Pfalz-Tipps
Ausflüge im Mai: Radtage, Wandern, Tiere, Burgen und ein Picknick
Die Pfalz ist definitiv nicht arm an Ausflugszielen. Auch nicht an Freizeitangeboten, die einen auf Touren bringen können. Trotzdem gibt es immer wieder Erlebnisse oder Sehenswürdigkeiten, die länger nachwirken als andere. Vier Freizeitexpertinnen und ein Freizeitexperte der RHEINPFALZ geben ausgewählte Tipps für Ausflüge, die sich entweder besonders gut für Familien eignen oder den historisch Interessierten ansprechen. Oder beides. Weil am 3. Mai gleich zwei Fahrrad-Aktionstage in der Pfalz stattfinden, führen diese unsere Liste an. Die jeweiligen Routen sind aber auch über die Veranstaltungen hinaus interessant.
Radel ins Museum
Für den Radelspaß in der Südpfalz braucht es nicht viel – funktionierende Räder, Proviant und ein Smartphone. Beim Aktionstag „Radel ins Museum“ am Sonntag, 3. Mai, öffnen insgesamt 38 Museen, Erlebnisorte und Informationszentren in den Landkreisen Germersheim und Südliche Weinstraße zwischen 11 und 17 Uhr ihre Türen bei freiem Eintritt – so viele wie noch nie. Eröffnet wird das Ganze um 11 Uhr am Tabakrundweg in Hatzenbühl mit viel Musik. Zwischen Rheinauen, Weinbergen und kleinen Dörfern warten einige Entdeckungen, da im Jubiläumsjahr drei digitale Actionbound-Museumsrallyes und Mitmachaktionen für Spaß und Spannung sorgen. Statt einfach nur von Station zu Station zu radeln, müssen knifflige Fragen beantwortet, Hinweise gefunden und Aufgaben gelöst werden. Mal geht es um die Römer, mal um den Rhein, mal um das Leben in der Region. So wird ein Museumsbesuch für Familien zu einem spannenden Mitmachabenteuer.
Für Familien eignet sich übrigens auch ein Stopp in Neupotz: Das Haus „Leben am Strom“ und das Römerschiff Lusoria Rhenana vermitteln sehr anschaulich das Leben am Rhein, auch unter dem Aspekt Hochwasserschutz. Hier findet sich sicher ein schönes Plätzchen am Wasser, um sich mit einem Picknick zu stärken. Tipp: Zum 30. Jubiläum winken bei einem Gewinnspiel tolle Preise, darunter ein Familienerlebnis im Terra-Sigillata-Museum in Rheinzabern, Übernachtungen oder auch Klettergutscheine für den „Fun Forest“ Kandel. Infos: www.suedpfalz-tourismus.de/de/radel-ins-museum
Radeln ohne Grenzen
Zwei Staaten, aber ein munteres Hin und Her ohne Grenzformalitäten. Europa macht’s möglich. Wenn am Sonntag, 3. Mai, um 10 Uhr zum fünften Mal das deutsch-französische Kooperationsprojekt „Radeln grenzenlos/Velo sans Frontieres“ startet, können sich Gäste auf vier grenzüberschreitenden Routen und zwölf Festplätzen begegnen. Dort warten Erfrischungen, Essen und Programmpunkte wie Musik oder Mitmachaktionen. Zu den Gemeinden, die zu einem solchen Zwischenstopp einladen, zählen etwa Ludwigswinkel, Nothweiler, Schönau und Hirschthal im Dahner Felsenland, auf französischer Seite beispielsweise Ober- und Niedersteinbach. Vier Rundtouren gibt es. „Auf rund 50 Kilometern Radwegen zwischen Nordvogesen und südlichem Pfälzerwald lässt sich die einzigartige Naturkulisse entdecken“, schreiben die Veranstalter. Die kürzesten Strecken heißen Schmugglertour (rund 17 Kilometer, 218 Höhenmeter) und Freundschaftstour (28 km, 247 hm). Oder man geht auf „Hiwwe un Driwwe-Tour“ (33 km, 342 hm). Die längste Rundtour trägt den Namen Friedenstour (48 km, 446 hm). Zwischen anderthalb und drei Stunden Fahrzeit veranschlagen die Organisatoren je nach Strecke.
Wer einmal oder mehrfach Pause macht, kann sicherlich wesentlich mehr Zeit auf diesem deutsch-französischen Radfest verbringen. Das Programm reicht von Ausstellungen – in Petersbächel öffnet das Holz-Art-Atelier von Erwin Würth – bis hin zum Radparcours am Fleckensteiner Weiher oder der Akrobatik-BMX-Show der Peaky Bikers in Obersteinbach, angekündigt für 12.30 und 15.30 Uhr. Gleich morgens um 11 Uhr werden auf dem Spielplatz am Gimbelhof neue Spielgeräte eingeweiht. Infos: www.dahner-felsenland.net und www.velo.sauer-pechelbronn.fr (auch auf Deutsch)
Picknick mit Aussicht in Göcklingen
Bei schönem Frühlingswetter den Picknickkorb packen und zum Genussausflug mit Aussicht aufbrechen – gibt es etwas Schöneres? Perfekte Plätze bieten sich in der Pfalz zahlreich. Aber warum nicht mal das beschauliche Südpfälzer Dörfchen Göcklingen ansteuern? Dort kann man sich vorab in den Weingütern noch mit feinen Weinen, Sekt oder Secco eindecken oder je nach Geschmack auch mit frisch gebrautem Göcklinger Hausbräu von der kleinen ortsansässigen Brauerei – und los geht’s auf dem Rundweg 360 Grad hinauf zum Setzer Berg, wo eine einladende Tischgruppe zur Rast lädt.
Wer die sechs Kilometer lange Runde mit zehn Stationen erwandern möchte, startet auf dem Parkplatz an der Kaiserberghalle. Wer nur picknicken will, kann in der Ortsmitte starten und in rund einer Viertelstunde hinauf spazieren. Dann heißt es: anstoßen, schlemmen, verweilen und den Blick übers Rebenmeer schweifen lassen. Infos: www.goecklingerhausbraeu.de, www.goecklingen.de/wanderwege
Neuleiningen: Geschichte erwandern
Burg Neuleiningen ist etwas Besonderes. Mit ihrem annähernd quadratischen Grundriss und einem dicken runden Turm an jeder der vier Ecken entspricht sie als einzige Burg in der Pfalz dem Kastell-Typus. Doch woher kannte ihr Bauherr, Graf Friedrich III. von Leiningen, diese Mode? Beschäftigte er vielleicht einen französischen Baumeister? Oder dienten Kreuzfahrer-Burgen als Vorbild? Man weiß es nicht. Offensichtlich folgte der Leininger aber einem modernen Konzept, als er um 1240 zusammen mit der Burg auch gleich ein passendes Städtchen planen und in den Befestigungsring einbeziehen ließ. Dem Ausflügler von heute beschert diese damals innovative Vorgehensweise das Vergnügen, durch ein richtiges Burgdorf schlendern zu können – mit schmalen Gassen, Treppenwegen, versteckten Café-Terrassen.
Wer den Besuch mit einer Wanderung verknüpfen will, hat Glück: Neuleiningen ist eingebunden in einen der Pfälzer Premiumwanderwege. Der „Leininger Burgenweg“ verknüpft Neu- mit Altleiningen und Battenberg auf einer Strecke von 22 Kilometern. Dafür braucht man schon trainierte Wanderwaden. Aber man kann die Tour ganz offiziell abkürzen. Ich empfehle die östliche Schleife. Sie lässt Altleiningen aus und eignet sich mit einer Länge von 15 Kilometern gut für eine entspannte Tagestour.
Ab Neuleiningen geht es zunächst durch ein Waldstück mit hohem Anteil an Edelkastanien. Die Markierung des Leininger Burgenwegs sind drei schwarze zinnenbewehrte Türme auf gelber Scheibe – die Abkürzung wird durch stilisierte Burgen in Rot angezeigt. Wer diesem Signet folgt, passiert die Talstraße, steigt dann durch Kiefernwald auf den Harzweilerkopf empor, trifft schließlich wieder auf die normale, schwarz-gelb markierte Strecke – und stößt schon bald auf einen historischen Mordfall: 1702 wurde hier im Wald der Battenberger Jäger Adolf Fenolet erschossen. Sein Knecht habe ihn mit einem Wildschwein verwechselt, notierte man in das lokale Pfarrbuch. Ein altes Sühnekreuz mit Inschrift erinnert an die Bluttat. Burg Battenberg mit Hofgut und Garten ist mehr Ausflugslokal als ritterliche Ruine, bietet aber eine schöne Einkehrmöglichkeit. Durch einen Mix aus Wiesen und Wald geht es danach zurück nach Neuleiningen. Info: pfalz.de/wandermenue-pfalz; die abgekürzte Variante findet man zum Beispiel auf Outdooractive.
Familienausflug mit Wolfsgeheul
Der Wild- und Wanderpark Silz ist ein Ausflugsziel für Familien mit kleinen Kindern, die es unkompliziert mögen. Kein großer Freizeitpark mit lauter Musik und bunten Lichtern, keine überdrehten Shows in überhitzten Räumen. Sondern einfach nur Ziegen, Wildschweine und Damwild gibt es auf dem Gelände mitten im Pfälzerwald zu sehen. Dazu ein Spielplatz und Gastronomie, so dass Groß und Klein einen schönen Ausflugstag gestalten können. Ein Highlight ist das Wolfsrudel, das im Park beobachtet werden kann und von März bis Oktober um 11 Uhr gefüttert wird. Die Wege im Wild- und Wanderpark können sogar mit einem geländegängigen Kinder- oder Bollerwagen befahren werden. Dabei kann man die Länge des Spaziergangs selbst bestimmen und kommt den teilweise freilebenden Tieren sehr nahe. Eine gute Gelegenheit, mit dem Nachwuchs über einen respektvollen Umgang mit Tieren und Natur ins Gespräch zu kommen. „Warum lässt sich das Frettchen nicht blicken? Wo versteckt sich die Eule? Und warum sind die Ziegen eigentlich so aufdringlich?“
Überall entdecken die Kinder spannendes und haben haufenweise Fragen im Gepäck. Festes Schuhwerk und etwas Kleingeld für Tierfutter sollte beim Ausflug, auf den Hunde nicht mitgenommen werden können, nicht fehlen. Für Kinder kann auch eine Lupe oder ein Fernglas den Tag noch abenteuerlicher machen. Infos und Termine: www.wildpark-silz.de
Hans Trapp auf der Spur
Zugegeben, Burg Berwartstein für einen Familienausflug zu empfehlen, ist jetzt nicht hochgradig originell, und ein bisschen „Fake“ ist die Burg bei Erlenbach im Wasgau auch – trotzdem bin ich jedes Mal erneut begeistert wie ein Kind, wenn ich diese steinerne Mittelalterfantasie besuche. Bereits um 1150 gegründet, 1591 durch Brand zerstört und ab 1894 auferstanden aus Ruinen, präsentiert sich der wiederaufgebaute Berwartstein heute als Erlebnisburg mit Folterkammer, Waffenarsenal, herrschaftlichem Schlafzimmer und finsterem, von schummrigem Kerzenschein nur dürftig erhelltem Felsenkellerlabyrinth.
Kinder staunen besonders über die phänomenale Felsenröhre, die als ehemaliger Burgaufgang präsentiert wird. Außerdem ranken sich tolle Geschichten um die Burg. Da ist zum einen die schauerromantische Sage von der Burgfrau, die sich, von Eroberern in die Enge getrieben, mit ihrem Kind in den Flammentod stürzte und nun als „Weiße Frau“ umgehen soll. Zum anderen muss im Zusammenhang mit dem Berwartstein auch immer von einem realen Abenteurer die Rede sein, der in Legenden der Region zum Kinderschreck à la Knecht Ruprecht mutierte: Hans von Trotha, im Volksmund Hans Trapp oder auch Hans Trott genannt, war ein Ritter aus Sachsen-Anhalt, der im Dienst der Kurpfalz Karriere machte. Kurfürst Philipp der Aufrichtige installierte Trotha 1480 auf dem Berwartstein mit dem Auftrag, dem Abt und den Bürgern von Weißenburg mit Guerilla-Aktionen das Leben schwer zu machen. Unter anderem stellte Trotha den Mühlen in der Klosterstadt das Wasser ab, indem er die Wieslauter aufstaute. Dann riss er den Damm ein – und Weißenburg wurde überflutet.
Böse Geschichte, die man in der charmanten Open-Air-Burgschänke bei Kaffee und Kuchen oder Deftigem aber auch schnell wieder vergessen kann. Außerdem lockt, von der Burg nur einen Kilometer entfernt und fußläufig in einer Viertelstunde zu erreichen, der Seehof-Weiher: ein von knorrigen Erlen umstandener Badesee mitten im Wald, samt Kiosk und Liegewiese. Man kann den Ausflug zu Burg und Gewässer auch zu einer etwa acht Kilometer langen Rundwanderung ausbauen, indem man erst der Hans-Trapp-Tour (Ritterhelm) über den Grünberg folgt und am Frauenwoog auf den Kapellen-Pilgerweg (schwarzes Kreuz) wechselt, Richtung Südwesten. Bis zum Seehof-Weiher führt der Weg dann an einer wunderschönen Wasserlandschaft entlang, die etwas Spreewald-Atmosphäre in den Pfälzerwald zaubert. Burg Berwartstein ist von März bis Oktober täglich geöffnet: www.burgberwartstein.de.
