Kinderkonzerte RHEINPFALZ Plus Artikel Dino-Metal: Oliver Palotai von Heavysaurus im Interview

Große Klappe, aber kinderlieb: Sänger Mr. Heavysaurus.
Große Klappe, aber kinderlieb: Sänger Mr. Heavysaurus.

Die Dinos rocken die Pfalz! Oliver Palotai von Heavysaurus („Milli Pilli“) erzählt, wie Groß und Klein auf die Show reagieren und was der Band wichtig ist.

Heavy Metal und Dinosaurier? Das passt zusammen wie Topf und Deckel. Jedenfalls findet das die Band mit Sänger Mr. Heavysaurus, Gitarrist Riffi Raffi, Bassist Muffi Puffi, Schlagzeuger Komppi Momppi und Milli Pilli am Keyboard. Ihre wilde Metal-Hardrock-Kostüm-Show ist für so manchen Menschen von drei bis elf Jahren das erste Konzert überhaupt. Mit neuem Album geht es auf der Tournee 2026/2027 auch in die Pfalz – am 21. Februar beispielsweise nach Kusel (Termin-Übersicht am Artikel-Ende). Olaf Neumann sprach mit Milli Pilli alias Oliver Palotai (51), Gitarrist, Keyboarder, Musikpädagoge und Vater, über die Tour und die Wacken-Besucher der Zukunft.

Herr Palotai, Sie sind seit 30 Jahren Profi, haben mit Metal-Größen wie Doro Pesch und Blaze Bayley gearbeitet. Was reizt Sie musikalisch an dem Projekt Heavysaurus?
Ich wollte schon immer Musik für Kinder machen. Ich habe mal in der Yehudi-Menuhin-Stiftung gespielt, da wurden wir zu diversen sozialen Projekten geschickt. Die Veranstaltungen für Kinder empfand ich immer als ganz besonders intensiv. Die sind unverblümt und begeistert, weil der Filter noch nicht da ist. Das finde ich ganz toll. Ich hatte dann jahrelang im Hinterkopf, dass ich unbedingt auch mal etwas mit und für Kinder machen möchte. Als Heavysaurus schließlich anklopfte, bin ich in ein bereits existierendes Projekt integriert worden.

Hatten Sie zuerst Bedenken, ob man in einem Kostüm mit Tatzen und Krallen die richtigen Töne treffen kann?
Absolut. Erst einmal habe ich Heavysaurus beim Festival „Bang Your Head“ live erlebt, das heute nicht mehr existiert. Es war ein sehr heißer Sommertag, und als die Musiker backstage die Kostüme auszogen, ist ihnen der Schweiß nur so heruntergelaufen. Ich dachte, so etwas könnte ich nie machen. Und ein paar Jahre später war ich selbst dabei. Als bei meinem allerersten Konzert mit Heavysaurus das Licht ausging und die Intromusik ertönte, war ich kurz vor einer Panikattacke. In solch einem Kostüm fühlt man sich wie in einem Astronautenanzug. Man sieht extrem wenig. Und wenn dir das Licht auch noch ins Gesicht scheint, bist du praktisch blind. Mittlerweile fühle ich mich aber richtig wohl in dem Kostüm.

Das neue Heavysaurus-Album trägt den Titel „Metal“. Worauf haben Sie bei der Platte besonderen Wert gelegt?
Das Album ist wieder ein Streifzug durch viele Metal-Stilistiken der vergangenen 40 Jahre. Manchmal symphonisch, manchmal progressiv, aber immer melodisch und voll aufs Ohr. Wir haben den Kindern zugehört und danach über Themen und Ideen geschrieben, die sie in ihrem Alter interessieren. Songtitel wie „Das weltbeste Versteck“ oder „Heavy-Hubschrauber“ sprechen für sich. Bei anderen Liedern geht es zum Beispiel um Seemannsgarn mit irischen Einflüssen – „Irosaurus“ – oder um Ägypten bei „Pharaonen-Fest“. Ich bin gespannt, wen die Kinder zu ihren Favoriten wählen. Danach richten wir dann auch unser Live-Set aus.

Die meisten Ihrer Songs sind richtige Heavy-Metal- und Hardrock-Stücke, denen Sie allerdings kindgerechte Texte verpasst haben. Welche Themen kommen bei den Kleinen besonders gut an?
Ich finde die Texte großartig. Manche sind ein bisschen absurd und überhöht, aber gerade dadurch super lustig. Wir singen auch bei uns zuhause immer wieder Heavysaurus-Texte. Da geht es zum Beispiel um Spielzeuge, die sich verselbständigen, oder Fallschirmspringer, die eigentlich Flugsaurier sein möchten. In „Super Monster-Auto“ geht es um ein heiß begehrtes Spielzeug. In solche Texte können Kinder sich anscheinend gut hineinfühlen, aber Erwachsene nimmt es genauso mit, wie wir es in Wacken erlebt haben. Dort brüllten Zehntausende „Super Monster-Auto“ oder „Laser Ninja“. Das war schon skurril. Dieses Jahr spielen wir dort auf einer der großen Bühnen zu einer anderen Uhrzeit. Da werden wahrscheinlich noch viel weniger Kinder da sein.

Werden Sie von erwachsenen Headbangern als ernsthafte Metalband angesehen?
Ja, ein Teil unseres Erfolgs beruht darauf, dass unsere Musik auch den Erwachsenen gefällt. Ich bin selbst Vater. Mein Sohn ist mit richtiger Musik aufgewachsen und kam sehr früh mit Metal in Berührung, weil ich in verschiedenen Kapellen spiele. Seine Mutter singt in einer sehr erfolgreichen Metalband. Er hat heute seine eigene Band und spielt im Schulorchester. Was ich an herkömmlicher Kindermucke mitbekommen habe, hat mich selbst so genervt, dass ich nur mit einem extremen Gehörschutz zu solch einem Konzert gehen könnte. Wir haben tatsächlich manchmal Erwachsene im Publikum, die ohne Sprösslinge kommen. In Wacken haben sie zu „Super Monster-Auto“ geheadbangt, als wären sie bei Arch Enemy.

Ist Wacken der Traum eines jeden Heavyrock-Musikers?
Von der Bühne aus unterscheidet sich Wacken nicht so sehr von anderen tollen Festivals, aber es ist schon das Mekka der Metalwelt.

Gibt es unter Kindern richtige Metalfans, quasi das Wacken-Publikum der Zukunft?
Total. Es gibt kleine Kuttenträger, die haben die ganzen Gesten drauf. Da ist schon Nachwuchsarbeit für die nächste Wacken-Generation geleistet worden.

 Kinderlieder mit Wumms: Heavysaurus mit Milli Pilli (2.v.r.).
Kinderlieder mit Wumms: Heavysaurus mit Milli Pilli (2.v.r.).

Was möchten Sie den Kindern, die zu Ihren Konzerten kommen, mit auf den Weg geben? Verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit einen pädagogischen Ansatz?
Sogar im großen Stil, würde ich sagen. Wir bekommen immer wieder Zuschriften von Kindern, die zum Beispiel Schwierigkeiten in der Schule haben. Manche werden gemobbt, sind vielleicht noch nicht so angesehen oder fühlen sich noch nicht so stark. Über die Identifikation mit den Dinos wird sehr viel innere Stärke ausgedrückt, Zuversicht und Selbstbewusstsein. Da scheinen die Kinder eine enorme Brücke zu finden. Wir kriegen viele enthusiastische Zuschriften in der Richtung. Manche schicken uns Bilder oder Selbstgebasteltes. Zwischen den Songs erzählen wir von Freundschaft und Zusammenhalt, was für Außenstehende vielleicht im Gegensatz steht zu der harten Musik. Aber auf Metalfestivals geht es stets friedlich und freundschaftlich zu.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig?
Bei Meet-and-Greet-Begegnungen unterhalten wir uns immer mit den Kleinen. Ich frage sie, ob sie ein Instrument spielen, und dann unterhalten wir uns übers Üben, über Motivation und Disziplin. Das finde ich ganz wichtig. Wir bleiben da in unseren Kostümen, die meisten Kinder wissen natürlich, dass wir keine echten Dinos sind, aber für die Jüngsten sind wir es schon.

Ihre Shows für Kinder sind zwar ein paar Dezibel leiser als die von Metallica, aber sollen sie trotzdem ein echtes Konzerterlebnis sein?
Ja, und die Sicherheitsvorkehrungen sind ganz anders. In unseren Kinderbereich dürfen keine Erwachsenen hinein. Die Kids haben dort immer Bewegungsfreiheit und können jederzeit rausgehen zu den Eltern, die direkt dahinter stehen. Securitys schauen die ganze Zeit auf die Kinder.

Wie reagieren Knirpse auf Heavy Metal, wenn sie diese Musik zum ersten Mal live hören?
Ich versuche immer, bei einem Konzert möglichst viel vom Publikum zu sehen, auch wenn das sehr begrenzt möglich ist. Wenn wir rauskommen und das Konzert beginnt, stehen manche da wie in Schockstarre. Du sieht diese großen Augen. Manche flippen aus wie die Großen. Die überschäumenden Emotionen müssen erst einmal verarbeitet werden. Die ersten Akkorde, der erste Knall, das ist für mich immer der tollste Moment.

Finden Sie es pädagogisch in Ordnung, dass Kinder bei Fernseh-Formaten wie „The Voice Kids“ präsentiert werden?
Ich habe eine gemischte Einstellung zu Castingshows vor allem deswegen, weil ich den Werdegang von so manchem Zweit- oder Drittplatzierten verfolgt habe. Da gibt es einige Negativbeispiele. Ich bin kein Fan davon, dass da Juroren den Daumen runter oder hoch halten. Auf der anderen Seite sind da schon großartige Talente entdeckt worden. Aber es riecht manchmal schon sehr nach Kommerzialisierung, der ich mein ganzes Leben aus dem Weg gegangen bin. Wenn es mir nur ums Geld ginge, würde ich andere Musik machen.

Markenzeichen: die „Pommesgabel“, eine für die Metal-Szene typische Geste.
Markenzeichen: die »Pommesgabel«, eine für die Metal-Szene typische Geste.

In der Hörspielreihe „Heavysaurus und die Hexenmeister des Metal“ wird eine gruselig-spaßige Fantasy-Geschichte erzählt unter Einbeziehung legendärer Rock- und Metal-Acts wie Ozzy Osbourne oder Deep Purple. Warum sollten Kinder sich in der Rockgeschichte auskennen?
Es ist ein Teil der Kultur. Handgemachte Rockmusik ist eine Antithese zu Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. Sie ist etwas zutiefst Menschliches. Bei Jugendlichen ist das ein bisschen verloren gegangen. Die empfinden einen DJ-Auftritt schon fast als ein Livekonzert. Ich glaube, Konzerte sind ein Kulturgut, das uns zusammenbringt, ohne Einsen und Nullen. Das finde ich sehr wichtig. KI bedroht uns alle, und es ist noch nicht klar, wohin die Reise geht und was mit der menschlichen Kreativität passiert. Mir bleibt nichts anderes übrig, als durch Heavysaurus eine Front dagegen aufzubauen.

Taugen Heavy-Metal-Stars eigentlich als Vorbilder für Kids?
Ich denke schon, wobei es da die unterschiedlichsten Charaktere gibt ... Es gibt natürlich Einzelfälle, die nur dem schnöden Mammon hinterherlaufen. Manche Metalleute haben auch Eigenschaften, die man als fragwürdig betrachten kann, was Drogen- oder Alkoholkonsum angeht. Das wollen wir natürlich nicht propagieren.

Heavysaurus live: Infos und Pfalz-Termine

Die Konzerte sind laut Ankündigung auf Kinder im Alter von 3 bis 11 Jahren zugeschnitten. Die Show der Band dauere circa 75 Minuten; 85 Dezibel würden nicht überschritten. Auch wenn diese damit leiser als ein Metal-Konzert „für Große“ ausfällt, packen viele Eltern Gehörschutz ein.

Aus dem Tourneeplan, Info: heavysaurus.de

Kusel: Sa 21.2., 15 Uhr, Fritz-Wunderlich-Halle, Karten ticket-rheinpfalz.reservix.de, Telefon 06381 424-496, Info: www.landkreis-kusel.de

Neunkirchen/Saar: Sa 18.4., 16 Uhr, Neue Gebläsehalle, nk-geblaesehalle.de

Ramstein: Fr 15.5., 17.30 Uhr, Freizeitbad Azur, Open-Air, congress-center-ramstein.de

Speyer: So 23.8., 15 Uhr, MPS-Festival, Unterer Domgarten, Karten-Info: spectaculum.de

Haßloch: Di/Mi 6./7.10., 17.30 Uhr, Plopsaland, Karten: www.eventim.de, www.plopsa.com

Trier: Do 8.10., 17.30 Uhr, Europahalle, www.eventim.de

Saarbrücken: Fr 20.11., 17.30 Uhr, Garage, www.eventim.de

Kaiserslautern: So 29.11., 14 Uhr, Kammgarn (Kasino)

Landau: 4.1.2027, 17 Uhr, Jugendstil-Festhalle, Info: heavysaurus.store; Karten teils auch über

ticket-rheinpfalz.reservix.de

Dino-Metal-Rock live: Heavysaurus.
Dino-Metal-Rock live: Heavysaurus.
Hat große und kleine Fans: die Band Heavysaurus.
Hat große und kleine Fans: die Band Heavysaurus.
Mehr zum Thema
Kein Titel (3000 x 2000 px)

Lust auf mehr Veranstaltungen in der Pfalz?

Welches Fest kann ich heute Abend besuchen? Welche Ausstellung hat neu eröffnet? Und wohin plane ich meinen Ausflug am Wochenende? Alle Veranstaltungen aus dem LEO im Überblick.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x