Ab 4. Mai RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Reiner Calmund zu seinem Live-Programm mit Gästen

Fußball früher und heute: Reiner Calmund („Calli“) geht mit seiner Fußball-Talkshow auf Tournee.
Fußball früher und heute: Reiner Calmund (»Calli«) geht mit seiner Fußball-Talkshow auf Tournee.

Reiner Calmund lebt Fußball auch mit 77 Jahren. Mit einem Live-Programm kommt er in die Region. Im Interview gibt er vorab einen Einblick, was das Publikum erwartet.

Reiner Calmund lebt Fußball auch mit 77 Jahren. Der ehemalige Fußballfunktionär von Bayer 04 Leverkusen, am 23. November 1948 in Brühl bei Köln geboren, wohnt seit Jahren im Saarland. In seinem Live-Programm „Ein runder Abend mit Fußball & Freunden“ kommt in jeder Stadt auch ein Überraschungsgast auf die Bühne: am 4. Mai in Saarlouis Jonas Hector, am 5. Mai in Kaiserslautern Axel Roos und für Mannheim wird Jogi Löw als Gast genannt (6. Mai). Der Abend läuft in zwei Halbzeiten à 45 Minuten – moderiert von Thomas Helmer. Zuschauerfragen sind erwünscht. Wie ein „runder Abend“ aussieht, hat Reiner Calmund im Gespräch mit Christian Hanelt verraten.

Herr Calmund, was macht für Sie persönlich einen „runden Abend “ aus?
Ein runder Abend muss sich einfach gut anfühlen. Für mich ist das eine Mischung aus Geselligkeit, ein paar nette Leute am Tisch, man quatscht, man lacht, man erzählt sich Geschichten von früher. Und glauben Sie mir: Irgendwann landet man automatisch beim Fußball, das geht gar nicht anders. Dann wird diskutiert, analysiert, auch mal gestritten – aber immer mit einem Augenzwinkern. Und wenn dann noch ein ordentliches Essen auf dem Tisch steht, dann ist das für mich rund.

Hand aufs Herz: Wird die Veranstaltung eher taktisch durchgeplant – oder ein wildes Spiel mit offenem Visier?
Ohne Taktik geht gar nichts, aber nur Taktik ist auch langweilig. Unser Moderator Thomas Helmer ist da eher der, der die Ordnung reinbringt, der hat ja seine Karriere nicht umsonst auf höchstem Niveau gemacht. Und ich bin dann eher der, der auch mal den Spielzug verlässt und alles durcheinanderwirbelt. Ich komme nicht mit einem auswendig gelernten Drehbuch, sondern mit vielen Geschichten, Erfahrungen und einer großen Portion Lust auf den Abend. Und wenn dann noch ein starker Gast dabei ist und das Publikum mitzieht – dann wird’s auch mal ein Spiel mit offenem Visier. Am Ende lebt so ein Abend davon, dass du beides hast – Struktur und Freiheit.

Wie viel des Auftritts ist geplant, wie viel entsteht im Moment?
Wir haben natürlich einen Plan, zwei Halbzeiten, ein paar Themen, einen roten Faden. Aber ich wäre ja nicht der Calli, wenn ich mich da komplett dran festhalten würde. Viel entsteht im Moment, aus dem Bauch heraus, aus der Stimmung im Saal. Und oft sind genau diese Momente die, die den Abend besonders machen.

Was darf der Zuschauer an diesem Abend erwarten: Anekdoten, Analysen oder eher Unterhaltung?
Die Leute bekommen eigentlich von allem etwas. Es gibt Geschichten aus meiner Zeit im Fußball, aus der Kabine, vom Verhandlungstisch, Begegnungen mit großen Persönlichkeiten. Themen, die die Öffentlichkeit noch nicht kennt. Dann schauen wir natürlich auch auf den aktuellen Fußball. Aber am Ende soll das Ganze vor allem eines sein: unterhaltsam.

Zählt auch aufs Publikum: Reiner Calmund.
Zählt auch aufs Publikum: Reiner Calmund.

Welche Rolle spielt das Publikum?
Eine ganz entscheidende. Ohne Publikum ist das wie ein Spiel ohne Fans – das kannst du machen, aber es fehlt die Seele. Die Reaktionen, das Lachen, die Zwischenrufe, manchmal auch kritische Fragen – das bringt Leben rein.

Wo liegt für Sie die Grenze zwischen ehrlicher Fußballromantik und gut erzählter Legende?
Die Grenze ist ganz einfach: Es muss wahr sein. Du darfst Dinge zuspitzen, du darfst sie lebendig erzählen, aber der Kern muss stimmen. Der Fußball hat so viele echte Geschichten, da brauchst du nichts dazuerfinden.

Gibt es auch „unrunde“ Phasen, die Sie heute mit Humor erzählen können?
Aber selbstverständlich: Vize-Kusen… Jedes Mal flog uns das Konfetti in den falschen Vereinsfarben um die Ohren. Niederlagen, verpasste Titel, schwierige Phasen – das gehört doch dazu. Und mit ein bisschen Abstand kannst du darüber auch schmunzeln. In dem Moment tut es weh, klar. Aber später merkst du: Das war auch Teil der Reise.

Welcher Moment war für Sie „rund“ – im Sinne von vollkommen gelungen?
Es gab viele schöne Momente: UEFA-Cup-Sieg 1988, DFB-Pokalsieg 1993... Was vielleicht keiner vermutet: So ein Klassenerhalt am letzten Spieltag, wenn dir tonnenschwere Lasten von den Schultern fallen, das ist ein Gefühl, das ist kaum zu beschreiben.

Wenn Sie den heutigen Fußball bewerten: Wo läuft es rund? Und wo eiert es gewaltig?
Der Fußball selbst ist nach wie vor ein fantastischer Sport. Aber im Drumherum wird es manchmal zu viel. Zu viele Wettbewerbe, zu viele Interessen, zu viel Geld. Ich versteh diese Klub-WM bis heute nicht. Und wer dorthin kommt. Wer sich qualifiziert und warum… Da eiert es an manchen Stellen schon gewaltig.

Was fehlt dem heutigen Fußball vielleicht, was ihn früher ausgemacht hat?
Sie irren, wenn Sie glauben, ich gehöre zu denen, die sagen: Früher war alles besser. Nein – es ist einfach anders geworden. Der Fußball hat sich weiterentwickelt: schneller, professioneller, globaler. Genau wie in der Wirtschaft oder im echten Leben. Das bringt viele Vorteile mit sich – aber es macht auch manches komplizierter, anstrengender. Und der Druck ist heute deutlich höher. Was dem Ganzen vielleicht guttun würde, ist ein bisschen mehr Bodenhaftung. Früher war vieles direkter, spontaner, vielleicht auch ein Stück ungefilterter. Fußball soll Emotion sein – sonst geht genau das verloren, was ihn so besonders macht. Aber ich weiß auch, dass es eben nicht anders geht, wenn man wettbewerbsfähig bleiben möchte.

Welche Entscheidung aus Ihrer Zeit im Profifußball würden Sie heute noch genauso treffen – und welche lieber im VAR verschwinden lassen?
(lacht) Es gibt beides. Viele Entscheidungen würde ich genauso wieder treffen. Und bei anderen denke ich mir: Wenn ich damals noch mal hätte draufschauen können, vielleicht hätte ich es anders gemacht. Aber das gehört dazu. Vielleicht verraten wir am runden Abend ja mehr dazu.

Wie hat sich der Fußball verändert: mehr Geschäft oder noch Herzblut?
Beides. Ohne Geschäft geht es nicht – ohne Moos nix los, das ist nun mal so. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass Tradition kein Flutlicht anknipst. Aber das Herzblut ist immer noch da. Sonst würde dieser Sport nicht Millionen von Menschen bewegen. Dieses Business geht nur mit Herzblut. Nur Lackaffen – das funktioniert im Fußball nicht.

Und ganz ehrlich: Wird dieser Abend wirklich „rund“ – oder darf es auch ein paar Ecken und Kanten geben?
Ein bisschen Kante gehört dazu. Sonst wird es langweilig. Ich bin als Leverkusener mit meiner Show trotz unserer schwierigen Vergangenheit nach Krefeld gegangen. Die Anhänger von Bayer Uerdingen haben nichts vergessen. Zur Einordnung: Beide Vereine gehörten früher zum Bayer-Konzern – aber irgendwann lag der Fokus klar auf Bayer 04 Leverkusen. Wir hatten schlichtweg das Glück, am Hauptstandort der Bayer AG zu sitzen. Die Entscheidung war mir recht, getroffen habe ich sie aber nicht. Die Uerdinger Fans haben das verständlicherweise anders gesehen – und das haben sie mich auch Jahrzehnte später noch spüren lassen. Aber genau das macht es doch aus: ein bisschen Reibung, ein bisschen Stichelei – und am Ende trotzdem ein richtig guter Abend.

Vorletzte Frage: Verlängerung und Elfmeterschießen – oder lieber ein klarer Sieg nach 90 Minuten?
Für die Nerven lieber ein klarer Sieg. Aber fürs Publikum darf es ruhig spannend sein. Und weil ich gern quatsche, brauche ich meistens länger als 90 Minuten.

Sie leben im Saarland. Schlägt Ihr Herz vor Freude für Elversberg oder blutet es mit Blick auf den 1. FC Saarbrücken?
Ich sage mal so: Ich habe für beide meine Sympathien. Bei dem einen leide ich mehr, bei dem anderen freue ich mich mehr. Elversberg spielt einen richtig guten Fußball, das macht Freude. Und Saarbrücken ist ein Traditionsverein mit einer unglaublichen Geschichte und Wucht. Am Ende freue ich mich, wenn der Fußball im Saarland insgesamt lebt – und das tut er.

Reiner Calmund: Mo 4.5., 20 Uhr, Saarlouis, Theater am Ring, Restkarten: westticket.de; Di 5.5., 20 Uhr, Kaiserslautern, Kammgarn; Mi 6.5., 19 Uhr, Mannheim, Capitol, Karten für beide: www.reservix.de

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