Wiesbaden
Magierin des Schwermetalls: Doro kommt nach Wiesbaden
Zugegeben, man vergisst gerne, wie groß Doro Pesch eigentlich mal war. Nicht körperlich, da misst die gebürtige Düsseldorferin gerade mal um die 1,60 Meter. Nein, musikalisch. Wenn es um erfolgreiche deutsche Musikexporte geht, dann wird die Rheinländerin gerne mal unterschlagen. Sie fällt oft unter den Tisch, wenn von international erfolgreichen deutschen Künstlern die Rede ist, im Gegensatz zu Kollegen wie den Scorpions oder Rammstein.
Dabei gilt Doro Pesch als Ikone des Heavy Metal, als Wegbereiterin für Frauen im Genre. Welcher deutsche Musiker beziehungsweise welche deutsche Musikerin kann von sich behaupten, mit Gene Simmons (die KISS-Legende mit der langen Zunge), Lemmy Kilmister von Motörhead, Gitarrenhero Slash (Guns N’ Roses), Al Pitrelli (Megadeth) oder Peter Steele (Type O Negative) gemeinsame Sache gemacht zu haben?
Von Gina Wild verprügelt
Vielleicht liegt das Unterschlagen von Doro in derlei Debatten daran, dass Pesch die eine oder andere unglückliche Entscheidung getroffen hat. Dass sie sich beim RTL-Promiboxen Anfang der Nuller Jahre von Pornostar Gina Wild hat verprügeln lassen, war nicht wirklich karrieredienlich. Und auch das eine oder andere krude Interview sorgte für Stirnrunzeln: „Ich habe schon mehrmals gelebt. Im Mittelalter war ich in Ungarn eine Magd zur Zeit des Krieges mit den Österreichern. Ich wurde geschlagen und litt schrecklichen Hunger. Mit nur 30 Jahren starb ich an Unterernährung“, wollte sie sich im „Bild“-Gespräch erinnert haben. Ihr Glaube an Wiedergeburt ist so tief verankert, dass sie einem RTL-Team sogar erlaubte, sie bei einer Rückführung zu begleiten. Dafür ging es aber nicht nach Ungarn, sondern nach Kroatien, wo sie in einem früheren Leben mal als Mann gelebt haben will, wie sie dem „Metal Hammer“ erzählte: „Ich war damals (im Mittelalter, Anm. d. Red.) als Kerl auf der Welt; ein echter Lebemann, der sich gerne mit Wein, Weib und Gesang vergnügte. Irgendwie bin ich dann jahrelang im Knast gelandet – und dort gestorben.“
Auftritte wie diese lenkten in den letzten 20, 30 Jahren leider immer ein bisschen davon ab, dass die Frau zu den langlebigsten, erfolgreichen Künstlern beziehungsweise Künstlerinnen in Deutschland gehört. Dass sie eine ist, die sich ihren Platz im Rampenlicht hart erarbeiten musste. Denn als Metal Anfang der 1980er Jahre populär wurde, war dieser vor allem noch eine Männerdomäne und Frauen eher vor als auf der Bühne zu finden. Doro Pesch gehörte zu den ersten, die bewiesen, dass das so kein Naturgesetz sein musste. Mehr als zehn Millionen Tonträger soll Pesch im Laufe ihrer nun schon über 40 Jahre währenden Karriere verkauft, dazu mehr als 3500 Konzerte in 60 Ländern gegeben haben.
Los ging es seinerzeit mit einem Schlangenbiss. Snakebite hieß die Band, in der Doro ihre ersten musikalischen Gehversuche unternahm. Eine Düsseldorfer Underground-Heavy-Metal-Band, ebenso wie Attack, die zweite Kapelle im Doro-Lebenslauf. Letztere verließ sie 1983, um die Gruppe Warlock zu gründen. Vier Alben nahm sie mit der Formation auf, die Band war ihr Sprungbrett, ihre Eintrittskarte ins große Musikgeschäft. Als Pesch 1988 beschloss, eine Solokarriere zu starten, löste sich die Gruppe auf.
Seither ist Pesch immer umtriebig geblieben, bis 2012 veröffentlichte die Musikerin im Zwei-Jahres-Rhythmus – es durften auch mal drei sein – neue Alben. Seither sind die Abstände etwas größer geworden, mittlerweile vergeht zwischen neuen Studioalben ein gutes halbes Jahrzehnt. Die bis dato letzte reguläre Platte erschien 2023 mit „Conqueress - Forever Strong and Proud“, im Oktober 2025 legte sie mit „Warriors of the Sea“ eine besondere Veröffentlichung außer der Reihe vor: eine Mixtur aus EP, Compilation und Live-Material, die vor allem Sammler angesprochen haben dürfte.
Metal-Winterzauber
2026 setzt Doro nun die Tradition ihrer Winterkonzerte fort, das Jahr lässt sie gerne mit einer Handvoll Konzerte ausklingen. Ihre diesjährige „Winter Magic“-Tour führt sie unter anderem in den Schlachthof nach Wiesbaden. Der Veranstalter verspricht eine besondere Setlist mit Klassikern, Raritäten und Überraschungen. Und empfiehlt, mit dem Kartenkauf nicht allzu lange zu warten. Denn in den vergangenen Jahren seien die Doro-Wintershows immer recht schnell ausverkauft gewesen.
Termin
Doro Pesch, »Winter Magic Tour 2026«, So 13.12., 20 Uhr, Schlachthof, Wiesbaden. Tickets gibt es unter www.eventim.de.
