Weinwelt RHEINPFALZ Plus Artikel Experten-Empfehlungen aus einer großen Weinfülle

Die Qual der Wahl: große Weinvielfalt.
Die Qual der Wahl: große Weinvielfalt.

Weinfans sehen sich in der Pfalz vor der Qual der Wahl. Vinum-Chefredakteur Matthias F. Mangold aus Venningen verrät uns verrät seine ganz persönlichen Favoriten.

Die Pfalz ist und bleibt ein Dorado für Weinfreunde. Dieser Fakt stellt manchen aber auch vor eine Herausforderung: die sprichwörtliche Qual der Wahl.

„Eine Vielzahl an angebauten Rebsorten, die Bandbreite der Spielarten und die äußerst hohe Dichte an sehr guten Qualitäten ziehen die Kunden magisch an“, stellt Mangold fest. Seinen Angaben zufolge verstärken sich auch die Trends zu Sekt und Chardonnay weiter. „Noch nie zuvor wurden so viele Schäumer eingereicht wie in diesem Jahr, und auch qualitativ stellt sich das in Summe weitaus anders dar als in der Vergangenheit.“

Mangold ist Chefredakteur des Vinum-Weinguides und leitet in Venningen die „Genusstur“ nebst Kochschule. Seit Jahren leitet er auch das Verkostungsteam, das für die Weinbauregion Pfalz zuständig ist. Was Stilistiken betreffe, sei eine Art Finetuning zu erkennen. „Wie nie zuvor greift die Technik der Reduktion bei den Weißweinen um sich – nun aber in positiver Weise“, sagt er. „Auch wenn sich mancher traditionelle Kunde damit vielleicht etwas schwertut, ist es schon ein Fakt, dass durch die zurückhaltendere Frucht mehr nach hinten tragende Griffigkeit entsteht.“

Weinkenner von Beruf: Matthias F. Mangold.
Weinkenner von Beruf: Matthias F. Mangold.

Eine ganze Riege vorwiegend jüngerer Winzerinnen und Winzer setzt dem Genussexperten zufolge zudem die alte Regel außer Kraft, dass man mindestens 20 Betriebsjahre auf dem Buckel haben müsse, um große Pinot Noirs zu erzeugen. „Insgesamt wird die Spitze immer breiter, und auch eine ganze Reihe von aufstrebenden, kleineren Betrieben demonstriert, dass ein Status quo nicht das ist, worauf man sitzen bleiben möchte.“

Zum „Weingut des Jahres“ hat der Vinum HE-Weine in Eschbach von Hans Erich Dausch erkoren, der gleichzeitig nun 4,5 Sterne führen darf. Mit seinen fünf Spätburgundern setze der Winzer Maßstäbe und zeige, dass selbst sein „Einstiegs“-Pinot enorm hochklassig sei, heißt es zur Begründung.

Regionaler „Aufsteiger des Jahres“ kann sich das Weingut Zeter (Neustadt-Haardt) nennen. Tausendsassa Oliver Zeter sei nicht nur ein einmal mehr überzeugender Auftritt mit seinen Varianten der Rebsorte Sauvignon Blanc gelungen, auch bei Syrah, Chardonnay oder Pinots spiele er inzwischen in der ersten Liga mit. Zur „Entdeckung des Jahres“ in der Pfalz wurde Lichti & Astroh (Herxheim am Berg) gekürt. Dahinter verbirgt sich das Weinmacher-Paar Freya Lichti und Alexander Strohschneider, die einst bei Bürklin-Wolf gearbeitet und sich vor wenigen Jahren selbstständig gemacht haben. Ihre Weine mit wenig Eingriffen im Keller werden von den Verkostern als echte Bereicherung für die Pfalz betrachtet.

Hervorgetan hat sich auch das Weingut Koch in Hainfeld, das den Rotweinpreis plus Auszeichnung „Roter Riese“ eingeheimst hat.

Nach seinen persönlichen Favoriten befragt, zögert Mangold: „Es ist unglaublich schwierig, sich aus der schieren Fülle der absolut empfehlenswerten Pfälzer Weine welche herauszupicken“, meint er – und nähert sich der Auswahl professionell in der Form an, „dass es nicht jeweils der am höchsten bewertete – und damit oft auch teuerste – Wein seiner Kategorie ist, sondern einer, der uns besonders mitgenommen hat.“ Seine Tipps in diesem Sinn:

Sauvignon Blanc

2023 Sauvignon Blanc I, von Winning (Deidesheim), 19,50 Euro: Von Winning war bei Sauvignon schon immer gut, dieser hier freilich noch nie so ausdrucksstark wie 2023. Er hat eine fruchtige Würze und einen einnehmenden Schmelz, zeigt Balance und Harmonie, ist stilsicher ganz ohne Extreme.

Chardonnay

2023 Chardonnay Widder Grande Réserve, Hörner (Hochstadt), 34 Euro: Thommy Hörner, ein Winzer aus dem Gäu, hat es inzwischen geschafft, uns mit herausragenden Pinots und Chardonnays zu begeistern. Diese Grande Réserve kommt in meisterlicher Eleganz daher, es ist pure, fließende Seidigkeit mit einem doch festen Kern. Unaufdringlich, lange am Gaumen.

Spätburgunder

2022 Hainfelder Letten Pinot Noir, Borell-Diehl (Hainfeld), 38 Euro: Familie Diehl betreibt hochklassigen Spätburgunder seit langem als ein Steckenpferd. Am meisten mitgenommen waren wir vom Letten Pinot Noir – ein ganz in sich ruhender, gelassener Wein, dem man anmerkt, dass an ihm nicht viel „herumgefrickelt“ wurde. Vanille, Frucht, Holz, Tannine: von allem genug, von nichts zu viel.

Grauburgunder

2024 Kirrweiler Mandelberg Grauburgunder, Hartmann (Kirrweiler), 7,60 Euro: Der Geldbeutel lacht, der Verkoster staunt. Dieser Grauburgunder verführt mit Aromen nach Melone, Birne, Quitte und Walnuss, dazu kommt ein Hauch geröstetes Brot. Am Gaumen kräftig und stoffig, aber dennoch mit der Eleganz eines maßgeschneiderten Anzugs.

Riesling

2024 Kallstadter Saumagen Riesling, Rings (Freinsheim), Preis auf Anfrage: Rings-Weine sind in der Regel nichts für den Freund fruchtiger Tropfen. Dieser Saumagen-Riesling hat eine reduktive Grundart, braucht also viel Luft und Zeit in einer Karaffe. Er ist fordernd, obwohl er tänzelnd, fast schwebend in seiner Natur ist. Je länger der Wein im Glase bleibt, desto feiner entwickelt er sich. Grandioser, schier endloser Nachhall. Für den ganz besonderen Anlass.

„Andere“ Rotweine

2022 Bockenheimer Sonnenberg Cabernet Franc, Neiss (Kindenheim), 29,90 Euro: Cabernet Franc ist bei uns nicht ganz so verbreitet wie sein zwischen ihm und Sauvignon Blanc gekreuztes „Kind“ Cabernet Sauvignon, zeigt aber immer edlere Ergebnisse. Der von Axel Neiss erinnert schon in der Nase an dunkle Beeren, bringt viel Saftigkeit im Mund, aber dennoch Charakter. Die Gerbstoffe sind samtig, der ganze Wein ist überaus sinnlich.

Alle empfohlenen Weine sind übrigens trocken ausgebaut. Mangold: „Selbst wenn sie auf den Weingütern bereits ausverkauft sein sollten, kann man sie im Handel oder online immer noch ergattern.“

Vinum Weinguide Deutschland 2026

Nahezu 14.000 deutsche Weine werden alljährlich von rund zwei Dutzend Verkostungsexperten für den Vinum-Weinguide Deutschland verkostet. Jetzt ist er für das Jahr 2026 wieder in Buchform und als App erhältlich.

Nach mehr als 25-jähriger Zusammenarbeit gilt das Kernteam unter Leitung der Chefredakteure Matthias F. Mangold und Harald Scholl, das immer wieder um junge Fachleute ergänzt wird, als eines der erfahrensten des Landes. Eine Besonderheit ist laut Mangold der hohe Aufwand bei den Verkostungen: „In zahlreichen regionalen Vergleichsproben bis hin zur mehrtägigen deutschlandweiten Finalprobe werden die besten Weine so oft von den Experten probiert und verglichen, bis sich die Redaktion ihres Urteils sicher ist“, betont er.

Gastregion des 1080 Seiten starken Werks ist dieses Mal Südtirol. Zu jedem der 13 deutschen Anbaugebiete und auch dem Gastland gibt es informative Einstiegsseiten zu den Herausforderungen des Weinjahres in der jeweiligen Region und Tipps.

Matthias F. Mangold/Harald Scholl: Vinum Weinguide Deutschland 2026, Verlag Intervinum AG, Zürich, 1080 Seiten, 35 Euro (inklusive App-Freischaltcode)

Hier lesen Sie mehr zum „Oscar der Weinbranche“.

csm_weinguide_buch_mit_app_2026_3f86cdf7c9
Entkorkt - Newsletter  - Anmeldeseiten 729 x 450 (1)

Dürfen wir nachschenken?

Was sind die Trends der Weinszene? Welche Neuigkeiten gibt es von den Weingütern in der Region? Was ist Naturwein? Wie arbeitet ein Kellermeister? Und wo stehen Weinautomaten in der Pfalz? In unserem kostenlosen Newsletter Entkorkt" liefern wir alle zwei Wochen Weinwissen für Pfälzer Weinliebhaber.

 

Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.  

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x