Frankfurt Der Kampf mit den Drachen: Tori Amos kommt nach Frankfurt

Nimmt auf ihrem neuen Album Demokratiezersetzer ins Visier: Tori Amos.
Nimmt auf ihrem neuen Album Demokratiezersetzer ins Visier: Tori Amos.

Tori Amos gehört zu den wichtigsten Singer-Songwriterinnen der 1990er Jahre. 2026 kommt die US-amerikanische Musikerin nach Frankfurt.

Wenn man von den großen Singer-Songwritern spricht, dann denkt man sofort an Namen wie Leonard Cohen oder Bob Dylan, vergisst aber dabei, dass die eine ganze Weile ziemlich „out“ waren. In den 1980er Jahren wirkte ihre Musik aus der Zeit gefallen, angestaubt, für Künstler wie sie ein eher verlorenes Jahrzehnt. Dass sie heute Legenden sind, feste Bezugsgrößen, Fixsterne – das liegt auch an einer bis heute anhaltenden Renaissance des Singer-Songwritertums in den 1990er Jahren. Und an Künstlerinnen wie Tori Amos, die diese eingeleitet haben.

Böses Trauma durchlebt

Es ist eine düstere Geschichte, die Tori in dem ersten Song erzählt, mit dem sie so richtig für große Aufmerksamkeit sorgte. Es ist vor allem eins: ihre eigene Geschichte. In dem Lied „Me and a Gun“, erschienen auf ihrem Erfolgsalbum „Little Earthquakes“, verarbeitet Amos ihre Vergewaltigung sechs Jahre zuvor. Ein Konzertbesucher hatte ihr vorgelogen, sie nach Hause bringen zu wollen, sie mit dem Messer bedroht und zum Geschlechtsverkehr gezwungen. „Wie kann ich noch leben und euch diese Geschichte erzählen, wo er doch bereit war, mich zu zerstückeln? (...) Er wollte mich zu seinen Freunden bringen und mich dort zerstückeln lassen, und das wiederholte er mir gegenüber stundenlang. Hätte er nicht noch mehr Drogen gebraucht, wäre ich nur eine weitere Nachricht gewesen, in der man Eltern um ihre Tochter trauern sieht“, so Amos 1994 in einem Interview mit Joe Jackson. Die Idee, dieses Trauma in einem Song zu verarbeiten, kam ihr, als sie Jahre später den Film „Thelma & Louise“ mit Susan Sarandon und Geena Davis gesehen hatte. Dort rettet Louise ihre Freundin vor einer Vergewaltigung und erschießt den Angreifer, nachdem dieser sie mit vulgären Bemerkungen provozierte.

1994 hat Amos RAINN (Rape, Abuse and Incest National Network) mitgegründet, eine US-weite kostenlose Notrufhotline für Vergewaltigungsopfer, insbesondere für Frauen und Kinder. „Ich habe mich dagegen entschieden, in der Rolle des Opfers zu erstarren. Ich habe dieses unglaubliche Geschenk der Musik, und ich nutze es, um bestimmte Themen immer wieder anzusprechen. Dazu gehören eben das Patriarchat und die ungerechte Machtverteilung“, so Tori Amos später in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Auf diese Weise hat Amos unheimlich viele Künstlerinnen beeinflusst. Regina Spektor und Halsey haben unter anderem auch durch Amos’ Musik zum Songwriting gefunden, Florence Welch (Florence & The Machine) hat „Cornflake Girl“ gecovert und Annie Clark (St. Vincent) erwähnt Amos gar in ihrem Song „The Melting of the Sun“.

Die Bewunderung hat sich Amos über die Jahre verdient. Es gibt nur wenige Künstler oder Künstlerinnen, die über so lange Zeit so beständig Qualität abliefern wie die 1963 in North Carolina (USA) geborene Musikerin.

In der Regel alle zwei Jahre veröffentlicht Amos eine neue Scheibe höchster Güteklasse, da ist sie verlässlich. Mal kredenzt sie ihren Hörern dabei den typischen Amos-Klavier-Singer-Songwriter-Pop, mal wagt sie sich gar in klassische Gefilde vor.

Nun steht Amos’ größte Headliner-Tour der vergangenen zehn Jahre bevor. Im April und Mai tourt die Amerikanerin durch 17 Länder und absolviert dabei 31 Gigs. Sieben Konzerte sind in Deutschland angesetzt, darunter das am 1. Mai in der Jahrhunderthalle in Frankfurt. Begleitet wird sie auf ihrer Konzertreise von ihren langjährigen Mitstreitern Jon Evans (Bass), Ash Soan (Drums) und den Backgroundsängerinnen Liv Gibson, Hadley Kennary und Deni Hlavlinka.

Volle Breitseite

Im Gepäck wird Amos dann ein neues Album haben. „In Times of Dragons“ wird das gute Stück – ihr insgesamt 18. Longplayer – heißen, es soll am 1. Mai auf den Markt kommen. Der Nachfolger von „Ocean to Ocean“ (2021) beschäftigt sich mit dem politischen Status quo, wie es in der offiziellen Ankündigung heißt.

Das wohl von ihrem typischen Sound geprägte Album sei „eine metaphorische Geschichte über den Kampf für die Demokratie statt der Tyrannei.“ Sie spiegele das aktuelle, „abscheuliche, nicht zufällige Niederbrennen der Demokratie in Echtzeit durch die ,diktatorgläubigen Echsendämonen’ bei ihrer Machtübernahme Amerikas wider.“

Klare Kante. Amos zeigt (nicht nur) in diesen Zeiten, wie etwa auch ihr Kollege Bruce Springsteen, in ihrer Kunst Haltung. Bezieht Stellung. Und reiht sich damit nicht in die enttäuschende Reihe namhafter Kollegen ein, die gerade erstaunlich stumm sind. Auf Amos kann man sich eben verlassen. Auch in diesen Fragen.

Info

Tori Amos: »In Times of Dragons«-Tour – Fr 1.5., 20 Uhr, Frankfurt, Jahrhunderthalle, Tickets über www.eventim.de

Kein Titel (3000 x 2000 px)

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