Ab 13. März RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Kabarettist Heinz Gröning als Dr. Laugh unterwegs

„Ich muss niemandem auf den Schlips treten“: Heinz Gröning unterhält mit Niveau.
»Ich muss niemandem auf den Schlips treten«: Heinz Gröning unterhält mit Niveau.

Er ist wieder als „Dr. Laugh“ unterwegs. Worum es dabei geht und ob Lachen wirklich therapeutisch wirkt, hat Heinz Gröning im Gespräch mit Christian Hanelt verraten.

Heinz Gröning, auch bekannt als der „Unglaubliche Heinz“, ist Comedian, Musiker, Wortakrobat und Lyrik-Liebhaber. Seit 1991 hat er 22 Bühnen-Produktionen vorgestellt. Gröning ist „Night Wash“-Comedian der ersten Stunde und Moderator von 36 Folgen „Funkhaus“ im WDR. Er war für den Deutschen Comedypreis nominiert und hat zahlreiche Kleinkunstpreise gewonnen. An Karneval ist der in Köln lebende Gröning regelmäßig als Dröge Pit zu erleben. Und seit Aschermittwoch ist er wieder als „Dr. Laugh“ unterwegs. Worum es dabei geht, hat er im Gespräch mit Christian Hanelt verraten.

Können Sie das Programm „Dr. Laugh“ kurz skizzieren?
Ich bin ja gelernter Arzt, habe aber nicht lange in dem Beruf gearbeitet, denn parallel lief schon die Comedy-Karriere an – und Comedy war das, wofür ich mich letztendlich entschieden habe. Trotzdem fand ich es jetzt nach 30 Jahren ganz interessant, zu sehen, wo die Berührungspunkte von Medizin und Comedy sind und wie sich daraus ein Programm mit einem Maximum an Lustigkeit machen lässt. Und so habe ich es, verbunden mit ein bisschen Infotainment, zum Thema gemacht, wie Lachen funktioniert und wie sich Lachen auf den menschlichen Körper auswirkt.

Sehen Sie sich da als Mediziner der Seele oder der Gesellschaft oder beides?
Mediziner der Seele oder der Gesellschaft wäre ein bisschen hochgegriffen. Medizin ist ja letztendlich immer sehr individuell, und da muss man, glaube ich, schon jeden einzelnen Menschen abholen. Und mich als Mediziner an der Gesellschaft zu versuchen, die so komplex ist – das wäre doch ein bisschen vermessen.

Welche Beschwerden bringt das Publikum Ihrer Erfahrung nach in den Theatersaal mit?
Das ist ein interessanter Aspekt. Also die meisten Leute kommen ja gesund ins Theater – sicher weiß ich das allerdings nicht. Nach der Vorstellung kann ich aber wirklich sagen, dass sie für viele gerade eine Therapie war. Ich hatte vor ein paar Tagen sogar einen Kollegen im Publikum, einen Augenarzt mit einer großen Praxis, der nach der Vorstellung zu mir kam und sagte: „Ich hatte irgendwie so einen Scheißtag, ja sogar eine Scheißwoche. Und dieses Programm hat mich jetzt wieder auf die sonnige Seite des Lebens gebracht.“ Er hat mich dann auch direkt für seine Betriebsfeier engagiert. Und so geschieht es immer mal wieder, dass man mit einem schönen Comedyabend jemandem dieses Dunkle vertreiben kann.

Wie stark lebt Ihr Programm von Improvisationen und von spontanen Reaktionen im Publikum?
Ich versuche, mit Improvisation eine optimale Mischung zu finden – also nicht zu viel und nicht zu wenig. So nehmen die Improvisationen mit dem Publikum inzwischen etwa 20 Prozent des Programms ein. Und wenn dadurch etwas Schönes entsteht, ist das eigentlich immer das Sahnehäubchen des Abends. Das, was man nicht planen kann, ist oft am lustigsten. Wenn man das aber durchgängig den ganzen Abend so macht, wird es auch wieder langweilig.

Hat sich „Dr. Laugh“ seit der Premiere im September stark verändert?
Ja, das Programm hat sich tierisch verändert. Ich fange natürlich schon vor der Premiere an, einzelne Abläufe und Sachen zum Beispiel auf offenen Bühnen oder bei Wohnzimmerkonzerten zu proben.

Der „Unglaubliche Heinz“: Auch Musik gehört zu Grönings Auftritten.
Der »Unglaubliche Heinz«: Auch Musik gehört zu Grönings Auftritten.

Ich hatte auch eine Vor-Vor-Premiere im Juli. Von dieser Vor-Vor-Premiere bis zur Premiere hat sich schon viel verändert. Und von der Premiere im September bis heute ist noch mal einiges anders geworden. Und trotzdem: Ich glaube, man wird es wiedererkennen.

Wie entsteht so ein Programm?
Das ist wie bei einer Doktorarbeit: Da recherchiert man, was es zu einem bestimmten Thema gibt, was man selbst noch weiß, was man schon mal irgendwo herausgefunden oder gelesen hat. Dann versucht man, das in lustige Beispiele zu bringen und unterhaltsam zu präsentieren. Und um maximale Abwechslung zu erhalten und jeden Lachnerv anzutriggern, greife ich natürlich an der einen oder anderen Stelle auch mal auf alte Nummern zurück, die perfekt dahin passen. Bei diesem Programm war das jetzt ein etwas anderer Prozess. Ich habe immer ein kleines Buch dabei, in das ich neue Ideen schreibe, und wenn es eine Gelegenheit gibt, probiere ich die aus, auf offenen Bühnen zum Beispiel.

Nehmen Sie Unterschiede zwischen einem urbanen Publikum wie in Mannheim und einem etwas kleinstädtischen Publikum wie in Zweibrücken wahr?
Es gibt schon Unterschiede, aber ich könnte die jetzt nicht benennen. Es hängt viel von der Location ab, von dem Drumherum und mit welcher Einstellung die Leute in die Vorstellung kommen. Wenn ich Auftritte in Köln habe, kann der eine total schwer und der andere total einfach sein. Und genauso ist es auf dem Land. Das kommt auch immer auf die Gruppe an, die da im Zuschauerraum sitzt. Was für mich manchmal einen Unterschied macht, ist, wenn man ein Abo-Publikum vor sich hat, bei dem man eigentlich annehmen sollte, dass es offen im Geiste ist. Aber es gibt halt oft Leute, die mit einer ganz bestimmten Vorstellung zur Aufführung kommen, und wenn man die dann nicht erfüllt, wird es schwierig. Aber das macht den Job auch immer wieder spannend. Und manchmal kann das ein schönerer Abend werden, als wenn das Publikum von der ersten Sekunde schon total begeistert ist und man manchmal zwischendurch denkt, „ach, das liegt gar nicht an mir. Die haben alle gute Laune, weil sie einfach eine fette Party feiern wollen“.

Wir leben gerade in einer Zeit von Cancel Culture und Political Correctness. Ist das etwas, was sich auch in Ihrem Programm niederschlägt – bewusst oder unbewusst?
Thematisch nicht. Aber meine Frau und die 19-jährige Tochter meinten an zwei, drei Stellen des Programms, „das kannst du heute so nicht mehr sagen, darüber musst du nochmals nachdenken“. Und das mache ich dann natürlich auch. Allerdings nicht, um irgendeine Vorgabe zu erfüllen. Ich finde aber, dass ich niemanden auf den Schlips treten oder irgendwelche Grenzen überschreiten muss. Mit einer Grenze zu spielen, ist schwierig, spannend und künstlerisch anspruchsvoll. Sie nur zu überschreiten, ist dagegen billig.

Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Ironie und Zynismus?
Das ist ganz, ganz schwer. Mir gefällt Komik, solange dabei nicht auf jemandem, der schwach ist, herumgetrampelt wird. Am liebsten ist es mir, wenn man sich selbst ins Zentrum dessen stellt, worüber gelacht werden kann.

Der Komiker rückt sich gerne selbst „ins Zentrum dessen, worüber gelacht“ wird.
Der Komiker rückt sich gerne selbst »ins Zentrum dessen, worüber gelacht« wird.

Mir gefällt es nicht, wenn andere erniedrigt werden – das finde ich gar nicht lustig. Aber es gibt ja durchaus Komik, die in diese Richtung geht.

Hat das Lachen für Sie eine existenzielle Funktion jenseits der Bühne?
Existenziell! Ich lache gerne und habe gerne Spaß mit meiner Familie. Aber weil ich mich auf der Bühne und auch ansonsten sehr viel mit Humor beschäftige, bin ich, glaube ich, relativ entspannt im normalen Leben.

Wenn Dr. Laugh ein Rezept ausstellen könnte, was stünde drauf?
Ich würde per Rezept zwei Stunden Lachen in meinem Programm verschreiben – oder bei einem lustigen Kollegen. Und dabei gibt es immer wieder ein paar Sachen, die man sich in den Alltag holen kann. Lach-Yoga zum Beispiel, was ja leider so ein bisschen esoterisch verschrien ist, aber, wissenschaftlich untersucht, durchaus positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat.

Wie sieht eigentlich Ihr Alltag außerhalb der Bühne aus?
Als Komiker lebt man saisonal sehr unterschiedlich. Es gibt Monate, in denen man viel arbeitet. Im Dezember und im Karneval habe ich 80, 90 Auftritte gemacht. Dezember, Januar, Februar – in diesen Monaten besteht die Freizeit darin, sich zwischen den Auftritten so in Form zu bringen, dass man fit ist. Im Sommer sind dann nicht so viele Auftritte, und da lässt man es sich im Alltag auch mal gut gehen nach dem Motto „Wer viel arbeitet, soll sich auch erholen, essen gehen und in der Sonne liegen“.

Heinz Gröning: »Dr. Laugh’s beste Medizin« – Fr 13.3., 19.30 Uhr, Zweibrücken, Festhalle, Wintergarten, Karten: ticket-regional.de; Fr 20.3., 20 Uhr, Mainz, Unterhaus, www. unterhaus-mainz.de; Sa 21.3., 20 Uhr, Mannheim, Schatzkistl, eventim.de; Germersheimer Lachnacht mit Gröning u.a. – So 19.4., 20 Uhr, Germersheim, Stadthalle, reservix.de, rheinpfalz.de/ticket

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