern Kattas auf Baumwipfel: Im Zoo Kaiserslautern ist tierisch was los. Und Zoochefin Petra Rödler hat große Pläne.

Sie sind noch ganz winzig, kaum größer als Meerschweinchen, aber schon geschäftig auf ihren kurzen Beinchen unterwegs: Die Erdmännchen-Babys zaubern vermutlich selbst dem größten Griesgram ein Lächeln auf die Lippen. „Sie werden erst seit heute von ihrer Mama nicht mehr getragen“, weiß Petra Rödler. Der strahlend schöne Frühlingstag Mitte April markiert für die kleinen Racker quasi den Start ins freie Leben.

Mit Nachwuchs: Erdmännchenmama.
Mit Nachwuchs: Erdmännchenmama.

Petra Rödler, Geschäftsführerin des Kaiserslauterer Zoos, findet die Erdmännchen nicht weniger bezaubernd, beäugt die herumwuselnden Tiere jedoch gerade etwas skeptisch, graben sie mit flinken Krallen doch hingebungsvoll Löcher in den Boden des Geheges – und ganz nebenbei Wurzeln der neu gesetzten Pflanzen aus. Dabei wurde eigens für die umtriebige Zookolonie der niedlichen Mangustenart ein neuer Termitenhügel mit einem Wärmeplatz nachgestaltet. Das Zooteam hat eben auch ungezogene Schützlinge liebevoll im Blick.

Grüne Oase mit Grillhütte

Die Arbeit geht den rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eh nicht aus. Rund 500 Tiere aus 100 Arten beherbergt das sieben Hektar große Areal, das zusammen mit mehreren Weihern und dem Wald rundum eine erholsame grüne Oase am Rand der Stadt darstellt. Auch eine Grillhütte gehört dazu. Das Zuhause der Erdmännchen war nicht die einzige Baustelle, die über Winter gestemmt worden ist. Weitere Gehege wurden etwa erneuert, die Sittichvoliere umgestaltet und das Tropenhaus begrünt. Manches ist eben doch in die Jahre gekommen, die Anfänge des Zoos reichen schließlich fast 60 Jahre zurück. 1968 wurde er als Tierpark Siegelbach gegründet, erhielt 2003 mit der Gründung der Zoo GmbH nicht nur offiziell den Namen Zoo, sondern auch modernere Strukturen, die Petra Rödler jetzt nach aktuellen Erkenntnissen weiterentwickeln will.

Mit Freude bei der Sache: Geschäftsführerin Petra Rödler.
Mit Freude bei der Sache: Geschäftsführerin Petra Rödler.

Die neue Zoochefin bringt nicht nur die Liebe zu den Tieren mit, sondern auch eine Vision: Besucherinnen und Besucher sollen künftig im geographischen Sinn durch die Welt der Tiere geführt werden, indem – wie im Savannengelände bereits passiert – in ihrer Heimat zusammenlebende Tierarten in naturnahen Gehegen vergesellschaftet werden. „Die Leute sollen unter dem Aspekt des Tierschutzes schon an der Umgebung erkennen, woher die Tiere stammen“, sagt sie. Besagtes Savannengelände teilen sich Zebras, Strauße und Elenantilopen, die alle in Afrika heimisch sind. „Zebras sind sehr soziale Tiere, die in kleinen Familienverbänden leben. Dieses Sozialverhalten kann man in unserer Savanne beobachten“, erklärt Rödler. Die zwei Straußendamen zählen zur größten Vogelart der Erde, und auch die Elenantilopen beeindrucken durch ihre Statur.

Schon gleich hinter dem Eingang wird der frische Wind im Zoo farbenfroh sichtbar: Das Otterbecken nebst dazugehöriger Behausung ziert ein großformatiges Kunstwerk des international renommierten Künstlers Carl Kenz. Es ist zum Saisonstart Anfang April beim Projekt „Zoo goes Urban Contemporary Art“ vor den Augen der Zoogäste entstanden. „Wir sind mehr als nur ein Ort für Tiere“, erklärt die Geschäftsführerin den Hintergrund, „wir sind auch ein kultureller Raum, der Geschichte, Kunst und Bildung verbindet.“ Mit diesem Projekt wolle man Kunst als Vermittler für Naturschutz zeigen, den der Zoo wie auch den Artenschutz im Blick hat.

Auf dem Weg ins Freigehege: Katta.
Auf dem Weg ins Freigehege: Katta.

„Unser Zoo ist ein moderner Zoo, der beim Besuch in frei zugänglichen Gehegen ein naturnahes Tiererlebnis ermöglicht“, ergänzt Rödler, was den kleinen Zoo im beschaulichen Lauterer Ortsteil Siegelbach über das Kunstprojekt hinaus so besonders macht. Den Beweis für ihre Worte bleibt sie nicht lange schuldig: Wir betreten das fürs Publikum begehbare Kattagehege gegenüber des Otterareals, das jetzt nach der Winterpause ebenfalls wieder so richtig zum Leben erwacht. Die Kattas, ihres Zeichens die Zoomaskottchen, haben erstmals in diesem Jahr wieder Freigang. Zwei Tierpflegerinnen beobachten amüsiert die an ihren schwarz-weiß geringelten Schwänzen gut zu erkennenden Feuchtnasenaffen aus Madagaskar, wie sie in Reih’ und Glied an einem – zugegeben davon nicht sehr beeindruckt wirkenden Storch – vorbei zum Ausflug ausströmen. Einige zieht es hoch hinauf in die Baumwipfel am Rand ihres Reviers. Die Tierpflegerinnen müssen angesichts dieser Schwindel erregenden Kletterübungen Nerven haben. Oder Vertrauen. Wie man’s nimmt.

Tiernachwuchs als Attraktion

Nachwuchs gibt es wiederum bei den Kängurus nebenan, deren Gehege ebenfalls offen ist. „Das Kängurubaby wird jetzt aktiv und munter“, stellt die Zoodirektorin fest, die bestätigt, dass Jungtiere eine beliebte Attraktion sind. Deshalb informiert am Eingang auch ein Schild darüber, welcher Tiernachwuchs gerade zu bewundern ist. Aber jeder hat auch so seine Lieblingstiere. Manchen zieht es etwa zur großen Sittich-Kuppel, die der Freundeskreis des Zoos gespendet hat. Der munteren gefiederten Schar könnte man stundenlang zuschauen.

In einer großen Kuppel: Nymphensittiche.
In einer großen Kuppel: Nymphensittiche.

Beliebt seien zudem die Esel, weiß Petra Rödler. „Es bedarf gar nicht unbedingt der großen Raubtiere, um einen Zoobesuch reizvoll zu machen“, findet sie. Auch alte Tierpersönlichkeiten haben der Einschätzung der Expertin zufolge ihre Fans – und wissen zu bezaubern. Die Stachelschweindame etwa rückt sich in ihrer Behausung für uns so zurecht, dass wir sie in ganzer Schönheit bewundern können. „Sie ist 21 Jahre alt und fast blind“, erzählt Rödler. „Wir würden das Gehege gerne erneuern, aber dann fände sie sich nicht mehr zurecht.“ Also mache man es ihr in ihrer gewohnten Umgebung erst einmal mit Holzschnitzeln und anderen einfachen Mitteln so gemütlich wie möglich. Apropos machen. Auch das betont die Zoochefin: Sie vertraue den Entscheidungen ihrer Tierpflegerinnen und Tierpfleger voll und ganz, lasse sie mit den Tieren arbeiten und deren Umfeld aktiv mitgestalten.

So langsam neigt sich unser interessanter Rundgang dem Ende zu. Das Tropenhaus – mit seinen exotischen Fröschen, Insekten, Geckos und Schlangen ebenfalls eine Entdeckungstour wert – lassen wir aus. Petra Rödler führt mich noch zu den Greifvögeln, wo Veränderungen anstehen: Die Falknerei werde man aufgeben, die Tiere artgerecht unterbringen, erzählt sie. Nur Sky, die sehr betagte Weißkopfseeadlerdame, wird in Siegelbach bleiben. Sie könne man nach so vielen Jahren in dieser Umgebung nicht mehr verpflanzen: „Sky bekommt eine schöne neue Voliere.“

Biergarten und Spielplatz

An dieser Stelle verabschiedet sich die Zooleiterin, verweist noch darauf, dass die Zoogastronomie einen neuen Pächter nebst zeitgemäßerem gastronomischen Konzept hat. Das Lokal mit Biergarten liegt direkt neben einem einladenden Spielplatz, der neben einem Kletterturm für die Größeren und weiteren Spielangeboten mit einer Babyschaukel für die Kleinsten ausgestattet ist.

Ich mache mich auf eigene Faust noch auf den Weg zu Alpakas, Nandus, Hirschen, Ponys, Schafen, Ziegen und Hühnern und vorbei an den Holzwaggons der Zooschule. Überall laden Bänke und Sitzgruppen zum Verweilen und Picknicken. Obwohl Petra Rödlers Vision noch an einigen Stellen der Umsetzung harrt, stelle ich fest: Der kleine Zoo hat wirklich seinen ganz besonderen Reiz. Und die Begeisterung der Geschäftsführerin, ihn mit kreativen Ideen und viel Teamgeist in eine gute Zukunft zu führen, ist ansteckend.

Keck: Straußendame.
Keck: Straußendame.

Zoo Kaiserslautern, Zum Tierpark 10, Kaiserslautern-Siegelbach, Tel. 06301 71690, E-Mail: info@zoo-kl.de, Internet: www.zoo-kaiserslautern.com, Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 9-18.30 Uhr, November bis Januar täglich 10-16 Uhr, Februar/März täglich 10-17 Uhr (Hinweis: Bei schlechter Witterung behält sich die Zooführung vor, den Zoo geschlossen zu lassen.)

Besucherservice und Termine

Hunde sind erlaubt, aber an der kurzen Leine zu halten. Bollerwagen für Gepäck können kostenlos ausgeliehen werden.

Der Zoo ist über weite Strecken barrierefrei, es gibt barrierefreie Toiletten und Parkplätze für Menschen mit Handicap direkt vorm Haupteingang.

Ein Wickelraum ist ebenso vorhanden wie ein Spielplatz mit Kletterturm und Babyschaukel.

Veranstaltungen: Im Zoo wird am 25. Mai Tierschutztag begangen mit vielfältigen Informationen zum Artenschutz. Geplant sind außerdem auch eine Abendsafari (3.6.), eine Nacht der Tiere (25.9.) und ein Mondgruß-Yoga (29.6. und 29.7.).

Tierfütterung, Führungen und mehr

Von April bis Oktober gibt es öffentliche Erdmännchen-Fütterungen (Di-So 13 Uhr) und öffentliche Fütterungen der Asiatischen Kurzkrallenotter (Di-So 14 Uhr). Bei Fachführungen können Gruppen bis zu 20 Personen einen Blick hinter die Zookulissen werfen und auf Wunsch auch besondere Tierarten näher unter die Lupe nehmen, Buchungen/Infos: 06301 716922.

Für Kinder und Jugendliche gibt es ein „Wildes Klassenzimmer“ der Zooschule. Am 1. Juni beginnt außerdem die Anmeldung fürs Sommerferienprogramm, bei dem Kinder unterschiedlicher Altersstufen spielerisch die Tiere kennenlernen können, Termine: 29. Juni bis 10. Juli, 27. Juli bis 7. August. Bereits geplant ist das Herbstferienprogramm von 6. bis 8. Oktober, Anmeldung ab 21. September.

Es gibt überdies Programme für Kindergeburtstage, Schul- und Kindergartenausflüge mit Führung und Zoorallye. Dann wird auch der Grillplatz zur Verfügung gestellt. Anmeldung/Infos: zooschule@zoo-kl.de, 06301 716922

Nicht zuletzt sind Firmenfeiern, Teambuildings und ähnliche Veranstaltungen im Zoo möglich, Infos: info@zoo-kl.de, 06301 716925

 Herr im Gehege: Kamelhengst.
Herr im Gehege: Kamelhengst.
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