Nils Nager unterwegs
Warum und wie manche Pflanzen Fliegen fressen
Klebefallen, Klappfallen, Fallgrubenfallen – so ein bisschen mulmig wird mir schon in den großen Gewächshäusern am Rand von Freinsheim. Schließlich wachsen hier bei Gartenbau Weilbrenner über eine Million fleischfressende Pflanzen pro Jahr heran! Und sie alle haben ganz spezielle Tricks, um Insekten und anderes Getier zu fangen und zu verspeisen. Ist es hier etwa auch für Biber wie mich gefährlich?
Lukas Weilbrenner lacht. „Nein, unsere Pflanzen haben es auf viel kleinere Tiere abgesehen. Meist sind das Mücken und andere Insekten. Richtig große Karnivoren – so heißen fleischfressende Pflanzen bei den Experten – können allerdings auch einen Frosch verdauen. Aber von einem Biber habe ich noch nie gehört.“ Na, da bin ich ja einigermaßen beruhigt. Gärtner Lukas muss es ja wissen.
Die Gärtnerei, die er gemeinsam mit seinem Bruder Philipp Weilbrenner führt, hat sich schon vor Jahrzehnten auf fleischfressende Pflanzen spezialisiert. In vier Gewächshäusern stehen und hängen Unmengen von Venusfliegenfallen, Sonnentau und Kannenpflanzen. Aber warum verdauen diese ganz besonderen Gewächse eigentlich Tiere und ernähren sich nicht wie andere über Nährstoffe aus dem Boden?
„Die Böden, auf denen diese Pflanzen in der freien Natur wachsen, bieten kaum Nährstoffe. Also holen sie sich ihre Nahrung eben woanders her“, erklärt Lukas. „Fleischfressende Pflanzen gibt es übrigens auf allen Kontinenten der Welt. “
Die Liebe zu den Klebe- und Klapp-Pflanzen ist bei den Brüdern schon in Kindertagen entstanden. Ihr Vater, Bernd Weilbrenner, hat die Gärtnerei 1983 gegründet. Und stetig erweitert. Den Betrieb haben die Brüder dann 2021 übernommen. Vater Bernd hilft aber noch immer mit und kümmert sich gern um die Vermehrung von seltenen Arten.
Lukas und Philipp haben das große Ganze im Blick: Sie beliefern Baumärkte, Gartencenter und Supermärkte in ganz Europa. Wenn die Saison im Januar losgeht, müssen vorher Hunderttausende Exemplare gepflanzt und auf Verkaufsgröße herangewachsen sein. Abgeholt und in die Märkte gebracht werden sie dann von großen Lastern. „Die meisten Venusfliegenfallen in den Märkten aus der Region stammen tatsächlich von uns“, sagt Lukas nicht ohne Stolz.
„Wie kommt man überhaupt auf die Idee, fleischfressende Pflanzen zu züchten?“, fragen wir Lukas, der vor allem für die Produktion zuständig ist. „Unser Vater baute Venusfliegenfallen für ein Medikament gegen Krebs an. Das hat aber leider nicht so gut funktioniert. Doch als Zierpflanze verkauften sich die Gewächse, deren Blätter bei dreifacher Berührung der Kontakthärchen zuschnappen, gut. So blieb mein Vater bei den Pflanzen und nahm noch weitere Arten ins Sortiment auf.“
Die Methoden zum Insektenfang sind bei verschiedenen Karnivoren-Arten zwar unterschiedlich, aber verdaut wird ähnlich. Enzyme – das sind Proteine, die den Stoffwechsel antreiben – der Pflanze zersetzen die Tierchen. Davon ernährt sie sich. Je mehr gefangen wird, desto kräftiger wird sie, weiß Lukas. Und so langsam frage ich mich, wo die ganzen Mücken herkommen, die die Pflanzen brauchen?
Lukas erklärt: „Wir geben die Nährstoffe für die Pflanzen übers Wasser dazu. Das klappt aber nur, weil wir so viele Pflanzen auf einem Tisch stehen haben und sehr wenige Nährstoffe zugeben. Sonst würden die Pflanzen übersättigt und die Köpfe hängen lassen. Zu Hause füttert man sie besser mit Stubenfliegen.“ Andere Karnivoren, wie zum Beispiel der Sonnentau, fangen ihre Beute mit „Klebstoff“ an den Blatträndern. Die Kannenpflanze, auch Nepenthes genannt, nutzt Grubenfallen: Durch einen langen Trichter fallen die Beutetiere ins Pflanzeninnere. Und wegen der glatten Wände können sie dann nicht mehr herausklettern.
Im Freien können Karnivoren, die aus warmen Erdteilen stammen, nicht überwintern. Sie müssen dann nach drinnen. Die Venusfliegenfalle aber ist winterhart. Sie kann sogar mit einer gewissen Trockenheit auskommen, obwohl sie eigentlich in kleinen Sumpfgebieten Nordamerikas heimisch ist.
Unterdessen ist Papa Bernd in Australien oder Amerika unterwegs und hält Ausschau nach neuen Arten, die dort wild wachsen und die die Gärtnerei in Zukunft vielleicht ebenfalls im großen Stil anbauen kann.
Info
Am Donnerstag, 3. Oktober, 9 bis 13 Uhr, macht die Gärtnerei Weilbrenner mit beim Türöffnertag der „Sendung mit der Maus“. Wenn ihr die besonderen Pflanzen aus nächster Nähe sehen wollt, meldet euch per E-Mail an: info@weilbrenner.de