Ab 6. April Ravel-Doppelabend am Pfalztheater Kaiserslautern
„L’enfant et les sortilèges – Das Kind und die Zauberdinge“, in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg komponiert und 1925 uraufgeführt, ist eine Märchenoper. Das Libretto stammt von Colette, die mit ihren unkonventionellen Amouren im Paris des frühen 20. Jahrhunderts für Skandale sorgte. Hier jedoch erweist sich die Autorin als knallharte Supernanny. Denn das titelgebende Kind, das keine Lust hat, seine Hausaufgaben zu machen, und infolgedessen mit seiner „Maman“ aneinandergerät, durchleidet im Stubenarrest eine Art Fegefeuer.
Alle Dinge, die es jemals misshandelt hat, werden lebendig. Die getretenen Sessel, die zerrissene Tapete, Teekanne und Teetasse, beide kaputt, klagen das Kind an. Als es daraufhin in den Garten flüchtet, trifft das Kind dort auf Bäume und Tiere, denen es ebenfalls Leid antat – ein einziger Albtraum!
Der 1875 geborene Maurice Ravel, der bis zu deren Tod im Jahr 1917 bei seiner Mutter lebte, vertonte diesen pädagogisch wertvollen Zauberspuk mit großem Einfallsreichtum. Schäferin und Schäfer lässt er mit Rokoko-Zitat aus der Tapete treten, Ragtime und musikalische Chinoiserie greifen beim Auftritt von Tasse und Teekanne ineinander, dem vom Kind gefangenen Eichhörnchen schenkte er eine bewegende Arie, und am Ende wird die Ordnung durch einen Chor in der strengen Form einer Fuge wiederhergestellt.
Lustige Standuhren-Affäre
Bedeutet „L’enfant et les sortilèges“ eine Hommage an die Welt der Kindheit, entpuppt sich „L’heure espagnole“ von 1911 als skurrile Sexkomödie. Sie spielt im Laden des Uhrmachers Torquemada, der einmal pro Woche die Uhren im Rathaus wartet. Das verschafft seiner Gemahlin Concepción die namengebende „spanische Stunde“, in der sie abwechselnd einen ihrer beiden Liebhaber empfängt. Heute ist der Schöngeist Gonzalve an der Reihe. Doch leider wartet im Laden der Maultiertreiber Ramiro hartnäckig auf die Rückkehr ihres Mannes. Was tun?
Concepción bittet Ramiro, eine große Standuhr – darin hat sie Gonzalve versteckt – nach oben in die Wohnung zu tragen, wo sie sich dann mit dem Poeten vergnügen will. Zwischenzeitlich stellt sich allerdings auch Don Inigo Gomez, der zweite Liebhaber der Uhrmachergattin, im Laden ein. Er endet in einer anderen Standuhr. Concep-ción lässt die Uhren mit ihren Lovern an Bord von Ramiro austauschen, bis ihr auffällt, dass ein Kerl, der so mühelos schwere Dinge schleppt, vielleicht die bessere Wahl sein könnte ...
Auch diese schlüpfrige Operette hat Ravel raffiniert gestaltet. Wie im „Bolero“ spielt er mit spanischem Kolorit. Grundiert von markantem Uhrenticken eröffnet eine langsam anschwellende Bläserkantilene das Geschehen. Mit Gonzalves schmachtender Auftrittsarie liefert Ravel eine köstliche Parodie auf das Torero-Pathos à la „Carmen“. Und das finale Quintett – der Form nach eine Habanera – tönt so unmoralisch und klackert so kokett mit Kastagnetten, dass die zeitgenössische Kritik empört von „musikalischer Pornografie“ schrieb.
Am Pfalztheater inszeniert Anja Kühnhold beide Werke.
Termine
Maurice Ravel: „L’enfant et les sortilèges“ und „L’heure espagnole“ – Premiere: Mo 6.4., 18 Uhr, Kaiserslautern, Pfalztheater, Großes Haus, nächste Termine: 10.4., 3./4./17./18.5., 16.6., Karten: www.pfalztheater.de
