Wandertipp „Lebenspfad“: Spaziergang zum Labyrinth in Enkenbach-Alsenborn

Weiter Blick: Der „Lebenspfad“ eröffnet auch gute Aussichten.
Weiter Blick: Der »Lebenspfad« eröffnet auch gute Aussichten.

Von der Quelle zur Erkenntnis: Wer sich darauf einlässt, kann auf dem „Lebenspfad“ beim Sinnieren in die Tiefe des Seins eintauchen. Ein schöner Spaziergang ist es sowieso.

„Quitten zu verschenken“ steht gut lesbar auf dem Blatt Papier an einem blauen Plastikkorb im protestantischen Pfarrhof in Alsenborn. Wir nehmen das Geschenk nach einer rund zweieinhalbstündigen Wanderung dankbar an, stibitzen zwei der frisch geernteten Früchte für unseren Rucksack und die Kompottproduktion daheim. Mit nach Hause nehmen wir auch das schöne Gefühl einer inspirierenden Pilgertour auf dem „Lebenspfad“.

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Outdooractive

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Eben haben wir noch im Dorfzentrum einen Abstecher ins Bajasseum gemacht, eine kostenlose und stets geöffnete Ausstellung über die Zirkustradition Alsenborns, das sich auch als „Heimat der Seiltänzer“ einen Namen gemacht hat. Das Bajasseum gehört nicht zum „Lebenspfad“ mit dem stilisierten Labyrinth als Markierung, der wir gut fünf Kilometer gefolgt sind. Es ist aber eine hübsche Ergänzung, bevor uns dessen letzte Station erwartet. Durch ein enges Gässchen und ein Tor geht es in den Pfarrhof der schmucken protestantischen Kirche, erbaut 1733, mit dem Turm aus dem 13. Jahrhundert als Wahrzeichen.

Protestantische Kirche.
Protestantische Kirche.

Hier, an alten Grabsteinen, endet auch unser Weg für heute offiziell. „Wegende“ nennt sich die elfte Station, der noch der „Rosenstrauch“ folgt. Bis zum Startpunkt am Schwimmbad sind es jetzt nur noch wenige hundert Meter, die wir beschwingt und positiv gestimmt leicht bewältigen.

Doch von vorne. „Dem Leben begegnen wir nicht, wo es laut verkündet oder wo die Lösung aller Probleme angekündigt wird – wir begegnen ihm dann, wenn wir uns darauf einlassen.“ Als der protestantische Pfarrer Martin Knieriemen 2008 diese Worte für den ökumenischen Arbeitskreis, die Initiatoren des „Lebenspfads“ Alsenborn, formulierte, war das Gespenst des modernen Populismus noch nicht spruchreif. Knieriemen wollte damit wohl auch nicht politisch mahnen. Vielmehr lud er so zum Pilgerspaziergang auf dem neuen Weg mit einem Labyrinth als zentralem Erlebnisort ein. Der Pfad verbindet Elemente der Natur mit Marksteinen menschlicher Existenz. Die zwölf Stationen sind inzwischen etwas angejahrt, bieten aber immer noch schöne Denkanstöße und manchen Weitblick.

Start an der Quelle

Wir starten am Schwimmbad, wo sich kostenlose Parkmöglichkeiten finden. Pommesduft signalisiert: Der Schwimmbad-Kiosk ist geöffnet. Das Wasserspiel vor der Dieburg interessiert uns aber weit mehr: Mittels einer Pumpe wird als Kettenreaktion mit Wasserkraft über mehrere Etagen ein Rad in Gang gesetzt.

Am Ausgangspunkt: Wasserspiel mit Pumpe.
Am Ausgangspunkt: Wasserspiel mit Pumpe.

Auch das benachbarte historische Burgareal mit als Gabionen rekonstruierten Mauerresten erkunden wir kurz, bevor wir uns dem buchstäblichen „Anfang des Weges“ widmen, markiert von einer Infotafel bei der Alsenzquelle. Wir fotografieren die Wegführung sicherheitshalber, was aber dank einer guten Beschilderung nicht notwendig gewesen wäre.

Zunächst durch den Ort und über einen einladenden Spielplatz geht es bald bergauf am Gasthaus „Waldesruh“ vorbei in den Wald. Die Wege sind durchweg breit, geschottert oder asphaltiert und bei jedem Wetter gut begehbar. Im Wald angekommen, folgen gleich mehrere „Lebenspfad“-Stationen dicht hintereinander: Das „Wegekreuz“ mit einem Zitat Antoine de Saint-Exupérys etwa, die „Ruhebank“ mit Steintisch und das verflochtene Wurzelwerk des „Familienbaums“.

Verflochten: Baumwurzel.
Verflochten: Baumwurzel.

Schnurgerade führt die Route jetzt oberhalb des Orts entlang, eröffnet durch buntes Herbstlaub immer wieder schöne Ausblicke. Dann geht es rechts ab ein Stück parallel zur Autobahn, wo der „Lebenspfad“ die Gedanken an den Unfalltod nicht ausspart: „Es gibt viel Leid im Leben, aber es gibt auch viel Leben im Leid“, ist auf einer Metallplatte neben einem Holzkreuz zu lesen.

Der weite Weg zur Mitte

Gedankenversunken schlendern wir weiter, bergab dem Alsenborner Labyrinth entgegen. Zunächst weckt noch eine langgestreckte Sitzgruppe am Feldrand die Aufmerksamkeit, lädt zur Rast mit „Aussichten“, über die nachzudenken eine weitere Station inspiriert.

Ellenlang: Bank am Waldrand kurz vorm Labyrinth.
Ellenlang: Bank am Waldrand kurz vorm Labyrinth.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Felds erstreckt sich das kreisrunde, von Steinen eingefasste Wegelabyrinth. Dessen Mitte erscheint zum Greifen nah, doch der enggewundene, schmale Pfad dahin ist gut einen Kilometer lang. Während wir es beschreiten, sehen wir einen jungen Mann, zwei Äpfel in der Hand, vor dem hochgewachsenen Schlehenstrauch beim Labyrinth stehen.

Zentraler Ort des „Lebenspfads“: Labyrinth mit stabilisierten Stelen des polnischen Künstlers Aleksander Majerski.
Zentraler Ort des »Lebenspfads«: Labyrinth mit stabilisierten Stelen des polnischen Künstlers Aleksander Majerski.

Genüsslich nascht er von den tiefblauen Beeren, während auf der anderen Strauchseite eine rote Plastiktüte verloren im Wind flattert. Sie erschien mir als Mahnung für die Bedrohung der Natur durch uns Menschen. Doch jetzt frage ich mich, weiter den Steinen folgend, ob jemand sie nicht vielmehr als Einladung zur Ernte hierher gehängt haben könnte? Noch fünf Schritte. Ich bin in der Mitte angekommen.

»Lebenspfad« in Alsenborn: rund fünf Kilometer lange Spazierwanderung mit einer Steigung, kostenlose Parkplätze am Schwimmbad, Picknickmöglichkeiten, Gaststätten im Ort; www.enkenbach-alsenborn.de

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