Am 27. Juni
Legenden der 1990er-Jahre: Garbage kommen nach Mainz
Garbage auf Konzertreise – das ist im Jahr 2026 keine Selbstverständlichkeit mehr. Und das liegt nicht etwa daran, dass Shirley Manson zuletzt gesundheitliche Probleme plagten, oder daran, dass die Band keine Lust auf Konzerte hätte. Ganz im Gegenteil. Die Lust am Live-Performen ist ungebrochen. Nur: Es rechnet sich für die multinationale Band kaum noch. Und das, obwohl die Auftritte der Band für gewöhnlich gut besucht sind.
Garbage haben angekündigt, ihr Touring-Modell zu ändern. Im Online-Musikmagazin „NME“ hat Shirley Manson die Mathematik hinter dieser Entscheidung erklärt. Die Band kam da gerade von einer Headliner-Tour in Nordamerika zurück. „Wir haben etwa 40 Konzerte gespielt, und Billy (ihr Ehemann, Anm. d. Red.) ist ein Zahlenfreak und hat unzählige Berechnungen angestellt, um herauszufinden, dass wir mit der gesamten Tour genau denselben Betrag verdient hätten, wenn wir nur zehn Konzerte gegeben hätten.“ Es hätte also finanziell betrachtet völlig ausgereicht, wenn die Band ungefähr fünf Konzerte an der Ostküste und fünf an der Westküste gegeben hätte, so die Garbage-Frontfrau.
Kritik an der Popfabrik
Schon im vergangenen Jahr schimpfte Manson über die Musikindustrie, die es Bands immer schwerer mache. Etablierte Gruppen wie Garbage können ihr Geschäftsmodell vielleicht noch anpassen, um jüngere Künstlerinnen und Künstler sorgt sich die schottische Sängerin aber. Was bleibt diesen noch, wenn man – Streaming sei Dank – mit dem Verkauf der eigentlichen Musik schon nichts mehr verdient und nun auch beim Live-Spielen immer weniger für die Kunstschaffenden hängenbleibt? Es sei ein System, in dem nur noch die großen Popstars überleben könnten. „Aber die Art von Künstlern, die originelle, esoterische, authentische, herausfordernde, rebellische und wütende Werke schaffen, werden vom aktuellen System erstickt“, äußerte sich Manson dem „NME“ gegenüber.
„Wir bekommen nur noch Popstars, die wie Welpenfabriken sind: billig in der Produktion, billig im Unterhalt und den Verantwortlichen einen hohen Profit versprechend. Das ist eine schreckliche Verschwendung des Talents einer ganzen Generation.“ In ihrer nunmehr 30 Jahre währenden Bandgeschichte haben Garbage den Finger immer gerne in die Wunde gelegt. Die Band hat stets klare Worte gefunden, Haltung gezeigt.
Im Sprech der 1990er-Jahre hätte man am Anfang auch „Projekt“ statt „Band“ sagen können. So nannte man das nämlich, wenn sich damals Produzenten zusammenschlossen und dann noch jemanden vors Mikrofon stellten. Das fand man seinerzeit oft im Eurodance-Bereich. Garbage waren zwar ebenso ein Projekt von mehreren Produzenten – Butch Vig (der auch Nirvanas „Nevermind“ produzierte), Duke Erikson und Steve Marker –, die sich mit Shirley Manson die perfekte Stimme und Textschreiberin ins Boot holten. Aber mit Eurodance hatte das Ganze natürlich nichts zu tun. Die Band hatte vielmehr einen ganz eigenen musikalischen Stil, war Pop-Rock, aber um einiges sperriger und heavier, als man es vielleicht erwarten konnte, da die Gruppe immer wieder mit Elementen aus Trip-Hop, Grunge, 80s, Techno oder etwa Shoegazing spielte.
Niemals mit Waserball!
Aller wirtschaftlichen Unwägbarkeiten zum Trotz kommen Garbage, diese Legenden der 1990er- und 2000er-Jahre, nun also nach Deutschland. Bislang sind Konzerte in Hamburg und Mainz angesetzt. Im Gepäck: das aktuelle (und insgesamt achte) Album „Let All That We Imagine Be the Light“, aber natürlich auch jede Menge Klassiker aus dem Backkatalog der amerikanisch-schottischen Kapelle.
Eine Warnung vorab: Einen Wasserball sollte man besser nicht mit zum Konzert bringen. Derlei Sperenzchen im Publikum führen schon mal dazu, dass bei Shirley Manson die Sicherungen durchbrennen. Bei einem Gig in Melbourne im vergangenen Jahr nahm sie einen Mann ins Visier, der das Spielgerät während des Auftritts im Auditorium in Umlauf brachte. „Du Typ mit deinem verdammt großen Strandball. Ohh, ich habe solche Angst vor dir. Was für ein verdammter Idiot“, schimpfte sie da. Auf der Social-Media-Plattform „Threads“ legte die Musikerin nach: „Ich entschuldige mich nicht dafür, dass mich Wasserbälle bei Konzerten nerven. Ich bin einer Band beigetreten, weil ich den verdammten Strand gehasst habe. Weil ich Siouxsie and the Banshees und The Cure höre und düster und schön sein wollte.“ Ihre Botschaft an Wasserball-Störenfriede: „Hört weiter Spotify und werft eure blöden Strandbälle herum, als wärt ihr zehn Jahre alt.“ Für sie, das wurde in dem Post klar, sind solche Mätzchen Ignoranz gegenüber der Kunst: „Ich liebe die Musikszene und möchte ihre Kunstfertigkeit respektieren. Ich habe die Nase voll davon, dass die Leute Musik gratis konsumieren und uns alle wie Zirkusartisten behandeln.“
Garbage: Sa 27.6., 19 Uhr, Mainz, Zitadelle, Tickets über reservix.de
