10. bis 12. Oktober Klassik-Festival: Karolinenfest bringt „Musiken“ in die Stadt
Clara und Marie Becker halten Wort. Nach dem Konzert im letzten Jahr, in dem sie mit musikalischen Freunden aus aller Welt und Musik von Vivaldi bis Fazil Say einen Vorgeschmack gaben auf das intendierte Festival, macht das Kirchheimbolander Klavierduo Ernst mit seinem Karolinenfest. Drei Tage, drei Konzerte und lebendiges Miteinander stehen der Stadt bevor.
Unter der Überschrift „Fiesta“ soll ein „Fest voller Lebensfreude“ gefeiert werden, kündigen die Zwillinge als künstlerische Leiter an, aufgefächert in einen spanisch tönenden Dreiklang aus „Animalia“, „Folia“ und „Alegria“ und ergänzt um „Resonancias“ als Begegnungsraum. Eingebunden sind die großen Festräume der Stadt – die Paulskirche und die Stadthalle.
Präludium für das junge Publikum
Anknüpfen wollen die Zwillinge an eine lange zurückliegende, aber bemerkenswerte lokale Musiktradition, die schon einen Mozart zum Schwärmen brachte: „300 Musiken machen sie hier im Jahr“, schrieb er von seinem Besuch staunend an seinen Vater. Gemeint war das kulturelle Leben am Nassau-Weilburgischen Fürstenhof, geprägt von der musikbegeisterten Fürstin Karoline, der auch Mozarts legendärer Aufenthalt in Kirchheimbolanden 1778 zu verdanken ist.
Groß ist das Spektrum der Akteure, gut zwanzig stellt das Programmheft vor, dazu die Latin Fusion Band Los Pipos und, wie im Vorjahr, das Kammerorchester der Deutschen Oper Berlin. Ebenfalls noch bekannt aus dem Vorjahr: der Pianist Carlos Manual Vargas aus der Dominikanischen Republik. Es sind Musikerinnen und Musiker aus den USA über Südkorea bis Portugal und Russland vertreten, fast alles junge Leute aus der Generation der Beckers, Freunde, mit denen die beiden gerne etwas gemeinsam auf die Beine stellen wollen. Alle haben wie das Klavierduo aus Kibo schon markante Karriereschritte hinter sich, kennen die großen Bühnen, die sie schon mit berühmten Kollegen bespielt haben.
Das Präludium des Festivals ist jungem Publikum gewidmet: In der Paulskirche spielen Clara und Marie Becker am Fr 10.10. vormittags mit ihren Kollegen den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns. Glücklich sind die beiden, dass sich zwei Grundschulen – die in Kibo und die Zellertalschule – komplett mit allen Klassen angemeldet haben. „Das hat uns so gefreut – das sind über 600 Kinder! Dafür haben wir noch eine zweite Aufführung aus dem Boden gestampft, weil wir die sonst gar nicht alle unterbekämen“, sagt Marie Becker. So werden die 14 Charakterstücke, die neben Löwen, Eseln, Kängurus, Schildkröten, Elefanten und dem berühmten Schwan auch „Pianisten“ im Bestiarium führen, um 10 und 11 Uhr erklingen, Interessierte können dazukommen, Kinder zahlen nur einen Euro Eintritt. „Wenn das bei den anderen Konzerten auch so ausgeht, sind wir natürlich total beglückt“, so Marie Becker. Gespielt wird eine um Texte von Jörg Hilbert ergänzte Fassung, lesen wird Matthias Folz vom Kinder- und Jugendtheater Speyer.
Zwischen Barock und Klängen aus Amerika
Ausgangspunkt sei immer Barockmusik, weil die Stadt eben barock geprägt sei. „Wir wollen das aber nicht darauf beschränken“, so Marie Becker zur Programmidee, die diesmal Barock und Amerika zusammenbringen möchte. Das betrifft insbesondere das Konzert am Samstag, das mit einer Bach-Chaconne beginnen wird und damit einer Musikform, die ihren Ursprung in Mexiko haben soll. Daran wird sich Vivaldis Verarbeitung des populären spanischen „La Folia“-Motivs in einer Sonate für zwei Violinen und Basso continuo anschließen, gefolgt von Astor Piazzollas „Primavera Porteña“. Der erste Konzertteil wird ausklingen mit „Café Music“ des US-Amerikaners Paul Schoenfield, die klassische und lateinamerikanische Motive mit Jazz verbindet und damit die Brücke schlägt zum Auftritt der „Los Pipos“, die den zweiten Konzertteil bestreiten mit lateinamerikanischen Rhythmen, Jazz, Improvisation und zeitgenössischen Klängen. Eine ausgedehnte Pause soll laut Marie Becker zwischen den Teilen Raum schaffen für Begegnungen.
Etwa gegen 21.30 Uhr geht es über in den „Resonancias“ genannten geselligen Teil des Abends im Kelterhaus, zu dem Zutritt hat, wer eines der auf 100 begrenzten Kombitickets für die Konzerte gekauft hat – mit der Begrenzung wird Rücksicht genommen auf die räumlichen Möglichkeiten im Kelterhaus. Hier ist dann Gelegenheit fürs Kennenlernen, für Gespräche, Fragen und geselliges Miteinander.
Das Festival klingt am Sonntag aus mit Mozart unter dem Titel „Alegrias“. Zu hören sind die Ouvertüre zur Oper „La finta giardinera“, Konzerte für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur und für Fagott und Orchester B-Dur und die Symphonie Nr. 29 A-Dur.
Info
Karolinenfest »Fiesta«: Kirchheimbolanden, 10.-12.10.; Konzerte: »Animalia«, Fr 10/11 Uhr, Paulskirche; »La Folia«, Sa 19 Uhr, Stadthalle; »Alegrias«, So 17 Uhr, Paulskirche; zur Begegnung: »Resonancias«, Sa 21.30 Uhr, Kelterhaus
; Karten: www.reservix.de
