Ab 12. März RHEINPFALZ Plus Artikel Feuerschwanz auf Tour: Interview mit Frontmann Peter Henrici

Passend zum „Knightclub“ in voller Rüstung: Peter Henrici. Knight ist das englische Wort für Ritter.
Passend zum »Knightclub« in voller Rüstung: Peter Henrici. Knight ist das englische Wort für Ritter.

Die Mittelalter-Rocker planen auf der „Knightclub“-Tour auch einen Stopp in Saarbrücken. Was sich mit dem ESC für sie verändert hat und warum Humor ihnen wichtig ist.

Nahezu alle Tourneen waren bislang ausverkauft, mit ihren Liveshows rocken sie Europas größte Festivals. Jetzt ist die Mittelalterrockband Feuerschwanz wieder in den Clubs unterwegs, wo sie ihr Album „Knightclub“ vorstellt. Die Tour führt sie im März nach Saarbrücken, Wiesbaden und Stuttgart. Auf der Setliste steht dabei natürlich auch der Titelsong des Albums, mit dem die Band aus Franken im vergangenen Jahr am deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC) teilgenommen, es aber nicht ins Finale der besten fünf Acts geschafft hatte. Für Bandgründer und Sänger Peter Henrici alias Hauptmann Feuerschwanz hat sich die Teilnahme dennoch ausgezahlt, wie er im Gespräch mit Christian Hanelt erzählt.

Die Veröffentlichung des jüngsten Albums „Knightclub“ liegt inzwischen ein halbes Jahr zurück. Bist du heute noch zufrieden damit oder würdest du gerne an der einen oder anderen Stellschraube drehen?
Ich bin sehr zufrieden. Die Aufnahmen zu „Knightclub“ sind aber mit der Teilnahme am ESC zusammengefallen. Und darunter hat das Album ein bisschen gelitten, denn wir hätten dafür noch einen Monat mehr Zeit, einen Monat mehr Liebe gebraucht. Insoweit haben wir da ein lachendes und ein weinendes Auge. Der Song „Knightclub“ selbst hat uns ein bisschen in die Herzen auch von Nicht-Mittelalter-Menschen gespielt, hat uns neue Hörer erschlossen, die gemerkt haben, dass wir das Herz am rechten Fleck haben und eine positive Energie mitbringen.

Wie ist es überhaupt zu der Teilnahme am ESC gekommen?
Unser Gitarrist hat uns heimlich angemeldet. Also es ist wirklich gar nicht geplant gewesen. Ich fiel aus allen Wolken, aber dann war klar, „wir müssen das jetzt machen“.

Was hat sich durch den ESC für Euch verändert?
Der Song „Knightclub“ war unsere meistgehörte Single. Aber der ESC hat kein Wunder bewirkt. Allerdings haben wir danach auf der Tour im Herbst gemerkt, dass nun auch die großen Hallen richtig gut besucht waren.

Und dennoch: Wird der Mittelalter-Metal nicht oft unterschätzt?
Ja. Er wird verkindlicht, verniedlicht. Obwohl er aus dem eigenen Land kommt und die eigene Kultur und Geschichte beinhaltet, fällt er etwas aus dem Raster und wird einfach nicht beachtet. Darum war das auch ein großer Schritt für unsere ganze Szene, dass wir uns beim ESC präsentieren konnten.

Wie eine „Game of Thrones“-Fantasie mit Steampunk-Accessoires: Feuerschwanz-Shows sind Spektakel.
Wie eine »Game of Thrones«-Fantasie mit Steampunk-Accessoires: Feuerschwanz-Shows sind Spektakel.

Jedes Album hat ja seine eigene Dramaturgie. Aber wie ist das bei den Konzerten? Nach welchen Kriterien stellt ihr die zusammen?
Bei einem Konzert stellen wir die Setliste der Spiellänge entsprechend zusammen. Und da wir stets über 100 Minuten spielen, heißt das, dass wir zwei Höhepunkte im Programm haben – also zweimal eine hohe Energie erzeugen und in der Mitte ein bisschen runtergehen mit einer Ballade oder auch mit einer kleinen Überraschung.

Feuerschwanz ist eine Attraktion bei vielen Festivals, und inzwischen füllt die Band auch die ganz großen Hallen. Hast du das Gefühl, in einer anderen Liga angekommen zu sein?
Ich sehe natürlich schon, dass wir in einer anderen Liga angekommen sind – was sich leider auch in der Organisation widerspiegelt. Das ganze Drumherum hat sich verändert. Alles ist aufwendiger geworden. Aber das gehört wohl dazu. Und als Bandgründer darf ich sagen, dass all das der Freundschaft innerhalb der Band nicht geschadet hat, die Kontakte eng sind und wir nach wie vor viel Zeit miteinander verbringen. Und das, glaube ich, spüren auch unsere Fans.

Du hast es gerade erwähnt: Du hast Feuerschwanz gegründet. Was war die eigentliche Idee damals? Ihr kommt aus dem Raum Nürnberg, wo mit Fiddler’s Green und JBO noch zwei andere ungewöhnliche Bands beheimatet sind ...
Die beiden Bands waren tatsächlich meine Vorbilder – allein schon, wie sie mit dem Publikum umgegangen sind, hat mich begeistert. Die sind das einfach locker angegangen und haben schon in den 90ern tolle Shows gemacht. Da habe ich mir viel abgeguckt. Ich bin sehr dankbar, dass wir so tolle Bands dort haben. Damals hatte ich gerade meine eigene Mittelalterband verloren, wollte mich neu orientieren und habe mich selbst vom Bassisten zum Sänger befördert. Und dann hatte ich zum Glück ein gutes Händchen bei der Zusammenstellung der Band, woraus sich eine tolle Gruppenenergie ergeben hat.

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Feuerschwanz gibt es inzwischen seit über 20 Jahren. Was hat sich in der Zeit verändert?
So, wie wir uns entwickelt haben, als Persönlichkeiten gewachsen sind, ist auch unsere Musik gewachsen. Am Anfang habe ich richtig Bock darauf gehabt, provokativ und derb zu sein, was aus heutiger Sicht wie im Kindergarten gewesen ist. Damals aber war es mir wichtig, zu provozieren, die Leute damit aber auch zum Lachen anzuregen. Irgendwann haben wir dann jedoch beschlossen, die Humorschiene ein bisschen zu verlassen und uns mehr dem Metal zuzuwenden. Das waren Persönlichkeitswachstumsprozesse, die wir durchaus auch mit einer Träne im Auge durchschritten sind. Es war nicht einfach, aber wir wurden immer bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dafür auch mal etwas Liebgewonnenes loslassen müssen.

Humor ist ein gutes Stichwort. Mir fällt immer wieder auf, welche Ernsthaftigkeit oft auf den Mittelaltermärkten herrscht, obwohl es doch eigentlich immer nur um Spaß geht.
Humor ist etwas, was mir meine Eltern mitgeben konnten. Ich bin Sohn von Eltern, die noch in der Kriegszeit geboren wurden und eine Art von Galgenhumor entwickelt haben, den sie mir vererbt haben. Und so war mir schon immer wichtig, gemeinsam lachen zu können. Und ja, wir Deutschen haben leider diesen Hang zur Ernsthaftigkeit und zur Verkopfung. Ich kann das auch nicht so ganz nachvollziehen, warum in der Mittelalterszene vieles so ernst zugeht. Letztlich ist es doch nur Fantasy – und die Gedanken sind frei.

Andererseits war das Mittelalter mit all den Seuchen, Kriegen und dem ganzen Elend nicht gerade eine besonders lustbetonte Zeit ...
Genau deswegen ist es doch besser, das Ganze heute etwas fantasievoller zu sehen. So will ja bei den Mittelalterfesten auch niemand der Gefolterte oder der an Pest Erkrankte sein. Da ist es doch immer besser, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Wenn man es genau nachspielen würde, lägen in wenigen Stunden alle tot auf dem Acker.

Wie verändert sich deine Wahrnehmung der eigenen früheren Songs, wenn du sie jetzt spielst?
Also von der Grundintention her gefallen sie mir nach wie vor, weil ich immer schon Melodien geliebt habe, und ich die Melodien, die ich früher gemacht habe, immer noch gut finde. Die Ausführung der Songs, die meist Drei-Akkord-Songs sind, sei mal dahingestellt – aber als Musiker habe ich halt auch damals schon mein Bestes gegeben.

Feuerschwanz: »Knightclub«-Tour – Do 12.3., 20 Uhr, Saarbrücken, Garage; Sa 14.3., 20 Uhr, Wiesbaden, Schlachthof; Sa 28.3., 20 Uhr, Stuttgart, Wagenhallen; Tickets jeweils: eventim.de, feuerschwanz.de

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