Weinwelt RHEINPFALZ Plus Artikel Der Verbindung von Wein und Bibel auf der Spur

Kultur- und Weinbotschafter Erich Bien im Schatten von Feige und Rebstock. Das stand in der Bibel für eine Zeit des Friedens.
Kultur- und Weinbotschafter Erich Bien im Schatten von Feige und Rebstock. Das stand in der Bibel für eine Zeit des Friedens.

Zu Geschichten aus der Bibel gehört nicht selten Wein. Was steckt dahinter? Wie und wo lässt sich das Thema näher ergründen? Zwei Experten berichten.

Wein ist nicht nur Genuss, sondern auch Kulturgut mit einer biblischen Geschichte. Wie gut sich das eine mit Informationen und Hintergründen zu dem anderen verbinden lässt, das haben unter anderem der Kultur- und Weinbotschafter Erich Bien aus dem vorderpfälzischen Ruppertsberg und der Landauer Dekan Axel Brecht in der Vergangenheit bei verschiedenen „biblischen Weinproben“ unter Beweis gestellt.

Zum Wohl (v. li.): Frank Spiegel vom Weingut Ellermann-Spiegel, Dekan Axel Brecht und Weihbischof Otto Georgens.
Zum Wohl (v. li.): Frank Spiegel vom Weingut Ellermann-Spiegel, Dekan Axel Brecht und Weihbischof Otto Georgens.

Beide finden: Wein gehört untrennbar zur Bibel dazu. „Das Wort Wein wird im Alten Testament mehr als zweihundertmal genannt“, sagt Bien, der auch als zertifizierter Kirchenführer aktiv ist. Der Wein werde als Geschenk Gottes angesehen, das den Kindern Israels Freude bringen solle. „Besonders wenn die Rebe im Zusammenhang mit der Feige genannt wird, bedeutet dies, in Israel ist eine Zeit des Friedens ausgebrochen.“

Paradiesische Rebe

Schon in der Paradiesgeschichte spielt Wein eine Rolle: „ Dann legte Gott, der Herr, einen Garten im Osten an (...). In der Mitte des Gartens standen zwei Bäume: der Baum der Leben schenkt, und der Baum der Erkenntnis “, heißt es dort. Dazu erklärt Bien: „Die Bibel erwähnt nicht, um welche Bäume es sich handelt.“ Er verweist auf eine Sehenswürdigkeit in Neustadt: Die Frage nach dem Baum des Lebens habe der Künstler Gernot Rumpf indirekt mit seinem 1973 geschaffenen Paradiesbrunnen beantwortet. „Rumpf vereinigte die beiden Paradiesbäume zu einem Baum, der Feigen und Trauben trägt. Dazu muss man wissen: Weinstock und Feigenbaum sind die wichtigsten Obstbäume der Bibel. Sie kommen als Paar verbunden im Alten Testament 16-mal vor und sind zusammen ein Friedensbild.“

Auch für seine biblischen Weinproben nimmt Bien sich das Alte Testament vor – für den passenden Wein wurde er gleich vor der Haustür fündig: „Das VDP-Weingut Georg Moosbacher in Forst hat eine wunderbare Zusammenarbeit mit dem israelischen Weingut Vitkin Winery“, berichtet er. „Ich hatte das Glück, in Forst zufällig ein Winzerpaar des Weinguts zu treffen.“ Und so ist koscherer Wein aus dem Heiligen Land Teil seines Vortrags.

Weine aus dem Heiligen Land: Vitkin Winery.
Weine aus dem Heiligen Land: Vitkin Winery.

Seit Januar 2016 verbünden sich bei einer jährlich im November stattfindenden Veranstaltung in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Landau der Pfälzer Wein, Musik und Kunst in der Marienkirche mit biblischen und spirituellen Impulsen. Die 1908 bis 1911 erbaute katholische Kirche St. Maria bietet nicht nur Glaskunst und Buntglasfenster aus dem vergangen Jahrhundert, sondern bei der jährlichen Veranstaltung „Wein – Kunst – Bibel“ auch aktuelle Kunst im Glas aus den Händen von „junggebliebenen“ Winzern. Dabei werden Südpfälzer Weine besprochen und verkostet. Initiator ist Dekan Brecht, der ebenfalls die zentrale Rolle unterstreicht, die dem Wein in der Bibel zukomme. Brecht zitiert unter anderem eine Bibelstelle aus der Genesis im Alten Testament: „ Noah war der erste Ackerbauer und pflanzte einen Weinberg “, stehe dort zu lesen – und räumt schmunzelnd ein, dass schon damals der Wein als Segen und Fluch zugleich angesehen worden sei: „Gleich danach ist Noah betrunken und legt sich nackt ins Zelt, sein Sohn Ham, der Vater Kanaans, sieht ihn, verpetzt es und macht sich lustig“, erzählt der Geistliche schmunzeln. „Noah hört davon. Er verflucht Ham, segnet aber die beiden anderen Söhne, die ihn ohne zu schauen zugedeckt haben.“

Erster Winzer: Noah am Bronzeportal des Speyerer Doms.
Erster Winzer: Noah am Bronzeportal des Speyerer Doms.

In Sachen Wein ist der Bezug zu Noah ein Klassiker. Zu dieser Bibelstelle empfiehlt Kultur- und Weinbotschafter Bien stets einen Qvevri-Wein, einen Amphorenwein aus Georgien. Dort soll Noah auf Land getroffen und erste Reben gepflanzt haben. Der Weinbau hat in Georgien tatsächlich eine Jahrtausende alte Tradition.

„Noahs Erben“: Amphore aus Georgien.
»Noahs Erben«: Amphore aus Georgien.

Doch die Verbindung von Wein und Bibel geht viel tiefer: „Weinberg und Weinstock sind in der Bibel Bilder für das Volk Gottes und zugleich für die Dramatik der Heilsgeschichte. Die Leidenschaft Gottes wird immer wieder mit Weinberg und Weinbergsbesitzern verglichen“, erörtert Dekan Brecht. Und auch im neuen Testament spiele der Wein eine wichtige Rolle. Als Beispiel nennt er das berühmte Zitat aus dem Johannesevangelium, in dem Jesus sagt: „ Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben “. Jesus habe auch Wasser zu Wein gewandelt. „Aus dem Mangel wird erfülltes Leben“, so Brecht, der ergänzt: „In der Feier der Eucharistie, dem Abendmahl, übernimmt der Wein eine neue Rolle: er wird zum Symbol des Lebens. In Brot und Wein entsteht eine Gemeinschaft mit Jesus, die auch der Tod nicht auslöschen kann.“

Brechts Fazit: „Der Wein ist in den biblischen Texten und im Selbstverständnis Jesu ein Symbol der Liebe und des Lebens. Und genau diese Funktion darf er auch zu Weihnachten übernehmen: Er ist eine Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Dankbarkeit und Wertschätzung sollten selbstverständlich sein gegenüber der Schöpfung und all den Menschen, die in Weinberg, Keller und Handel mit diesem edlen Produkt umgehen.“ Wer Wein schenke und einschenke, verbinde damit auch Gemeinschaft, die im christlichen Glauben weit über den engen Kreis der Familie hinausrage. „Wein schafft eine Beziehung mit Gott und den Menschen.“ Brecht gibt dazu „Weinkaufstipps“: „Es macht aus meiner Sicht Sinn, auch beim Weinkauf hier anzusetzen. Wenn ich die Weinberge kenne, in denen die Trauben wachsen und die Winzer unterstütze, die in meiner Umgebung die Trauben zu Wein veredeln, habe ich einen intensiven Bezug zu dem, was ich trinke oder verschenke.“

Biblische Lagennamen

Dabei kommt ein anderer Aspekt zum Tragen: Nicht nur in der Bibel spielt der Wein eine Rolle, in der Pfalz gibt es auch sehr viele Weinlagen mit biblischen oder kirchlichen Bezügen. „Das fängt zum Beispiel beim Paradiesgarten in Deidesheim an, steigt auf den Heiligenberg in Maikammer, führt über den Klostergarten in Niederkirchen, stürzt in die Gleisweiler Hölle, erwähnt Maria Magdalena in Klingenmünster, betet den Rosenkranz in Böchingen, hofft auf die Unterstützung des heiligen Erzengels Michael in Weyher, berührt den Pfaffenberg in Mörzheim und lässt die Feiertage beim Seligmacher in Landau-Arzheim ausklingen“, zählt Brecht einige bekannte Lagen auf.

Wer also möchte, kann bei Ausflügen auch auf eigene Faust der Verbindung von Wein und Bibel auf den Grund gehen – und vor Ort ein passendes Tröpfchen bei einem Winzer seiner Wahl verkosten.

Termine zum Vormerken

Ruppertsberg: Kirchenkunde und Weinprobe zum Alten Testament

Zum Abend unter dem Motto „Geschichten aus dem Alten Testament und Weine aus dem Heiligen Land“ mit Bildvortrag und Verkostung von fünf thematisch passenden Weinen sowie israelischen Snacks lädt Kultur- und Weinbotschafter Erich Bien ein: So 8.2., 15-17 Uhr, Ruppertsberg, Bürgerhaus. Bereits am So 25.1., 15 Uhr, ist dort sein Bildvortrag „Schönheit mittelalterlicher Kunst zwischen Bad Dürkheim und Neustadt“ mit Geschichten zu zwölf mittelalterlichen Kirchen zu erleben. Anmeldung: erich.bien@outlook.de

Landau: Biblische Weinprobe

Einmal im Jahr lädt Dekan Axel Brecht nach Landau zu „Wein – Kunst – Bibel“. Im kommenden Jahr wird die Veranstaltung am Fr 13.11., 19 Uhr, auf der Empore der Landauer Marienkirche mit einer Weinprobe über die Bühne gehen. Die Veranstaltung ist zudem im Stream zu erleben, die Weinpakete für die Verkostung zu Hause können vorab bestellt werden. Tickets ab Anfang September 2026 unter ticket-regional oder im Pfarrbüro www.kirchelandau.de/wein-kunst-bibel

„Wein – Kunst – Bibel“: Verkostung in der Landauer Marienkirche.
»Wein – Kunst – Bibel«: Verkostung in der Landauer Marienkirche.

St. Martin: Bibelgartenführung mit Weinprobe

Bei einer Führung durch den Bibelgarten rund um die St. Martiner Kirche entführen erfahrene Gästeführer in die Welt der biblischen Pflanzen und Geschichten. Während der Führung wird eine dreiteilige Weinprobe offeriert. Der Wein findet in biblischen Texten Erwähnung. Die Gäste kosten die geschmacklichen Nuancen und erfahren die Geschichten hinter jedem Wein, während sie die ruhige Atmosphäre des Gartens genießen können: Treffpunkt: Sa 19.9., 15 Uhr, Vorplatz der St. Martiner Kirche, Buchung/Infos: Tourist-Info St. Martin, Tel. 06323 5300, tourismus@sankt-martin.de, www.sankt-martin.de

Ausflugsziele

Biblischer Weinpfad in Kirrweiler

Wein und Bibel neu entdecken: Das verspricht ein Lehrpfad bei Kirrweiler. Auf einer Strecke von zweieinhalb Kilometern regen zwölf Stationen mit Bildern und Texten zum Nachdenken an und eröffnen neue Perspektiven „Eingebunden in die herrliche Pfalz führt der Biblische Weinpfad über leicht begehbare, ebene Wege, welche auch für Personen mit Handicap problemlos zu bewältigen sind“, verspricht der Flyer. Der biblische Weinpfad zu Kirrweiler ist von „Reisen für Alle“ auf seine Barrierefreiheit geprüft und als erster barrierefreier Wanderweg in Rheinland-Pfalz mit dem Siegel des Verbands ausgezeichnet. Die Initiatoren betonen, der Pfad füge sich gut „in die Geschichte und das Selbstverständnis des Ortes ein, der früher einmal Verwaltungssitz und Sommerresidenz der Speyerer Bischöfe und namentlicher Weinmarkt im Hochstift Speyer war.“ Start und Ziel des Wegs ist die Marienkapelle. Im Flyer, der im Internet heruntergeladen werden kann, finden sich QR-Codes mit Infos zu den zwölf Stationen. Info: i-Punkt Kirrweiler, Tel. 06321 5079 sowie auf kirrweiler.de/biblischer-weinpfad

Bibelmuseum in Neustadt

Wer unabhängig vom Weingenuss in die Welt der Bibel(n) eintauchen möchte, kann das im Pfälzischen Erlebnis-Bibelmuseum, das der Pfälzische Bibelverein in Neustadt (Stiftsstr. 23) betreibt. Der Weg der Bibel durch die Jahrhunderte ist nachzuerleben, zu bestaunen sind wertvolle Bibelausgaben wie die „Neustadter Bibel“ von 1594 und „Luthers letzte Hand“ von 1545. Auch ein Erzähl-Zelt und archäologische Funde, eine mittelalterliche Schreibstube und originale Handschriften, frühe Bibeldrucke und eine Druckerpresse wie zur Zeit Gutenbergs finden sich. Geöffnet: ab 5.1. Di + Do 8.30-16 Uhr (nicht an Feiertagen) und nach Vereinbarung: kontakt@bibelverein.de, 06321 84772, weitere Infos und Kontakt: www.bibelmuseum-pfalz.de

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Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.  

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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