Pfalz
Wanderwegenetz: Der letzte Partner fehlt noch
Die Räte von 24 Verbandsgemeinden und Städten haben im Sommer und im Herbst vergangenen Jahres beschlossen, dass sie beim Wanderwege-Projekt für die Pfalz dabei sein wollen: Aus bislang 3500 Kilometern markierten Wanderwegen soll ein „Grundwanderwegenetz“ von 1950 Kilometern werden, das dauerhaft gepflegt wird und gut ausgeschildert ist – so sieht es das vom Bezirksverband Pfalz, Pfälzerwald-Verein und dem Tourismusverein Pfalz-Touristik ausgearbeitete Konzept vor. Die Reduzierung war nötig geworden, weil der Pfälzerwald-Verein sich nicht mehr in der Lage sah, den touristisch hohen Anforderungen an die Wege gerecht zu werden.
Geld aus Mainz soll es auch dafür geben, denn mit dem Projekt verbinden sich große Hoffnungen für den Tourismus. Das Wirtschaftsministerium des Landes hat eine Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt, das sind 75 Prozent der Gesamtkosten von zwei Millionen Euro. Die restliche halbe Million müssen die 25 Verbandsgemeinden und Städte im Wandergebiet tragen. Die Anteile belaufen sich dabei zwischen 5400 Euro für Grünstadt im Kreis Bad Dürkheim mit knapp zwei Kilometern Strecke und 32.000 Euro für die Verbandsgemeinde Dahner Felsenland im Kreis Südwestpfalz mit 207 Kilometer Strecke. Berücksichtigt werden bei den Kosten neben der Länge der Wegstrecke auch die Qualität der bisherigen Markierung: Wer schon Vorarbeit geleistet hat, zahlt weniger. Neben der Einmalzahlung kommen auf die Kommunen auch noch Folgekosten in Höhe von 2000 bis 6000 Euro jährlich zu – und zwar 15 Jahre lang, so lange läuft die Vereinbarung, über die die Ratsmitglieder in 24 von 25 betroffenen Kommunen im vergangenen Jahr abgestimmt haben.
Die Entscheidung des 25. kommunalen Partners, der Verbandsgemeinde Freinsheim (Kreis Bad Dürkheim), sollte im Dezember fallen. Doch das ist nicht passiert, denn es gibt bei einzelnen Ortsgemeinden noch Redebedarf. Während anderswo nur ein Gremium, also nur der Stadtrat oder der Verbandsgemeinderat seinen Segen zur Vereinbarung geben musste, ist es in der VG Freinsheim etwas komplizierter. Dort sind auch noch die Räte der drei einzelnen Ortsgemeinden Herxheim am Berg, Kallstadt und Weisenheim am Berg und der Stadt Freinsheim gefragt, auf deren Gebieten sich die Wanderwege befinden. Das liege daran, dass in der VG Freinsheim nur die Tourismus-Werbung von den Ortsgemeinden auf die Verbandsgemeinde übertragen worden sei, die Zuständigkeit für die Wege jedoch bei den Ortsgemeinden liege, wie Jörg Heidemann, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung Freinsheim, im Herbst erklärt hatte. Auf dem Gebiet liegen 22,5 Kilometer des Weges – das ist etwas über ein Prozent der Gesamtstrecke. Es geht um Einmalkosten von insgesamt 11.000 Euro und Folgekosten von jährlich 2536 Euro.
Die Ratsmitglieder der Stadt Freinsheim hatten sich schon im November dagegen ausgesprochen, die eigenen Wegekompetenzen an die Verbandsgemeinde Freinsheim zu übertragen. Der Kallstadter Rat hat der Konzeption im Dezember zwar grundsätzlich zugestimmt, sieht aber bei Streckenführung, Verbindungswegen und Kostenverteilung noch Gesprächsbedarf mit der Verbandsgemeinde und den Bürgermeistern der anderen betroffenen Nachbarkommunen. Herxheim am Berg und Weisenheim am Berg haben die Entscheidungen im Dezember von den Tagesordnung der Ratssitzungen genommen und eine Entscheidung verschoben, weil sie auch noch Klärungsbedarf sehen. Am Dienstag, 20. Januar, nun steht eine Bürgermeister-Dienstbesprechung an, bei der über das Thema gesprochen wird. Jörg Heidemann, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung, sagt im Vorfeld des Treffens: „Wir haben verschiedene Finanzierungsmodelle besprochen. Offensichtlich ist keines für unsere Ortsgemeinden so gangbar. Darüber müssen wir reden.“ In welche Richtung die Gespräche gingen, sei vollkommen offen. Jürgen Oberholz (FWG), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Freinsheim, sagt, er gebe die Hoffnung nicht auf und sei guter Dinge, dass es zu einer Einigung komme. Danach müssen sich die Ratsmitglieder der Ortschaften nocheinmal mit der Sache befassen.
Ähnlich hatte sich Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), Vorsitzender des Bezirkstags der Pfalz und des Vereins Pfalz-Touristik und Landrat des Kreises Bad Dürkheim, bei der jüngsten Sitzung des Bezirkstags mit Blick auf die „gallischen Dörfer“ geäußert: Man sei schon sehr weit gekommen beim Wanderwegekonzept. Er sei zuversichtlich, dass auch diese Nuss noch geknackt werde.
