Am 19. November Indie-Legende Bernd Begemann kommt nach Kusel
Mit den Füßen in Ostwestfalen, mit dem Kopf in Hamburg: Als sich in der Hansestadt Ende der 1980er die Hamburger Schule (die Bands wie Tocotronic hervorbrachte) herausbildete, fand diese Geschwister im Geiste auch in anderen Teilen der Republik. Ausgerechnet in Bad Salzuflen (Lippe) und dem Raum Bielefeld kristallisierte sich eine Musikerszene, die sich der Bewegung im Norden verbunden fühlte. Obwohl ja nie so wirklich klar definiert war, was diese Hamburger Schule überhaupt sein sollte, da ihre Mitglieder eine riesige Bandbreite an Genres abdeckten.
Jochen Distelmeyer (später Blumfeld), Bernadette La Hengst (Die Braut haut ins Auge) und Frank Spilker (Die Sterne) gehörten jedenfalls zum NRW-Arm der Bewegung, allesamt vereint im in Bad Salzuflen ansässigen Fast- Weltweit-Label. Auch Bernd Begemann war Teil der Szene, obwohl er nie auf dem Label veröffentlichte. Er war aber der erste aus der Ostwestfalen-Bubble, den es auch physisch nach Hamburg verschlug.
Die Antwort zum Karriere-Auftakt
Der rege Kontakt, den es dann zwischen der Hansemetropole und Ostwestfalen gab, ist Begemann zu verdanken, er war das Verbindungsstück. 1985 gründete er in Hamburg die Soul-Pop-Band Die Antwort. Immer wieder arbeitete er in dieser Zeit mit Musikern aus der Heimat zusammen.
Seit Mitte der 1990er Jahre ist Begemann (Jahrgang 1962) mehr oder weniger solo unterwegs, „Rezession, Baby!“ (1993) war der Startschuss. Heute gibt er in der Regel um die 100 Konzerte im Jahr, ist ein echtes Arbeitstier.
Mal veröffentlicht er neue Musik allein, mal mit Dirk Darmstaedter (The Jeremy Days), mal mit seiner Band Die Befreiung. Egal wie: Die Kritiker applaudieren dem sprachbegabten Musiker und Entertainer, der stets im Anzug auftritt und Kollegen wie Thees Uhlmann und Anette Humpe als Idol gilt.
Aktuelles Album „Milieu“
Zuletzt erschien 2024 das Album „Milieu“. Und für Begemann ist die Platte etwas Besonderes. 2023 brach er sich den Ellenbogen, befürchtete zwischenzeitlich, nie wieder Gitarre spielen zu können. Mit der neuen Platte im Gepäck kehrt Begemann, der sich auf seiner Webseite den „musikalischsten und hinterlistigsten Frauenversteher der Republik“ nennt, zurück ins Kuseler Kinett, alleine, also ohne Die Befreiung. Als Support hat er sich den Singer-Songwriter Jeremy Tuplin aus dem britischen Somerset mit ins Boot geholt.
Es dürfte ein launiger, unterhaltsamer Abend werden, der auch mal wieder lang werden könnte: Denn Konzerte von Bernd Begemann können gut und gerne mal drei Stunden in Anspruch nehmen.
Bernd Begemann: Solo-Konzert (Support: Jeremy Tuplin) – Mi 19.11., 20 Uhr, Kusel, Kulturzentrum Kinett, Tickets über eventim.de
