Drama Gewinnerfilm der Berlinale: „Gelbe Briefe“ von Ilker Çatak
Der Berliner Regisseur İlker Çatak („Das Lehrerzimmer“) hat sein Drama „Gelbe Briefe“ in Hamburg und Umgebung gedreht – und in Berlin. Beim Berlinale-Gespräch erklärte der 42-jährige Regisseur: „Wir tun so, als würde Istanbul in Hamburg stattfinden und Ankara in Berlin.“ Besonders freue ihn, dass er erneut in Hamburg arbeiten konnte. Er drehe sehr gerne dort. Seine Geschichte über ein türkisches Künstler-Ehepaar, das in den Fokus der türkischen Staatsmacht gerät, wurde nun mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet.
Eine Familie unter Druck
Worum geht es: Derya (Özgü Namal) und Aziz (Tansu Biçer), ein gefeiertes Künstlerpaar aus Ankara, führen mit ihrer 13-jährigen Tochter Ezgi ein unbeschwertes Leben – bis ein Vorfall bei der Premiere ihres neuen Theaterstücks alles verändert. Über Nacht geraten sie ins Visier staatlicher Behörden, verlieren ihre Arbeit und die Wohnung. Alles ist auf einmal anders. Zuflucht finden sie in Istanbul bei der Mutter von Aziz. Der hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und will nicht von seinen Überzeugungen abweichen. Derya sucht nach einem Weg, finanziell unabhängig zu werden. Der Druck und die Angst ums Überleben belastet die Ehe zunehmend, auch die Beziehung zu ihrer Tochter wird auf eine harte Probe gestellt.
Über Angst, Mut und Menschlichkeit
„Die geradlinige Erzählweise fesselt mit exzellentem Schauspiel“, kommentiert die Deutsche Presse-Agentur. Özgü Namal erreiche als verzweifelte Ehefrau, Mutter und Schauspielerin eine große emotionale Intensität. Auch Tansu Biçer überzeugt als Hochschullehrer und Theaterautor Aziz. Besonders in gemeinsamen Szenen spiegeln beide eindrucksvoll Angst, Zweifel und innere Zerrissenheit ihrer Figuren. Mit beklemmender Intensität zeigt der Film, wie viel Mut es braucht, unter Druck Menschlichkeit zu bewahren.
„Gelbe Briefe“ – D, F, Türkei 2026, 128 Minuten, Regie: lker Çatak, mit
Özgü Namal, Tansu Biçer, Leyla Smyrna Cabas, FSK: ab 12 Jahren