Wilgartswiesen Nils Nager besucht die neue Waldkugelbahn im Pfälzerwald
In den Weihnachtsferien hat mich mein Bruder Nals gefragt, wo eigentlich unsere Kugelbahn ist. Mit der hatten wir tatsächlich schon lange nicht mehr gespielt – aber irgendwann zwischen Weihnachten und Silvester war uns so langweilig gewesen, da hatte sich Nals an die Holzbahn erinnert. Wir rannten in die oberste Etage des Biberbaus und suchten: „Hier, hier“, schrie Nessy, die natürlich auch mit dabei war. Sogar die Glasmurmeln hatten wir in einer Dose zur Kugelbahn gepackt. Wieder unten im Wohnzimmer, ließen wir eine Murmel nach der anderen durch die Holzleisten sausen. An jeder Kehre schellte ein Glöckchen. Es war herrlich.
Allerdings weckten wir damit Opa Nörgel unsanft aus seinem Mittagsschlaf auf. „He, was is donn hier widder los? Kennt ihr net drauße spiele?“, maulte er los. Um dann doch die eine oder andere Kugel auf die Bahn zu schicken. „Warum testet ihr nicht mal die neue Waldkugelbahn in Wilgartswiesen?“, rief Oma Nagute aus der Küche. „Da könnt ihr Kugeln rollen lassen und seid gleichzeitig draußen.“ „Waldkugelbahn? Was ist das denn?“, fragten wir. „Na eine Kugelbahn in groß, die im Wald steht. Sagt doch der Name schon“, erklärte Oma.
Schnell schauten wir im Internet nach. Tatsächlich, seit Herbst 2024 gibt es in dem kleinen Ort Wilgartswiesen in der Nähe von Hauenstein in der Südwestpfalz eine Waldkugelbahn. Na, dann nichts wie hin.
Kugeln rollen bei eisiger Kälte
Anfang des Jahres haben wir uns bei eisiger Kälte auf den Weg gemacht – und am Rand von Wilgartswiesen den großen Parkplatz am Waldrand angesteuert. Aufgeregt sitzen wir Kinder auf der Rückbank. Wie groß wohl die Kugeln sind? Ob die auch so gut laufen wie auf unserer Kugelbahn? Ob es hier auch Glöckchen gibt? Wir quasseln und quasseln. „So mir sin akumme, alle raus ausem Audo und nix wie ab in de Wald“, meint Opa Nörgel.
Zum Glück weiß Oma Nagute, wo es die nötigen Holzkugeln für das Vergnügen gibt. An der Falkenburghalle steht ein prall gefüllter Automat, der für je zwei Euro eine Holzkugel ausspuckt. Und weil wir so früh dran sind, ist noch gar nichts los im Wald. Mit den Kugeln in der Tasche rennen wir los Richtung Bahn 1. Oma Nagute und Opa Nörgel schnaufen hinterher. Die Platte mit den schräg verlaufenden Holzleisten sieht fast genauso aus wie unsere Kugelbahn zu Hause – nur eben viel, viel größer. Um die Kugel losrollen zu lassen, müssen wir auf Baumstümpfe steigen. Das ist natürlich kein Problem für uns Nagerkinder.
Nals darf zuerst, dann schickt Nessy ihre Kugel los, zuletzt bin ich dran: Ich gebe ihr einen gehörigen Schwung mit, so holt sie Nessys bis unten noch ein – die ruft. „Unfair, Nils Kugel hat meine angestoßen!“ „Aber, aber, Kinder, immer mit der Ruhe. Wir haben doch viel Zeit heute. Ihr könnt die Kugel so oft rollen lassen, wie ihr möchtet“, schlichtet Oma Nagute den aufkommenden Streit. Gesagt, getan: Unsere Kugeln rollen um die Wette. Immer und immer wieder. Bis Opa Nörgel meint: „Also isch glaab, es gibt hier noch mehr Bahne.“
Spielen, rennen, beobachten
Gemeinsam steigen wir den Pfad bergauf. Nessy ruft bald: „Hier ist die zweite Bahn, ich habe sie gefunden!“ In einem langen Bogen laufen unsere Kugeln sanft in ihrer Holzbahn hinab. Bei Bahn 3 durchqueren die Kugeln eine Slalomstrecke auf ihrem Lauf bis zum Ziel. Besonders spannend finden wir die Bahnen 4 und 5. Während an der letzten Station eine Spirale eingearbeitet ist, hoppeln unsere Kugeln an Bahn 4 eine grüne Rampe runter. Wir sind begeistert, lassen die Kugeln rollen, laufen neben den Bahnen her, beobachten, holen die Kugeln unten ab und rennen wieder zum Start.
Ausgelassenes Kinderjohlen zieht uns schnell wieder zurück zu den Kugelbahnen im Tal. Als wir bei Bahn 2 wieder auf den Waldkugelbahn-Rundweg einbiegen, ist deutlich mehr los als am Morgen. Aber das ist kein Problem: Zusammen mit anderen Kindern zu spielen, macht noch mehr Spaß. Etliche besuchen wie wir zum ersten Mal die Waldkugelbahn. Eine Familie, mit der sich Oma Nagute und Opa Nörgel unterhalten, kommt aus Landau, eine aus Steinweiler. Sie haben Kinder in unserem Alter dabei, und finden die Bahnen im Wald klasse. „Da laufen die Kinder doch gleich lieber durch den Wald“, sagt eine Mutter. „Recht hot’se“, kommentiert Opa Nörgel.
Viel zu schnell sind wir fertig mit den fünf Bahnen und wieder beim Auto. Heim wollen wir noch nicht, stattdessen dürfen wir noch toben auf dem neuen Spielplatz. Und mitgebrachten Tee und Lebkuchen vom Weihnachtsfest knabbern.
Info
Der Rundweg Waldkugelbahn in Wilgartswiesen ist etwa 1,5 Kilometer lang. Er ist nicht kinderwagentauglich. Die Kugeln gibt es am Automaten an der Falkenburghalle für 2 Euro. Die kurze Runde kann erweitert werden mit Wanderungen zum Aussichtspunkt Deichenwand oder zur Burgruine Falkenburg. Weitere Infos unter:
pfalzmitkids.de/waldkugelbahn-wilgartswiesen