Wandern an der Bergstrasse RHEINPFALZ Plus Artikel Steinzeit im Odenwald: Das Felsenmeer am Felsberg

Wanderin über dem Felsenmeer: Blick über den unteren Teil der Blockhalde aus Quarzdiorit.
Wanderin über dem Felsenmeer: Blick über den unteren Teil der Blockhalde aus Quarzdiorit.

Auch ein Pfälzer darf mal fremdgehen. Zumindest wandertechnisch. Dem Felsenmeer im Odenwald kann man nicht widerstehen. Zumal die Tour (6,4 km) Einkehrmöglichkeiten bietet.

Da liegt sie, und das seit 1700 Jahren. Eigentlich war die neun Meter lange „Riesensäule“ für eine monumentale frühchristliche Kirchenanlage in Trier bestimmt. Damals hieß die Stadt noch Augusta Treverorum und diente römischen Kaisern der Spätantike als Regierungssitz. Doch im Gegensatz zu anderen steinernen Werkstücken aus dem Odenwald wurde die fertig behauene Säule von den Römern nie an die Mosel gekarrt. Warum? Hatte man zu spät eine Macke entdeckt? Platzte ein Stück ab? Fiel die Säule einer Qualitätsprüfung zum Opfer?

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Outdooractive

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Im Rätsel um die Römersäule gipfelt ein Naturschauspiel, das an sich schon merkwürdig genug ist: Vom Felsberg im Odenwald hinab nach Reichenbach zieht sich eine zwei Kilometer lange und bis zu 100 Meter breite Blockhalde aus großen Felsbrocken. Wie eine riesige, im Fluss erstarrte Steinlawine sieht das aus. Ein graues Felsenmeer aus Granit – oder vielmehr aus Quarzdiorit, um geologisch genauer zu sein.

Warum ließen die Römer sie zurück? Rätselhafte „Riesensäule“.
Warum ließen die Römer sie zurück? Rätselhafte »Riesensäule«.

Vor Jahrmillionen in den Tiefen der Erde aus langsam erkaltendem Magma entstanden, trat der Diorit im Laufe der Erdgeschichte an die Oberfläche, erodierte, kleineres Lockergestein wurde während der Eiszeiten hinweg gespült, zurück blieben rundlich geformte Blöcke – die Experten sprechen von „Wollsackverwitterung“ – aus kristallinem Tiefengestein. Die Römer des 4. Jahrhunderts nach Christi Geburt nutzten dieses Felsenmeer als Steinbruch, dem sportlichen Menschen des 21. Jahrhunderts dient das Geotop als Parcours-Fläche. Oder einfach als spektakuläres Ziel einer Wanderung.

Zwischen Streuobst und Krokodil

Unsere Tour – nur sechseinhalb Kilometer lang – startete an der Kuralpe Kreuzhof, einem bei Ausflüglern beliebten Restaurant mit gutbürgerlicher Küche. Vom dortigen Parkplatz ging es, den Wegziffern 7 und 8 folgend, in zunächst östlicher, dann südlicher Richtung auf breitem Feldweg vorbei an Viehweiden, durch ein Waldstück mit herbstgelb gefärbten Buchen und wieder hinaus ins Offene einer Streuobstwiesenlandschaft, wo die 5 und die 1 zu unseren Wegbegleitern wurden.

Beedenkirchen: Schnaps, Honig, Streuobstwiesen.
Beedenkirchen: Schnaps, Honig, Streuobstwiesen.

Am Ortsrand von Beedenkirchen stießen wir auf einen unbemannten Verkaufsstand mit Schnäpsen, Likören, Marmeladen und Honig, ließen Münzen in die „Kasse des Vertrauens“ kullern, nahmen ein Glas Odenwälder Honigs mit und schlugen dann, nach einer weiteren Streuobstwiese und dem Wanderparkplatz „Römersteine“, den Unteren Felsenmeerweg ein.

Zuerst begegneten wir dem „Krokodil“, einem von der Natur geschaffenen Gebilde, das, mit etwas Fantasie, an ein großes Reptil erinnert, das seinen Kopf aus der starren Felsenflut reckt. Danach passierten wir eine Bresche in der Blockhalde. Deren ansteigende Hälfte im Rücken, blickten wir hinab auf den noch immer einen Kilometer langen Rattenschwanz aus wollsackverwittertem Quarzdiorit, der ins Tal bei Reichenbach abfällt.

Oberes Felsenmeer: Das Geotop lockt zum Kletterparcours.
Oberes Felsenmeer: Das Geotop lockt zum Kletterparcours.

Nach einem Schlenker gen Südwesten ging es ab dem Parkplatz „Am Talweg“ wieder bergauf und zurück zum oberen Felsenmeer, jetzt aber an dessen „Westküste“ entlang. Während sich bereits unser Treppenweg als schweißtreibend erwies, tauchten neben uns im Felsenmeer immer wieder menschliche Kletterziegen auf, die ihren Weg über die Felsbrocken suchten: Respekt vor solcher Sisyphos-Arbeit!

Pommes und Tafelspitz

Jetzt verschnaufen wir – vor der „Riesensäule“. Dem römerzeitlichen Relikt gegenüber bläst der 100-jährige Felsenmeer-Kiosk Pommes-Duft in die Luft; Ausflügler diskutieren die Speisekarte. Ich gebe mich ausgiebig dem Römersäulen-Fotoshooting hin, in diesem Moment scheine nur ich mich für den „Star“ im Felsenmeer zu interessieren. Der Wind frischt auf. Gelbbraune Blätter wirbeln durch die Luft. Sie stammen alle von derselben Baumart: Am Felsenmeer wächst ein weitgehend reiner Buchenwald.

Kiosk im Felsenmeer.
Kiosk im Felsenmeer.

Von Kiosk und Säule ist’s nicht mehr weit bis zum 514 Meter hohen Felsberg. Dort steht „Ada’s Buka“, ein afrikanisches Restaurant, orangefarbene Fassade, blaue Fensterrahmen. Das Lokal stellt an den Wochenenden von März bis Oktober nicht nur eine weitere Einkehrmöglichkeit dar – es dient auch als Orientierungspunkt. Direkt neben der linken Hausseite zweigt unser Weg ab. Mit den Ziffern 7 und 2 geht es nun wieder bergab, nochmals durch die odenwaldtypischen Streuobstwiesen, dann durch einen alten Hohlweg, vorbei an Schafen, die den bald einsetzenden Regen bereits zu wittern scheinen, und schließlich durch ein weiteres Stück Buchenwald.

Als es zu nieseln beginnt, erreichen wir die Kuralpe Kreuzhof. Die Wochenkarte listet unter anderem Tafelspitz mit Meerrettichsoße und Salzkartoffeln. Das wird bestellt.

„Wollsäcke“ aus der Erdentiefe: das Felsenmeer.
»Wollsäcke« aus der Erdentiefe: das Felsenmeer.

Wegweiser

Felsenmeer-Tour: 6,4 km, Ausgangspunkt: Kuralpe Kreuzhof, Lautertal, www.kuralpe.de; mehr über das Geotop: felsenmeer-zentrum.de

Das „Krokodil“.
Das »Krokodil«.
Auf dem Unteren Felsenmeerweg.
Auf dem Unteren Felsenmeerweg.
Die Kasse des Vertrauens: Verkaufsstand am Ortsrand von Beedenkirchen.
Die Kasse des Vertrauens: Verkaufsstand am Ortsrand von Beedenkirchen.
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