Burgen in der Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Mit sagenhaftem Blumengarten: Burgruine Blumenstein

Um 1250 errichtet: Vor allem die Buckelquader am Schildmauer-Bug geben Aufschluss darüber, wann Burg Blumenstein erbaut wurde.
Um 1250 errichtet: Vor allem die Buckelquader am Schildmauer-Bug geben Aufschluss darüber, wann Burg Blumenstein erbaut wurde.

Von ihrer Geschichte weiß man wenig. Bauhistorisch ist die kleine Wasgau-Felsenburg an der Grenze zum Elsass trotzdem spannend. Eine grausig-schöne Sage gibt’s gratis dazu.

Liebte, wer hier wohnte, die Abgeschiedenheit? Heute thront Burgruine Blumenstein versteckt in der Waldeinsamkeit zwischen den Dörfern Schönau, Petersbächel und dem bereits im Elsass liegenden, nur 25 Gehminuten entfernten Weiler Wengelsbach. Auch im Mittelalter, so darf man vermuten, steppte der Bär hier allenfalls buchstäblich – und nicht im übertragenen Sinne.

Wer aber baute an solch randständiger Stelle eine Burg? Und warum? Die historischen Daten sind spärlich. 1332 – und damit ganz schön spät – wird der Blumenstein erstmals aktenkundig. Damals befand sich die Burg im Besitz eines Edelknechts namens Anselm von Batzendorf. Allerdings dürfte dieser Anselm kaum der Burggründer gewesen sein. Denn aufgrund der Buckelquader, die noch heute den Schildmauer-Bug der Oberburg verschalen, sind die Anfänge des Blumensteins früher anzusetzen: um 1250.

Der Niederadel baut im Wasgau

Damit fällt die Entstehung der Burg in eine Zeit, als die besten Plätze an den wichtigen Verkehrsadern längst belegt waren. Andererseits führte das Schwächeln der königlichen Zentralgewalt dazu, dass nun auch Niederadelige vermehrt eigene Burgen gründen konnten. In unserer Region fand das vor allem im „wilden Südwesten“ statt, im Wasgau.

Der Drachenfels bei Busenberg, die Frönsburg, die Hohenburg, die Wegelnburg, die Burgen Lützelhardt, Löwenstein und Wasigenstein – all diese Felsfestungen scheinen, nach derzeitigem Forschungsstand, erst in den Jahrzehnten zwischen 1240 und 1260 entstanden zu sein, als die Herrschaft der Staufer im deutschen Kerngebiet bröselte und das folgende Interregnum für noch laxere Regierung sorgte.

Mit Blick fürs Detail: Kurt Stucks Modell der Burg Blumenstein rekonstruiert auch die Zugangssituation vor dem Steinbau der Ober
Mit Blick fürs Detail: Kurt Stucks Modell der Burg Blumenstein rekonstruiert auch die Zugangssituation vor dem Steinbau der Oberburg.

In diesen Zeithorizont ist auch der Blumenstein einzuordnen, der, auf relativ kleinem Raum, exemplarisch den Typus der Wasgau-Felsenburg vorführt. Es ist eine Burg in strategisch günstiger Spornlage, vom westlich ansteigenden Bergrücken durch einen Halsgraben getrennt, durch den heute ein breiter Forst- und Wanderweg verläuft. Auf den drei anderen Seiten fällt das Gelände steil ab, dadurch konnten sich Angreifer der Burg nur von Westen her nähern.

Als Ausgangspunkt der Architektur diente ein schmales Felsenriff, an dessen Südflanke und Ostzipfel sich eng eine Unterburg schmiegte: An sie erinnern in der Hauptsache nur noch ein Graben im Felsuntergrund, eine rechteckige, bewundernswert akkurat aus dem Buntsandstein gehauene Zisterne und ein paar Balkenlöcher an der östlichen Schmalseite des Felsenriffs.

Aufgang zur Oberburg: Lücke in der Felsentreppe.
Aufgang zur Oberburg: Lücke in der Felsentreppe.

Aufstieg mit List und Tücke

An der Südflanke der Felsbarre hangelt sich die Treppenstiege zur Oberburg empor. Für ungebetene Gäste hielt sie eine kleine, fiese Überraschung bereit: Kurz vorm Ziel brechen die aus dem Felsen geschlagenen Treppenstufen ab, ein Abgrund tut sich auf. Heute deckt eine permanente Holzkonstruktion die Kluft, im Mittelalter wurde sie von einer Zugbrücke überspannt, die man über ein großes Holzrad bewegen konnte. In der Felsenkammer, die an diese „Schikane“ anschließt, kann man noch gut die Vertiefung erkennen, die für das Rad geschaffen wurde.

Felsenkammer auf der Oberburg: mit Platz für Seilwinde (li.).
Felsenkammer auf der Oberburg: mit Platz für Seilwinde (li.).

Was nun wie ein Wächterhaus für Höhlenbewohner anmutet, lag während des Mittelalters zumindest teilweise im Innern eines steinernen Hauses, das die ganze erste Plattform der Oberburg einnahm. Stark restaurierte und rekonstruierte Mauern lassen seinen Verlauf erkennen. Zur Angriffsseite hin ging dieser Wohnbau in die bereits erwähnte, mit Buckelquadern gepanzerte Schildmauer über, die – massig und früher höher – turmartigen Charakter hatte. Eine weitere Felsentreppe führt vom ehemaligen Steingebäude auf ein Plateau, auf dem sich die Bebauung der Oberburg offensichtlich fortsetze. Davon zeugt allerdings nur noch eine zweite Zisterne, in der man Regenwasser sammelte.

Wie Burg Blumenstein intakt, zur Zeit des Anselm von Batzendorf, ausgesehen haben dürfte, veranschaulicht ein Rekonstruktionsmodell von Kurt Stuck, das sich in Annweiler im Museum unterm Trifels befindet. Viel Fachwerk ist da im Spiel, was in Anbetracht der baulichen Reste und der räumlichen Herausforderungen durchaus plausibel erscheint.

Wo früher Häuser standen, wächst heute Heidekraut: Blick über Blumensteins Oberburg auf die Innenseite der Schildmauer.
Wo früher Häuser standen, wächst heute Heidekraut: Blick über Blumensteins Oberburg auf die Innenseite der Schildmauer.

Doch wie ging es eigentlich mit und nach Anselm weiter? Im Zuge einer Fehde mit dem benachbarten und verwandten Heinrich von Fleckenstein wurde der Herr von Batzendorf in den 1340er-Jahren vom Blumenstein vertrieben. Doch der Fleckensteiner konnte, wohl aus finanziellen Gründen, die Burg nicht halten: 1356 gehörten drei Viertel des Blumensteins dem Johann von Dahn, ein Viertel befand sich im Besitz des Grafen Walram von Zweibrücken. Und damit endet bereits, was man sicher weiß.

Karge Fakten, blumige Sage

Als ein „zerbrochen Hauß“ taucht die Burg nochmals 1592 auf, in Bernhard Hertzogs „Elsässer Chronik“. Dass es die Bauern waren, die den Blumenstein 1525 zerstörten, wurde daher früher gerne kolportiert. Letztlich bleibt das jedoch eine Mutmaßung, die sich nicht belegen lässt.

Blumensteins Oberburg: Felsenkammer und Felsentreppe auf das oberste Plateau.
Blumensteins Oberburg: Felsenkammer und Felsentreppe auf das oberste Plateau.

So dürftig die historischen Nachrichten zur Burg ausfallen, so blumig und grausam-poetisch ist die Sage, die die französischen Autoren Henry Ganier und Jules Frœlich in ihrer 1889 erschienenen „Reise zu den Burgen der Nordvogesen“ berichten. Demnach lebte hier eine junge Burgherrin, die, vom Anblick der umgebenden Wälder gelangweilt, in einer Ecke der Burg einen kleinen Blumengarten anlegte. Ihr Gatte, ein brutaler Mann, war über dieses unnütze Tun erbost und verbot, die Blumen weiter zu pflegen. Doch den Geistern des Bergs gefielen die Blumen, also hegten sie den Garten weiter. Der Burgherr glaubte daraufhin, dass sich seine Frau seinem Befehl widersetze. In seiner Wut schlug er sie tot. Auf ihrem Grab ließen die Berggeister die schönsten Blumen blühen, die, sobald der Mörder sie ausriss, sofort nachwuchsen. Dieser florale Zauber brachte den Burgherrn so in Rage, dass er an seinem Zorn erstickte.

Damit erklärt die Sage, wie Burg Blumenstein zu ihrem Namen kam.

Einen Blumengarten hat Burgruine Blumenstein heute nicht mehr zu bieten, dafür aber schöne Bonsai-Kiefern auf dem Felsen der Obe
Einen Blumengarten hat Burgruine Blumenstein heute nicht mehr zu bieten, dafür aber schöne Bonsai-Kiefern auf dem Felsen der Oberburg.

Wegweiser

Burgruine Blumenstein ist frei zugänglich. Vom kleinen Wanderparkplatz an der K43 zwischen Schönau und Gebüg sind es 1,2 km zur Burg (Dachs-Weg folgen). In der Nähe liegen der Maimont, Burgruine Wasigenstein und Wengelsbach, die man auf einer etwa sieben Kilometer langen Rundtour mit dem Blumenstein verknüpfen kann. Sowohl der Felsenland-Sagenweg (86 km) als auch der deutsch-französische Burgenweg (32,8 km) führen an Burgruine Blumenstein vorbei.

Farn und Moos: Vegetation an der Südflanke der Burg.
Farn und Moos: Vegetation an der Südflanke der Burg.
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