21. März Heidelberger Frühling: Barbara Hannigan und Belcea Quartet
Am 14. März startet der „Heidelberger Frühling“. Die diesjährige Ausgabe des Musikfestivals feiert bis 19. April vor allem die Rückkehr in die Gründerzeit-Stadthalle am Neckarufer, die zuvor jahrelang saniert wurde.
In den ersten „Frühlingstagen“ liegt der Fokus auf Werken von Mozart und Beethoven, nach Ostern ist ein Bach-Schwerpunkt gesetzt, dazwischen finden sich aber auch Streifzüge in modernere Gefilde. Besonders interessant in der ersten Festivalwoche: das Konzert der kanadischen Sopranistin Barbara Hannigan und des Belcea Quartets am 21. März.
Hannigan, die bei anderer Gelegenheit auch als Dirigentin unterwegs ist, hat sich auf Werke der Klassischen Moderne und der Neuen Musik spezialisiert. Beim „Frühling“ singt sie Stücke, die sie vor drei Jahren für das Album „Infinite Voyage“ zusammen mit dem Emerson String Quartet aufgenommen hat – nämlich zum einen die Kammerlieder, die Paul Hindemith in „Melancholie“, seinem Opus 13, zusammenfasste, und zum anderen die beiden Sätze aus Arnold Schönbergs zweitem Streichquartett, in denen die sonst rein instrumentale Gattung zur Kantate mutiert.
Hindemiths vier Lieder auf Gedichte Christian Morgensterns, entstanden gegen Ende des Ersten Weltkriegs, sind selten zu hörende Preziosen des Expressionismus, harmonisch delikat, raffiniert mit Sing- und Streicherstimmen spielend, inhaltlich schwankend zwischen seltsam irrsinnigen Frühlingsgefühlen („Die Primeln blühn und grüßen“) und zart-beklemmendem Memento mori („Dunkler Tropfe“).
Ähnlich heikle bis visionäre Gefühlslagen berührt das Streichquartett in fis-Moll, das Schönberg 1908 komponierte. Indem er für den dritten und vierten Satz Gedichte von Stefan George vertonte, wird das Werk zunächst zur traurigen „Litanei“, die sich nach einem Ende des Sehnens und leidvollen Liebens sehnt, um dann eine „Entrückung“ zu bewirken, die mit dem Satz beginnt: „Ich fühle Luft von anderem Planeten.“ Wie in Isoldes Liebestod diffundiert das Ich am Ende ins Kosmische.
Hannigan singt das auf ihrem Album ganz famos, mit klarstem Sopran und sensibler Hingabe, aber auch mit Instinkt für die symbolistische Theatralik dieser Lyrik. In Heidelberg hat die Sängerin mit dem Belcea Quartet eines der besten Streichquartette unserer Tage an ihrer Seite, das mit Anton Weberns „Fünf Sätzen“ (op. 5) und Mozarts „Dissonanzenquartett“ (KV 465) einen zusätzlichen Spagat vollführt zwischen Wiener Klassik und Zweiter Wiener Schule.
Konzert
Barbara Hannigan & Belcea Quartet: Sa 21.3., 19.30 Uhr, Heidelberg, Konzerthaus Stadthalle, Karten: heidelberger-fruehling.de, eventim.de
