Weinwelt Weinland Spanien: Gute Bedingungen für beste Rotweine
Was ist das Besondere am Weinland Spanien? „Spanien hat die größte Rebfläche der Welt, die Anbaubedingungen sind sehr unterschiedlich über das große Land verteilt, ich selbst kenne nur einige wenige davon“, sagt Sauer. An der Region Utiel-Requena schätzt er eigenen Worten zufolge die „sehr guten Bedingungen für den Anbau von hochwertigen Rotweinen“. In Höhenlagen von 600 bis 1100 Metern wachsen die Reben. Es herrscht kontinentales Klima mit mediterranem Einfluss. Die Sommer seien heiß und trocken, die Nächte trotzdem kühl. „Dadurch entstehen kraftvolle, jedoch auch elegante Weine mit viel Farbe und feinen Aromen“, stellt Sauer fest.
Das Gebiet ist geprägt von kargen Kalksteinböden. Der junge poröse Kalk könne Wasser speichern und von den Rebwurzeln durchzogen werden, berichtet der Südpfälzer Winzer. Ton und Sandanteile sorgten für ein gutes Gefüge und eine gute Wasserkapazität. „Die Böden sind teilweise leuchtend rot durch Oxidation vom Eisen im Boden. Durch die geringen Niederschläge steigt der ,Rost’ nach oben und wird nicht ausgespült“, so Sauer.
Kulisse ähnelt der Deutschen Weinstraße
Die Reben seines spanischen Weingutablegers wachsen auf 780 Metern in der Nähe von Utiel, einem kleinen Städtchen im Zentrum der Region Valencia. Im Hintergrund ist eine Bergkette mit einer Höhe von rund 1400 Metern zu erkennen. „Die Kulisse hat eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Rebflächen in der Südpfalz“, findet Sauer. „Die von uns neu angepflanzten Rebflächen wurden auch wie in der Pfalz im Spalier angelegt, welches hier aber etwas niedriger ist. Diese traditionelle Buscherziehung existiert in Deutschland gar nicht“, weiß der Wein-Experte. Insgesamt gebe es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten mit dem Pfälzer Weinbau.
Unterschiedlich sei auch das Klima: In Spanien herrsche im Sommer Trockenheit, die Niederschlagsmengen seien zirka 40 Prozent geringer. Obwohl die Böden wie in Teilen der Pfalz vom Kalk geprägt seien, gestalte sich auch die Bodenbewirtschaftung in der spanischen Region ganz anders als zu Hause in Deutschland, wo eine möglichst üppige Begrünung gepflegt werde. Das sei in Spanien durch die geringen Niederschläge nicht möglich. Weil dort das Wasser auch durch die heißen Sommer sehr knapp sei, werde auf eine wassersparende Bodenpflege geachtet. Das gilt auch für die Bewässerung: Während in Deutschland für die Reben in der Regel ausreichend Wasser zur Verfügung steht, muss in Spanien möglichst sparsam bewässert werden, also mittels eines wassersparendes Tröpfchenbewässerungssystems.
Weniger Aufwand als in der Pfalz
Nicht zuletzt unterscheide sich auch der Pflanzenschutz sehr deutlich: „Durch die Trockenheit in Spanien sind die in der Pfalz aktiven Pilzkrankheiten wenig aktiv, sodass nur ein Bruchteil des Aufwandes erforderlich ist.“ Die Laubarbeiten seien ebenfalls weniger aufwendig als in der Pfalz: „Im Gegensatz zu hier versuchen wir, die Trauben durch die Blätter vor der Sonne zu schützen“, erklärt der Südpfälzer. „Unterschiedlich für uns ist auch der logistische Aufwand. Während wir in Deutschland, wie üblich, viele kleine Rebflächen pflegen, ist die Fläche in Spanien auf zwei Standorte arrondiert“, sagt Heiner Sauer.
Und wie schmeckt der Wein in dieser Region? Angebaut werden Tempranillo, die prägende Rebsorte Spaniens, Bobal, eine autochthone Rebsorte aus der Region, sowie die internationalen Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah. Aus Bobal, Merlot und Cabernet Sauvignon baut Sauer einen Rosé aus, der, wie er sagt, kräftiger als die Pfälzer Rosés schmecke. „Trotzdem ist er schön frisch und aromatisch.“ Aus sehr früh geerntetem Merlot und Syrah wird ein prickelnder Rosé-Crémant hergestellt. Die Rotweine wiederum sind laut Sauer „sehr druck- und gehaltvoll mit viel reifem Tannin und intensiver roter Farbe. Sie zeichnen sich aus durch Eleganz und feine Aromatik.“

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