Weinwelt Charakter in der Flasche: Rebsorten beim Wandern auf der Spur

Der Aussichtspunkt „Schönste Weinsicht der Ahr“ liegt über Dernau.
Der Aussichtspunkt »Schönste Weinsicht der Ahr« liegt über Dernau.

In Rheinland-Pfalz gibt es eine große Vielfalt an Rebsorten. Fast jede Region hat dabei ihre Spezialitäten. Was zeichnet sie aus? Wie kann man sie erleben?

Die Rheinland-Pfalz-Tourismus hat Tipps parat: ein kleiner Ausflug zum Riesling in der Pfalz, zum Spätburgunder im Ahrtal, zum Elbling an der Mosel und zur Scheurebe in Rheinhessen.

Pfalz: König der Weißweine

Der Riesling gilt vielen als „König der Weißweine“. Eine Rebsorte, die vor allem in deutschen Landen einen idealen Boden findet und weltweites Renommée genießt. Rund 40 Prozent aller Rieslingtrauben wachsen hierzulande. Zu einer der prägendsten Regionen für den Riesling zählt die Pfalz. Mit knapp 6000 Hektar Rebfläche ist sie – gemessen an der Fläche – das größte Rieslinganbaugebiet der Welt. Seit 600 Jahren ist die Rebsorte hier nachweisbar, rund 30 Millionen Rieslingstöcke finden sich in den Reblagen entlang der Deutschen Weinstraße.

Von Basis- bis zu Spitzenweinen

Dort schätzt man den Riesling für sein großes Spektrum: Von einfachen Basisweinen bis zu komplexen, hochklassigen Lagenweinen und Schaumweinen ist alles dabei. Typisch für den Riesling aus der Pfalz sind Aromen von Apfel, Pfirsich und Zitrusfrüchten und seine lebendige Säure, die ihn zu einem der langlebigsten Weißweine macht.

Besonders an der Mittelhaardt, rund um den Ort Wachenheim, genießen Rieslinge einen internationalen Ruf. Dort kann man auch auf den Spuren des Rieslings wandern. Die 7,2 Kilometer lange Rieslingtour Wachenheim führt mitten durch die Weinberge hinauf zur Burgruine Wachtenburg.

Rieslingtour zur Wachtenburg

Die Wachtenburg gilt auch als Aussichtsbalkon der Pfalz. Von dort reicht der Blick bis in die Rheinebene und den Odenwald. Errichtet an einem 232 Meter hohen Berghang wurde sie erstmals 1257 erwähnt. Mehrere Kriege hinterließen ihre Spuren, bis schließlich nur noch jene Ruine blieb, die heute umgeben von Weinbergen malerisch in der Landschaft liegt.

Die Ruine Wachtenburg bei Wachenheim: Aussichtsbalkon der Pfalz.
Die Ruine Wachtenburg bei Wachenheim: Aussichtsbalkon der Pfalz.

Im Inneren der Burganlage erzählt ein kleines Museum von der Geschichte. In der Burgschänke kann man dann bei einer deftigen Pfälzer Mahlzeit und einem Glas Riesling die Umgebung genießen.

Weitere Informationen zur Region unter www.rlp-tourismus.de/pfalz

Rheinhessen: Scheus schöne Rebe

Georg Scheu war ein experimentierfreudiger Mensch. 1879 in Krefeld geboren, fand er im rheinhessischen Alzey eine Anstellung als Kreisobstbautechniker. Vor allem ein Obst hatte es ihm dabei angetan: die Weintrauben.

Der an der Lehr- und Forschungsanstalt Geisenheim ausgebildete Scheu versuchte sich an allerlei Kreuzungen und Neuzüchtungen auf dem Gebiet des Weinbaus. Geschichte sollte sein „Sämling Nr. 88“ schreiben, den er während des Ersten Weltkrieges aus dem Riesling und der Bukettraube kreierte.

Ausgeprägtes Fruchtaroma

Die neue weiße Rebsorte bestach durch ihr ausgeprägtes Fruchtaroma, aus dem auch zahlreiche edelsüße Varianten hervorgingen, mit herrlichen Rosendüften und einem dezenten Pfirsichgeschmack. Mit den Bodenverhältnissen in Rheinhessen kam sie bestens zurecht, neben trockenen, kargen Untergründen gedeiht sie auch auf Kalk- und Lößböden ausgesprochen gut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Rebsorte den Namen des Mannes, der sie einst entdeckt und gezüchtet hatte. Seither heißt der Sämling Nr. 88 auch ganz offiziell „Scheurebe“.

Hiwweltour durch die Weinberge

Rund um Alzey finden sich auch einige der schönsten rheinhessischen Weinwanderwege, die Hiwweltouren. Dabei ist der nächste Weinausschank nie weit, dort kann man zumeist ein Glas Scheurebe probieren. Zu den schönsten Wegen gehört die 13 Kilometer lange „Hiwweltour Aulheimer Tal“, die von Flonheim durch die rheinhessische Schweiz führt. Zwischen Wiesen und Weinbergen wandert man dabei durch die Landschaft und stößt auf eines der Wahrzeichen der Region: den Flonheimer Trullo. Der ist ein Weinberghäuschen, das architektonisch an die kleinen Rundhütten im apulischen Süditalien erinnert.

Auf der 13 Kilometer langen Hiwweltour Aulheimer Tal.
Auf der 13 Kilometer langen Hiwweltour Aulheimer Tal.

Jedes Jahr am zweiten Wochenende im Mai dreht sich in Georg Scheus Wohn- und Wirkungsort Alzey alles um die Scheurebe. Rund um die Stadthalle wird die Rebsorte gefeiert, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut und gerade auch von Jungwinzern geschätzt wird. Bei der Veranstaltung mit dem Namen „It’s Scheu Time“ werden sechs ausgewählte Scheurebe-Weine von international prämierten Winzern präsentiert.

Weitere Informationen zur Region unter www.rlp-tourismus.de/rheinhessen

Ahrtal: Im Reich des Spätburgunders

Das Ahrtal ist eines der besten und bekanntesten Rotweinanbaugebiete in Deutschland. Die mit Abstand wichtigste Rebsorte ist dabei der Spätburgunder: 65 Prozent der Rebfläche im Ahrtal sind ihm gewidmet. Zwischen steilen Schieferhängen und dem Flusstal reifen die dunklen Trauben zu eleganten Weinen heran, die als ebenso fruchtbetont wie tiefgründig gelten.

Aussichtspunkt hoch über Dernau

Wer das Weinland an der Ahr und den Spätburgunder bei einer Wanderung erleben will, sollte sich auf den Weg zu den „Schönsten Weinsichten der Ahr“ machen. Einer dieser Aussichtspunkte liegt hoch über dem Ort Dernau und bietet einen atemberaubenden Blick in die weite Umgebung mit ihren Felsen und Rebhängen.

Vom ehemaligen Bahnhof des Weinkulturdorfs Dernau führt der Wanderweg über einen schmalen Pfad hinauf zu den steilen Terrassen des Sonderbergs, wo die Reben auf schmalen Parzellen noch von Hand gepflegt werden. Knapp vier Kilometer lang ist die Wanderung zur „Schönsten Weinsicht der Ahr 2016“, gut 100 Höhenmeter sind dabei zu überwinden.

Schiefergestein prägt den Geschmack

Zu Füßen des Aussichtspunktes befindet sich die Weinlage Schieferlay, deren Name schon etwas über die Bodenbeschaffenheit verrät: Das graue Schiefergestein ist mit für den besonderen Charakter des Spätburgunders im Ahrtal verantwortlich. 15 der 21 Hektar der exponierten Lage Schieferlay sind der roten Rebsorte gewidmet, die wie keine andere für den Weinbau im Ahrtal steht.

Wer noch etwas ausgedehnter auf den Spuren der edlen Tropfen im Ahrtal wandern will, kann das auf dem 35 Kilometer langen Rotweinwanderweg tun. Er führt von Altenahr über Dernau bis Bad Neuenahr und Bad Bodendorf: Drei malerische Etappen mitten durch die schönsten Weinberge der Region.

Weitere Informationen zur Region unter www.rlp-tourismus.de/ahrtal

Mosel: Der Elbling und seine uralte Geschichte

Die Römer brachten einst den Weinbau an die Mosel. Ganz in der Nähe von Trier pflanzten sie an den Steilhängen Weinreben an. Das verkürzte die Transportwege und überdies eigneten sich Landschaft und Klima dort hervorragend für den Weinanbau.

Obermosel: ein gutes Anbaugebiet für den Elbling.
Obermosel: ein gutes Anbaugebiet für den Elbling.

Es waren wohl Übergangsformen zwischen Wild- und Kulturreben, die die Römer für ihre Rot- und Weißweine verwendet haben. Zwar gibt es heute keine Sorte mehr, die den damals angebauten alten Sorten tatsächlich entspricht, doch eine der uralten Reben im Moseltal wird als Nachfahre der römischen Weinreben bezeichnet: der Elbling.

Seit dem Mittelalter nachweisbar

Der Elbling gilt als älteste Kulturrebe in Europa. Seit dem Mittelalter ist er auch wissenschaftlich nachweisbar, eine Weißweinsorte mit unverwechselbarem Charakter und ausgesprochener Säurebetonung. Die muschelkalkhaltigen Böden der Obermosel sind für ihn ideal geeignet, mit ihren Mineralstoffen sind sie denen der Champagne nicht unähnlich. So werden die Elblinge dort nicht nur als klassische Weißweine ausgebaut, sondern auch zu Sekt verarbeitet.

Weinlehrpfad Nittel mit Elbling-Präsentation

Auf dem 1,6 Kilometer langen Weinlehrpfad Nittel erfährt man mehr über diese traditionsreiche Rebsorte. Jede Infotafel erzählt ein Stück Weinbaugeschichte, überdies erwarten die Wanderer auf dem Weg wunderbare Aussichten.

Ein Höhepunkt ist auch das Weinlehrpfadfest Nittel, das jedes Jahr an Ostersamstag gefeiert wird, 2026 ist das am 4. April der Fall. Dabei werden von den Winzern mitten in den Weinbergen die neuen Elbling-Jahrgänge vorgestellt.

Weitere Informationen zur Region unter www.rlp-tourismus.de/mosel

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Dürfen wir nachschenken?

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Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.  

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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