Am 21. und 22. Januar Schauspiel: “Käthchen von Heilbronn„ in Ludwigshafen – Autor und Heldin im Dialog

Die Münchner Inszenierung gibt sich auch bilderreich und visuell aufgeladen.
Die Münchner Inszenierung gibt sich auch bilderreich und visuell aufgeladen.

Heinrich von Kleist lässt im „Käthchen von Heilbronn“ die Welt effektvoll und krachend aus den Fugen gehen. Und das Residenztheater München, im Februar damit zu Gast im Pfalzbau in Ludwigshafen, setzt noch einiges obendrauf.

Ein Femegericht, ein brennendes Schloss, vertauschte Briefe, eine Intrige, Ritterkämpfe und mitten drin ein unbeirrt seinem Traum folgendes Mädchen: Heinrich von Kleist lässt im „Käthchen von Heilbronn“ die Welt effektvoll und krachend aus den Fugen gehen. Und das Residenztheater München, im Februar damit zu Gast im Pfalzbau in Ludwigshafen, setzt noch einiges obendrauf.

Denn die Inszenierung von Else-Sophie Jach schachtelt das märchenhafte Ritterdrama ein in einen Hintergrund, der Kleist selbst als Alter Ego Käthchens in Szene setzt – ihre Rolle ist nicht zufällig mit einem Mann besetzt. In die bilderreiche, turbulente Handlung blendet Jach als zweite Ebene die fiktive Begegnung Kleists mit Karoline von Günderrode ein, von der Christa Wolfs Roman „Kein Ort, nirgends“ handelt – Günderrode, bekannt als „Sappho der Romantik“, nahm sich 1806 in Oestrich-Winkel das Leben. In Käthchen spiegele sich Kleists eigenes „Sich-falsch-Fühlen in der Welt“, in ihrer Beharrlichkeit Kleists Idee eines von einer „inneren Vorschrift“ geleiteten Lebens, heißt es in Sabine Leuchts Rezension der Münchner Premiere von 2022.

Die Inszenierung Jachs beginnt so mit dem Live-Video einer Teegesellschaft, in der sich Kleist für sein Werk rechtfertigt. Die Szene basiert auf Wolfs Roman, der Kleists Verlorenheit in Welt und Gesellschaft nachgeht. Kleist wird hier von Vincent zur Linden gespielt, der sich dann wenig später verwandelt in Käthchen, das dem Grafen vom Strahl im Glauben an eine Prophezeiung wie ein Schatten folgt. Der Ritter muss sich eingangs der eigentlichen Bühnenhandlung vor einem Femegericht gegen den Vorwurf verteidigen, Käthchen manipuliert und sich gefügig gemacht zu haben. Sie aber war ihm freiwillig gefolgt. Geleitet von der geträumten Weissagung behauptet sie sich gegen die Intrigen ihrer selbstsüchtigen Konkurrentin Kunigunde von Thurneck.

Am Ende erweist sich Käthchen als uneheliche Tochter des Kaisers, was den Weg ebnet zur Heirat mit dem Grafen.

»Das Käthchen von Heilbronn« – Gastspiel des Residenztheaters München: Fr/Sa 21./22.2., 19.30 Uhr, Ludwigshafen, Pfalzbau; tickets.vibus.de

Kein Titel (3000 x 2000 px)

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