Fahrrad
Urlaub im Fahrradsattel: Von Burgen, Bahntrassen und müden Beinen
Die Reifen surren, der Fahrtwind kitzelt in den Haaren: Es ist ein Urlaubstag wie aus dem Bilderbuch. Und eine Premiere: Nach zahllosen Wander- und Campingtrips ist es der erste familiäre Fahrradurlaub. Mit Kind und Kegel im Sattel soll es an der Mosel entlang gehen. Bis es so weit ist, braucht es jedoch einiges an Planung von Mama und Papa. Denn „die Mosel“ wird zwar häufig als ideale Radregion genannt, doch was sich konkret dahinter verbirgt und wie aufwendig die Organisation mit Kindern sein kann, zeigt sich erst im Lauf der Recherche. Der erste Blick ins Internet überrascht positiv: Die Moselregion präsentiert sich – ganz im Tourismus-Sprech – als echt gute „Rad-Destination“. Und das deutlich überzeugender als etwa die Pfalz, wie ein Vergleich zeigt. Schnell sind Unterkünfte, Strecken und Sehenswürdigkeiten gefunden – auch explizit familienfreundliche.
Dann wird es jedoch knifflig. Die geplante An- und Abreise aus der Pfalz mit öffentlichen Verkehrsmitteln scheitert. Vor allem, weil man als vierköpfige Familie eben nicht „nur“ mit Fahrrädern unterwegs ist, sondern mit einem großen, schweren Lastenrad sowie einem Radhänger. Dazu kommen Kindersitz und reichlich Gepäcktaschen. Der ursprüngliche Plan, in vier Tagen an drei verschiedene Mosel-Orten zu nächtigen, muss verworfen werden. Stattdessen ist bald eine passende Unterkunft fürs lange Wochenende gefunden. Von Kobern-Gondorf aus wird es nun Tagesausflüge statt Etappenradeln geben. Bevor die Ferienwohnung auf dem Hühnerhof bezogen wird, steht ein Zwischenstopp in Koblenz an. Die Räder bleiben auf dem zuvor noch geliehenen Auto-Fahrradträger, während es zu Fuß am Rheinufer entlanggeht.
Erster Stopp: Festung Ehrenbreitstein
Erste Erkenntnis: Es ist überraschend wenig los und das trotz Feiertag und bestem Wetter. Erste Aufregung: Mit der Gondel geht es hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Deren Erkundung bietet reichlich Abwechslung. In der Waffenkammer werden Pistolen poliert, in der Kinderausstellung dreht sich alles um die spaßige Vermittlung einer guten Mülltrennung. Eine Weinprobe im historischen Festungsgang oder der Blick „von oben“ aufs Deutschen Eck, wo Rhein und Mosel zusammenfließen? Kein Problem! Ehrenbreitstein ist nicht nur eine der größten erhaltenen Festungen Europas, sondern auch ein Abenteuerspielplatz für kleine Entdecker. Es geht durch Tunnel, über Bastionen und steinerne Brücken. Dazu gibt’s Pommes, Apfelschorle und Eis. Und zum Abendessen frische Eier von den Hof-Hühnern.
Am nächsten Morgen dauert es etwas, bis alle startklar sind: Sind alle eingecremt? Helme, Sonnenbrillen, Snacks verstaut? Wer kennt die Route, wo sind die Fahrradschlösser? Die Kinder werden ungeduldig, die Erwachsenen leicht genervt. Wie einfach wäre es da, den Rucksack zu schnappen und im Pfälzerwald loszuwandern. Doch sobald die Pedale getreten werden, ist die schlechte Laune wie weggeblasen.
Auf der Mosel ist viel los
Der Radweg entlang der Mosel hält, was er verspricht: bewaldete Hügel mit historischen Burgen, steile Weinberge und eine abwechslungsreiche Uferlandschaft. Auf der Mosel tummeln sich Ausflugsschiffe, Jetskis, Gänsegruppen und Tretboote. Am Ufer campieren Urlauber und immer wieder ruft es vom Kindersitz nach vorn: „Ein Zug! Ein Zug!“ Zunächst ohne große Steigungen führt der Weg Richtung Tagesziel: Burg Eltz.
Ein Wermutstropfen: Der Moselradweg verläuft oft ohne Abtrennung direkt an der Straße. Wer mit Kindern unterwegs ist, braucht gute Nerven und der Nachwuchs muss sicher auf dem Rad sein. Entsprechend selten sind Familien mit Kinderrädern unterwegs. Die Zahl der Hunde in Anhängern übersteigt die der Kinder deutlich. Der Fernradweg entlang der Mosel gehört zu den beliebtesten in Deutschland und lässt sich in zehn Etappen unterteilen. Viele davon verlaufen abseits der Straße, anders als der Abschnitt bei Hatzenport. Doch der Weg zur Burg Eltz führt nun mal durch dieses Stück und es wird dann doch noch anstrengend. Denn: Burgen liegen nun mal auf Berggipfeln. Gut, dass vorher in ein spezielles Seil investiert wurde, das mit wenigen Handgriffen das Kinder- mit dem Erwachsenenrad verbindet. Der Nachwuchs ohne E-Bike wird so beim Bergauffahren unterstützt.
Ein Märchenschloss mitten im Wald: Burg Eltz
Zur vielleicht märchenhaftesten Burg Deutschlands führen viele Wege und sie enden allesamt an Parkplätzen. Von dort geht es das letzte Stück zu Fuß weiter. Bei der familienfreundlichen Führung gibt es dann Rüstungen, gruselige Gänge und die Schatzkammer zu entdecken. Der Rückweg auf den Rädern führt nun nicht mehr entlang der Mosel, sondern dank einer spontan gefundenen Route in der Fahrrad-App über Felder und Wiesen. Auch ohne Fluss öffnet sich hier das Herz: kleine Ortschaften, ein laues Sommerlüftchen und die Aussicht auf frische Eier zum Abendessen – Urlaubsgefühl pur.
Zum Abschluss des Mosel-Kurztrips steht eine besondere Tour auf dem Programm. Es wird von Polch nach Mayen geradelt. Der Clou: Wo früher Züge ratterten, rollen heute Fahrräder. Der Weg folgt einer stillgelegten Eisenbahnstrecke durch Tunnel und über Brücken und ist ein besonderer Tipp für Familien. Das erinnert an Diskussionen in der Pfalz, etwa über die Strecke beim Eiswoog, aus der ein Radweg werden könnte.
Eine Idee, die immer mal wieder aufflammt, aber nicht recht vorankommt. Die Strecke über die Bahntrasse im Mayen-Koblenz-Landkreis überzeugt. Und wer ohne kleine Kinder unterwegs ist, kann noch bis Münstermaifeld oder Ochtendung weiterradeln. Für die Kleinen reicht Mayen völlig. Dort geht es im Eifelmuseum in einen Stollen hinab und zum Abschluss des Moseltrips gibt es zur Belohnung: Eis.
Info
Eine gute Anlaufstelle für Planungen rund um einen Aufenthalt in der Moselregion ist www.visitmosel.de
