28. März bis 6. April Mit Schwanenritter und Passion: Osterfestspiele in Baden-Baden
Noch ein „Lohengrin“!? – Nach dem Nationaltheater Mannheim und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe bringen nun auch die Osterfestspiele in Baden-Baden eine Neuproduktion der Wagner-Oper auf die Bühne. Bloßer Zufall? Oder ist die Zeit gerade besonders reif für Schwanenritter? Hofft die Welt, wie Elsa, auf ein Wunder, das Rettung aus bedrückender Wirklichkeit bewirkt?
Regisseur Johannes Erath, der den „Lohengrin“ schon einmal inszenierte, und zwar für Graz und Oslo in Kostümen von Christian Lacroix, will die 1850 komponierte Oper in Baden-Baden durchaus als Märchen lesen – und als „zutiefst menschliche Geschichte über Zweifel, Neid und die Unmöglichkeit, jemanden wirklich zu lieben, den man nicht kennt“.
Mit dem aus Polen stammenden Tenor Piotr Beczała ist die Titelpartie besonders prominent besetzt. Die US-amerikanische Sopranistin Rachel Willis-Sørensen als Elsa von Brabant und die deutsche Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner als Ortrud bilden indes die eigentlichen Kontrahentinnen dieser Oper. An ihnen wird der kulturelle Paradigmenwechsel jener Zeit sichtbar, in der die Handlung angesiedelt ist, nämlich dem frühen 10. Jahrhundert. Während Ortrud der alten heidnischen Welt angehört, steht Elsa für die neue christianisierte Ordnung.
Als Klangkörper dient das Mahler Chamber Orchestra, die musikalische Leitung hat Joana Mallwitz, die ihre Karriere als Dirigentin zwischen 2007 und 2011 am Theater Heidelberg begann. Die Aufführungen finden am Sa 28.3., Di 31.3. und So 5.4. jeweils um 18 Uhr statt; für alle drei Termine gibt es noch Karten.
Bach, Mahler und Bruckner mit Mäkelä
Das Konzertprogramm dieser Osterfestspiele erweist sich als erfreulich abwechslungsreich. Am So 29.3., 18 Uhr, agiert Hélène Grimaud als Solistin in Brahms’ erstem und Schumanns einzigem Klavierkonzert; dabei leitet die renommierte Pianistin das Mahler Chamber Orchestra vom Klavier aus. Passend zum österlichen Kontext wird am Mo 30.3., 18 Uhr, Bachs Matthäus-Passion aufgeführt: Klaus Mäkelä, 1996 geborener Klassik-Überflieger aus Finnland, dirigiert das Royal Concertgebouw Orchestra aus Amsterdam, den Niederländischen Kammerchor und den Jugendchor Cantus Juvenum Karlsruhe. Als Gesangssolisten sind unter anderem die Sopranistin Julia Lezhneva und der Countertenor Tim Mead mit von der Partie.
Mäkelä und das Concertgebouw Orchestra schwenken im weiteren Verlauf der Festspiele um auf spätromantisches Repertoire. Am Mi 1.4., 18 Uhr, widmen sie sich Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 g-Moll (mit dem jungen Geiger Daniel Lozakovich) und Gustav Mahlers fünfter Sinfonie, am Gründonnerstag (2.4., 18 Uhr) steht Anton Bruckners Sinfonie Nr. 8 auf ihrer Agenda. Keine Sakralmusik, gewiss, aber eine Ahnung vom Metaphysischen vermitteln auch das Adagietto in Mahlers Fünfter und das wogende Adagio in Bruckners Achter.
Joana Mallwitz, wiederum mit dem Mahler Chamber Orchestra, gestaltet an Karfreitag (3.4., 18 Uhr) das zweite Oratorium dieser Osterfestspiele: Benjamin Brittens 1962 uraufgeführtes „War Requiem“. Unter den kammermusikalischen Konzerten sei noch der Liederabend von Asmik Grigorian besonders hervorgehoben: Am Sa 4.4. singt die weltweit gefeierte Sopranistin aus Litauen Kunstlieder von Tschaikowsky und Rachmaninow (18 Uhr).
Osterfestspiele: 28.3. bis 6.4., Baden-Baden, Festspielhaus, Karten: 07221 3013101, festspielhaus.de
