Vorwurf Mord RHEINPFALZ Plus Artikel Toter durch Paketbombe in Völklingen: Polizei nimmt Tatverdächtigen fest

Blumen und Kerzen stehen an der Unterführung in Völklingen.
Blumen und Kerzen stehen an der Unterführung in Völklingen.

Die Explosion, bei der in Völklingen ein Mann starb, wurde offenbar durch eine Paketbombe ausgelöst, die als Drogensendung getarnt war.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt einen 45-Jährigen aus dem Regionalverband Saarbrücken, gegen den bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz geführt werde, des Mordes. Der Mann stehe im Verdacht, zu einem noch nicht bekannten Zeitpunkt ein Paket mit einem Sprengsatz dem ihm bekannten, letztlich bei der Explosion verstorbenen 32-Jährigen geschickt zu haben. Dieser soll das Paket in dem Glauben, es enthalte Drogen, zunächst an einer uneinsehbaren Stelle nahe der Unterführung versteckt haben. In der Nacht zum 18. April habe er das Paket gegen Mitternacht geöffnet, wonach es zur Detonation gekommen sein soll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung in vier Fällen vor. Die Strafverfolger gehen von Mord und nicht von Totschlag aus, weil der Tatverdächtige heimtückisch gehandelt und gemeingefährliche Mittel eingesetzt habe.

Der Beschuldigte sei bei sich zu Hause festgenommen worden. Bei der Durchsuchung der Wohnung habe die Polizei Chemikalien, die zur Herstellung von Sprengstoffen verwendet werden können, und Drogen gefunden. Am Mittwochabend habe das Amtsgericht Saarbrücken einen Haftbefehl erlassen. Der Beschuldigte befinde sich seitdem in Untersuchungshaft.

Völklingens Oberbürgermeister Stephan Tautz hatte am Samstag erzählt, eine Gruppe von Männern habe in der Nacht in dem Fußgängertunnel, der von der Saar zur Innenstadt führt, ein offenes Feuer entzündet und „Alkohol und Sonstiges konsumiert“. Die Männergruppe sei schon bei früheren Gelegenheiten in dieser Unterführung beobachtet worden, bestätigte Tautz gegenüber der RHEINPFALZ. Der Oberbürgermeister wies aber darauf hin, dass er nicht Augenzeuge des Geschehens sei, sondern sich auf Hinweise aus der Bevölkerung beziehe. Anwohnern in Völklingen zufolge, auf die sich der Saarländische Rundfunk beruft, hielten sich an Wochenenden öfter Gruppen in dem Tunnel auf, weshalb die Unterführung gemieden werde.

Nach einem lauten Knall fand die Polizei unter einer Fußgängerbrücke in Völklingen einen Toten und mehrere Schwerverletzte.
Nach einem lauten Knall fand die Polizei unter einer Fußgängerbrücke in Völklingen einen Toten und mehrere Schwerverletzte.

Ein Toter, vier Schwerverletzte

Am Samstag gegen 0.15 Uhr waren bei der Polizei mehrere Notrufe wegen eines lauten Knalls eingegangen. Eine Person soll laut um Hilfe geschrien haben, sagte ein Sprecher der Polizei. In der Fußgängerunterführung fanden die Beamten fünf Männer. Für einen von ihnen, einen 32-Jährigen, kam jede Hilfe zu spät, er starb noch am Tatort. Vier weitere Männer wurden nach Angaben der Polizei schwer verletzt, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr.

Bei der getöteten Person handelt es sich um einen 32-jährigen Mann aus dem Regionalverband Saarbrücken, zu dem Völklingen gehört. Bei den beiden lebensgefährlich verletzten Männern handelt es sich um einen 31-Jährigen aus dem Landkreis Saarlouis und einen 33-Jährigen aus dem Regionalverband Saarbrücken. Außerdem wurden ein 41 Jahre alter Mann aus dem Regionalverband Saarbrücken sowie ein 33 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Saarlouis schwer verletzt. Die Polizei hat zur Aufklärung des Geschehens eine Sonderkommission „Soko Glas“ gebildet.

Völklingen ist eine Stadt mit etwa 40.000 Einwohner und liegt westlich von Saarbrücken an der Saar. Es handelt sich um die viertgrößte Stadt des Saarlandes, die mit erheblichen sozialen Problemen kämpft.

Kein unbekannter Tatort

Die Fußgängerunterführung ist ungefähr 250 Meter lang. Sie führt unter der Hauptverkehrsachse „Südtangente“ und der Eisenbahnlinie Saarbrücken-Trier hindurch. Sie verbindet den Bereich um die Aral-Tankstelle von Völklingen für Fußgänger mit der Innenstadt. Die breite Unterführung wird auch von Radfahrern gern durchfahren, weil sie den Weg zwischen Innenstadt und Saar – von wo ein Radweg bis Saarbrücken führt – erheblich verkürzt, da keine Ampeln oder Kreisel die Fahrt bremsen. Genau in diesem Bereich, aber etwas versetzt auf der Straße oben, wurde im August 2025 ein Polizist von einem jungen Deutsch-Türken erschossen. Dieser Mann hatte zunächst genau diese Aral-Tankstelle überfallen, entwendete einem Polizisten die Pistole, als er festgenommen werden sollte, und feuerte dann die tödlichen Schüsse ab. Er sitzt nach einem entsprechenden Urteil inzwischen im forensischen Krankenhaus Merzig.

Polizei und Feuerwehr im Einsatz an der Unterführung.
Polizei und Feuerwehr im Einsatz an der Unterführung.
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