Familienausflug RHEINPFALZ Plus Artikel Wildpark in Silz: Durch Wald und Wiese zu Ziege, Reh und Wolf

Zutraulich: Haflinger-Pferd in einem Gehege des Wild- und Wanderparks in Silz.
Zutraulich: Haflinger-Pferd in einem Gehege des Wild- und Wanderparks in Silz.

Zugegeben: Die Murmeltiere sind im Winterschlaf und nicht zu sehen. Aber auch sonst gibt es jede Menge zu erleben im Wild- und Wanderpark in Silz.

Die Tiere freuen sich offenkundig über den Besuch. Ziegen steigen neugierig am Zaun empor und recken uns die Nasen entgegen. Sie verlieren aber relativ schnell das Interesse, weil das erhoffte Futter ausbleibt. Das bringen zwei Jungs mit, die neben uns über die Holzstiege ins Gehege klettern. Schnell sind sie von den frechen, weiß-braunen Tieren umringt. Zwischendrin hoppeln Kaninchen, Geflügel pickt geschäftig umher – ein Gockel inklusive.

Neugierig: Ziegen im begehbaren Streichelzoo.
Neugierig: Ziegen im begehbaren Streichelzoo.

Wir checken kurz an der Wandertafel, welche Route wir nehmen wollen, und spazieren auf ebenem Asphaltweg am Streichelzoo entlang. Bald treffen wir auf Pferde, die erwartungsfroh am Gatter stehen. Auf einer Weide weiter oben stehen zwei weitere: Während das struppige Island-Pony still der Dinge harrt, die da kommen mögen, stampft der hübsche Haflinger ungeduldig mit dem Huf und streckt uns seine weichen Nüstern entgegen. Ob er Langeweile hat?

Reizvolle Ruhe

Klar, sonst ist hier mehr los. Der Wild- und Wanderpark ist mit dem Abenteuerspielplatz und den vielen Picknickplätzen bei schönem Wetter ja geradezu prädestiniert für den Familienausflug. Der fehlende Trubel außerhalb der Hochsaison macht den Besuch aber auf eigene Weise reizvoll: Die Landschaft strahlt Ruhe aus, die Augen gleiten durch die Natur, die Seele baumelt.

Bullig: Wisent.
Bullig: Wisent.

Auch die Wisentfamilie chillt. Der mächtige Bulle hebt kaum den Kopf, als wir uns nähern. Ein benachbarter Tümpel ist von Gänsen bevölkert, die laut schnatternd den Weg überqueren und den faulenzenden Wisenten einen Besuch abstatten. Die tonnenschweren Wild-Rinder ficht das nicht an. Sie setzen ihr Wiederkäuen unbeeindruckt fort.

Schnatternde Gäste: Gänse.
Schnatternde Gäste: Gänse.

Sogar die Wölfe streifen seelenruhig in ihrer gut gesicherten Festung umher, die auf einem Hügel linker Hand des Bisongeheges zu finden ist. Ihnen haben wir noch vor dem Haflinger einen Besuch abgestattet. Direkt hinter dem Streichelzoo geht es nämlich schon ein kurzes, steiles Stück links hoch, weg vom Hauptweg, der barrierefrei bis zu den Wölfen führt. Wir staunen, wie groß die Raubtiere sind. Als wir uns nähern, ziehen sie sich scheu an den Waldrand zurück. Der Aussichtsturm ist verwaist. Ungestört können wir die faszinierenden Fleischfresser beobachten, die Infotafeln über sie studieren.

Alphatier und »Prügelknabe«

Ein Schild skizziert beispielsweise das Alpha-Männchen mit erhobener Rute und den „Prügelknaben“ mit eingezogenem Schwanz, der zwar unterdrückt, aber trotzdem von der Gruppe durchgefüttert wird. Wir lernen zudem, dass der Nahrungsbedarf eines Wolfes bei rund drei Kilogramm täglich liegt. Säuberlich abgenagte Knochen im Gehege zeugen von den Fütterungen, zu denen von April bis Oktober täglich um 11 Uhr Zuschauende eingeladen sind. Die bleichen Überreste erinnern aber auch daran, dass es sich bei diesen Wölfen keineswegs um zahme Kuscheltiere handelt. Im Gegenteil: „Wir verzichten bei der Fütterung ganz bewusst auf den persönlichen Kontakt zum Wolf, stellen nur das Futter zur Verfügung und erlauben dadurch ein möglichst natürliches Rudelverhalten“, lesen wir. Vom Wolfsgehege führt die Strecke durch ein Waldstück mit vielerlei Spielanregungen wie Zapfenweitwurf und Natur-Bingo barrierefrei zum Rundweg, der ab hier nicht mehr Rolli-tauglich ist. Die meisten Tiere waren aber schon zu erleben, jetzt geht es hauptsächlich ums Wandern.

Maggi-Duft und Rehe

Bergauf laufen wir durch ein Kiefernwäldchen zu den Wildschweinen, deren typischer Maggi-Geruch sie schon von Weitem verrät. Eulen, Uhus und Steinkäuze sind in einer Voliere zu bewundern. Die Ruhe verleiht dem Wald eine gewisse Magie: Knorrig-verwachsenes Wurzelwerk krallt sich in den Waldboden, das diesige Wetter sorgt für mystisches Flair – und wie aus dem Nichts tauchen zwei Rehe auf dem Weg vor uns auf.

Mitten auf dem Wanderweg: Rehe.
Mitten auf dem Wanderweg: Rehe.

Nach diesem berührenden Schauspiel könnte man eigentlich die Abkürzung zurück zum Ausgang anpeilen, die ein Stück weiter oben abzweigt. Aber wir bleiben auf dem großen Rundweg, der nun in einer weiten Schleife zu Rotwild und Mufflons führt, vorbei an einer massiven, mit Saloon-Türen bestückten Holz-Grillhütte.

Heidschnucken zum Schluss

Jetzt sind wir wirklich ganz allein in der wunderschönen Natur. Wir genießen die Ausblicke auf die benachbarten, von Nebel umwaberten Hügel, bis wir den Blick wieder zu Boden richten müssen. Durch ein Tor geht es über ein schlammig-rutschiges Wegstück bergab. Heidschnucken grüßen zum Abschied. Dann führt der Weg in Mäandern an vielen Bänken und Sitzgruppen vorbei weiter bergab durch Wiesen und gibt schließlich den Blick auf den Rutschenturm des Abenteuerspielplatzes im Eingangsbereich frei. Pommes-Duft vom Parkrestaurant strömt uns entgegen.

Rückweg: Blick auf Gehege und Spielplatz mit Riesenrutsche.
Rückweg: Blick auf Gehege und Spielplatz mit Riesenrutsche.

Gut vier Kilometer haben wir auf dem Schrittzähler, als wir an einer entsprechenden Vorrichtung am Ausgang unsere Schuhe grob vom Matsch säubern. Mit allerhand tierischen Erinnerungen und jeder Menge Fotos im Gepäck treten wir entspannt den Heimweg an. Wir beschließen, im Frühjahr wiederzukommen, wenn die Murmeltiere aus dem Winterschlaf erwacht sind. Diese Attraktion entgeht Gästen dieser Tage natürlich, aber langweilig wird es im Wild- und Wanderpark trotzdem allerhöchstens dem ein oder anderen, an munteren Menschentrubel gewöhnten Vierbeiner.

Wild- und Wanderpark bei Silz

Öffnungszeiten: 1. März bis 1. November täglich ab 9 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr); 2. November bis 28. Februar Mi-So ab 10 Uhr (letzter Einlass 16 Uhr); Heiligabend und 1. Weihnachtsfeiertag geschlossen, am 26.12. für den Weihnachtsspaziergang ab 10 Uhr geöffnet.

Spazierwandern: kleine (1,9 km) und große Runde (3 km) als Lauschtour mit Audioguide (kostenlos aufs Handy runterladen) angelegt.

Barrierefreiheit: Der Wildpark ist barrierefrei zugänglich und zertifiziert nach den Kriterien des Projektes „Reisen für alle“. Allerdings ist nicht die komplette Runde rollstuhltauglich, aber der vordere Bereich mit vielen Tieren, darunter auch die Bisons. Die barrierefreie Runde ist mit Schildern markiert.

Kontakt/Infos: wildpark-silz.de, 06346 5588, info@wildpark-silz.de

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