Weinbau Weinwelt weltweit: Südamerika
Wein aus Südamerika für die Pfalz: Die Peruanerin Rosa Maria Alarta Zarate de Ecker vertreibt in ihrem Online-Handel „Vinoslatinos“ Weine aus Peru, Chile und Argentinien. Heinrich Vollmer vom Weingut Vollmer in Ellerstadt besitzt ein Weingut in Argentinien. Beide wollen Pfälzer Genießern die südamerikanischen Weine näherbringen und erklären die Unterschiede zwischen den Weinländern. „Südamerikanische Weine kommen ganz beziehungsweise fast ohne Pestizide aus“, sagt Rosa Maria Alarta Zarate de Ecker. In Chile benötige man gar keine Pestizide, es sei das einzige Land weltweit ohne Schädlinge. „In Argentinien gebe es Lagen zwischen 600 und 1700 Metern Höhe, vereinzelt auch bis 2500 Meter Höhe, wo es keinen Pflanzenschutz brauche. „Heiße Tage und kühle Nächte sowie ein kalter Fallwind von den Anden sorgen für eine längere Reifezeit der Trauben. Dadurch werden die Weine etwas fruchtiger. Die Lagerzeit in den Barriques ist dafür in der Regel kürzer als in der Alten Welt“, erklärt die weinbegeisterte Peruanerin. Auch die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit präge jeweils den Geschmack der Erzeugnisse, so die Weinhändlerin.
Die wichtigsten Rebsorten
In Argentinien dominiert die Malbec-Traube, aber es werden auch Syrah, Cabernet Sauvignon, Bonarda, Tempranillo und Cereza angebaut. Bei den Weißen herrscht die Torrontes-Traube vor. Hinzu kommen Chardonnay, Sauvignon Blanc oder Viognier bei den Weißen. Malbec ist der wohl berühmteste Wein aus Argentinien, ursprünglich aber eine französische Traubensorte. „Erwarte einen trockenen, vollmundigen Wein mit vielen Tanninen, wenn du einen Malbec probierst. Es ist ein süffiger Roter, den herrliche Noten von dunklen Beeren durchdringen. Du könntest beim Schlürfen Noten von Brombeere, schwarzer Kirsche oder Pflaume wahrnehmen. Auch andere Aromen wie Rauch und Tabak charakterisieren oft einen Malbec“, beschreibt die Expertin die Spezialität. Malbec empfiehlt sie zu Wild, Rindfleisch, Wurst und Pilzgerichten.
Die wichtigsten roten Sorten Chiles sind Carménère, Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir. Chardonnay, Sauvignon Blanc und Viognier dominieren bei den Weißweinen.
Peru wiederum hat eine lange Tradition in der Weinproduktion und einige namhafte Weingüter wie Tacama, Intipalka, Queirolo und Viña Estela. „In Peru baut man Malbec, Syrah, Cabernet Sauvignon, Tannat und Merlot an sowie Chardonnay und Sauvignon Blanc bei den Weißweinen“, berichtet die Weinexpertin von ihrem Heimatland. Im Vergleich zu argentinischem oder chilenischem Wein sei der peruanische in der Regel leichter und weniger tanninhaltig, oft geprägt von einer erfrischenden Säure und einer ausgewogenen Balance zwischen Frucht und Säure.
Weinbau und Bergsteigen
Wie kommt nun ein Pfälzer auf die Idee, neben seinem eigenen Weingut eines in Argentinien besitzen zu wollen? Der Grund sei seine Leidenschaft für das Bergsteigen gewesen, verrät Heinrich Vollmer vom Weingut Vollmer in Ellerstadt. Die Ausgangslage war allerdings dramatisch: „Beim Besteigen des fast 7000 Meter hohen Nevado Huascarán in Peru, des höchsten Berges in Südamerika, gab es ein Erdbeben, und Schneemassen kamen vom Gipfel, es gab Tote und nur ich und mein Begleiter überlebten“, erinnert sich der agile 77-Jährige an ein traumatisches Erlebnis. Während sein Begleiter nach Aufforderung von Vollmer abstieg, sei er selbst schwer verletzt erst nach Tagen von Einheimischen gerettet worden. Aus Dankbarkeit für seine Rettung habe er der Bevölkerung etwas zurückgeben, Arbeitsplätze schaffen wollen. 1987 gründete er daher in Argentinien ein Weingut. Weil Heinrich auf Spanisch Enrique heißt, lag es nahe, das Weingut in Argentinien „Bodega Enrique Vollmer“ zu nennen. Es liegt am Fuße der Anden, im Herzen der bedeutendsten Weinbauregion Argentiniens südlich von Mendoza, genauer: im Valle de Uco. Auf 1100 Metern reifen die Trauben an 350 Sonnentagen unter optimalen klimatischen Bedingungen auf mineralhaltiger Vulkanerde. Kühle Nächte während der Reifephase lassen die Trauben langsam ausreifen und fördern die Bildung wertgebender Inhaltsstoffe. So entstehen vollmundige, würzige und kräftige Weine, die von den außergewöhnlichen Anbaubedingungen geprägt sind. Die Bewirtschaftung der Weinberge erfolgt nach Richtlinien des ökologischen Weinbaus.
Im Sortiment hat Vollmer etwa einen trockenen Malbec, ausgewogen und charaktervoll mit eleganter Frucht und einem Hauch Vanille. Sein trocken ausgebauter Syrah ist dunkelrot, würzig und feinfruchtig und mit harmonisch eingebundenen Tanninen ein guter Begleiter zu Lamm, Gebratenem und Käse. Die Rotwein-Cuvée Montañero trocken besticht durch ihre Würze und ein sattes Rubinrot, gepaart mit fein-violetten Reflexen. Beeindruckend sind sein Aroma sowie seine Kraft und die Tiefe im Geschmack. Entdecken lässt sich der Montañero („Bergsteiger“) zu kurz gebratenem Steak oder Grillspezialitäten.
Heinrich Vollmer hat übrigens das Bergsteigen trotz der extremen Erfahrung nie aufgegeben. Im Jahre 1998 organisierte er den Wiederaufbau einer Hütte, die auf dem Aconcagua in Argentinien als letzter Zufluchtsort vor dem Gipfel dient. Dank ihres Wiederaufbaus wurden laut Heinrich Vollmer nachweislich in kurzer Zeit mehrere Menschenleben gerettet.

Dürfen wir nachschenken?
Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter „Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.
Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.


