Weinwelt
St. Laurent: Das Revival einer pfälzischen Traditionsweinsorte
Es ist nicht sicher, ob die Heimat der St. Laurent-Traube im Elsass oder in einem anderen Teil Frankreichs liegt. Manche sehen ihren Ursprung auch in Österreich. Möglicherweise verdankt sie ihren Namen dem Kalenderheiligen St. Laurentius, der auch der Schutzpatron der Köche ist und dessen Festtag mit dem Reifebeginn der Traube am 10. August zusammenfällt. St. Laurent-Wein wird gerne in einem Atemzug mit dem Pinot Noir genannt, ist aber als eigenständige Rebsorte klassifiziert. Mit der St. Laurent-Rebe lassen sich kräftige und gleichzeitig frische, fruchtige Rotweine vinifizieren. Im Barrique werden auch höhere Qualitäten ausgebaut.
St. Laurent in der Pfalz
In der Pfalz gibt es St. Laurent schon seit dem 19. Jahrhundert. Doch in den 1950-Jahren waren in der Region nur noch 27 Hektar mit St. Laurent bestockt. Nach einigen Jahren der Erhaltungszüchtung hatten die Rebschulen aber Pflanzmaterial. Schließlich ist die Anbaufläche des St. Laurent von 68 Hektar im Jahr 1995 laut Statistischem Landesamt Rheinland-Pfalz auf aktuell 244 Hektar in der Pfalz angewachsen. Auch in Rheinhessen ist die Rebsorte wieder verbreitet.
Bei Marius Kloiber vom Weingut Karl Pfaffmann steht ein 2021er St. Laurent trocken Walsheimer Silberberg Selection auf dem Tisch. Im Glas erscheint er leuchtend rot. Kloiber erläutert: „Der St. Laurent ist anspruchsvoll im Anbau, bringt aber schöne Ergebnisse.“ Es sei ein komplexer und dennoch harmonischer Wein, der seine Liebhaber in jenen Weintrinkern finde, „die einen vollmundigen, aber nicht so intensiven Wein schätzen“. Der Boden am Walsheimer Silberberg, wo der St. Laurent des Walsheimer Weinguts angebaut wird, bestehe aus Lehm und Löss mit Kalkanteil, das sei „optimal für Weine der Burgunderfamilie“, ergänzt der 25-jährige Winzer.
Veilchennote und Vanilleschmelz
Der St. Laurent ist von Haus aus kleinbeerig. Die Beeren wurden im Weingut Karl Pfaffmann in langer Maischegärung auf den farb- und aromaintensiven Schalen vergoren, bevor der dunkelrote Wein daraus noch für gut anderthalb Jahren in Barriquefässern reifte. Daher ist der aktuell abgefüllte Jahrgang ein 2021er. Das Endergebnis umhüllt die Sinne mit Brombeer- und Heidelbeernoten sowie dunklem Schokoladenaroma, einem Hauch Sandelholz und finessenreicher Veilchennote nebst finalem Vanilleschmelz. Der Südpfälzer Winzer sieht den St. Laurent in Deutschland „etwas unter dem Radar“, nicht so bekannt, die Hauptanbaugebiete seien die Pfalz und Rheinhessen, bestätigt er. Einen weiteren Anstieg der Anbaufläche der roten Rebsorte erwartet der sportliche Landauer nicht. Die frühaustreibende Sorte sei frostempfindlich, der Anbau der Weine anspruchsvoll.
Marius Kloiber hat am Weincampus Neustadt Oenologie und Weinbau studiert. Der junge Winzer hat noch viel Gelegenheit, den 2021er St. Laurent zu genießen. Dieser ist laut Weingut noch bis mindestens 2030 trinkbar. Man braucht allerdings dafür noch einen Korkenzieher, die 0,75-Liter-Flasche ist mit einem Korkverschluss versehen.
Auch das Weingut Alfons Ziegler in St. Martin baut St. Laurent an und aus. „Der St. Laurent war früher die Rebsorte mit den besten und dunkelsten Rotweinen, aber heute hat sie einen schweren Stand, weil durch den Klimawandel sehr kräftige und bekannte Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Syrah inzwischen ebenfalls gut gedeihen. Außerdem werden die St. Laurent-Trauben gerne von dem neu eingeschleppten Schädling Kirschessigfliege befallen, was den Anbau zusätzlich schwieriger macht“, erklärt Ziegler. Dass die Weine fruchtig seien und eine mittlere Tanninstruktur hätten, wertet er als positiv. Der St. Laurent sei die alte Pfälzer Traditionsrotweinsorte mit einer kräftigen Farbe, im Gegensatz zum leichten und hellen Portugieser.
Alternative zum Dornfelder
Der agile südpfälzische Winzer differenziert weiter: „St. Laurent sehe ich als hochwertige Alternative auch zum Dornfelder. Er hat mehr Körper und ist fruchtiger, seine Aromatik ist aber weniger dominant. Die Konkurrenz von Merlot & Co. macht ihm aber heutzutage das Leben schwer.“ Das Weingut Alfons Ziegler setzte schon immer einen besonderen Schwerpunkt auf Rotwein. Es baut den St. Laurent seit den 1970er Jahren an. Er ergänze als fruchtbetonter Rotwein das Wein-Sortiment, erörtert Michael Ziegler abschließend.
Die beiden Winzer geben noch Pairing-Tipps. „Ein toller Begleiter für kräftige Wildgerichte, zu gegrillten Steaks oder zur Edelpizza mit Parmaschinken, Rucola und Parmesanspänen“, findet Marius Kloiber, während Michael Ziegler den St. Laurent zu mediterraner Küche und Schmorgerichten empfiehlt. Empfohlene Trinktemperatur: 16 Grad Celsius.

Dürfen wir nachschenken?
Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter „Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.
Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.



