Pfalz
Tapinoma magnum: Diese Pfälzer Orte sind von der Ameisenplage betroffen
Mittlerweile kann man tatsächlich von einer Plage sprechen, wenn es um die Ameise Tapinoma magnum geht. Verzweifelte Anwohner und Gemeinden versuchen, gegen die große Drüsenameise vorzugehen, allerdings gestaltet sich die Bekämpfung der etwa zwei bis 3,5 Millimeter großen Tiere schwierig. Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, hat sich die Ameisenart mittlerweile in Deutschland angesiedelt – und dabei auch die Pfalz erobert.
Warum ist die Ameisenart so problematisch?
Die Ameisen gehören zu einer Art, die sogenannte Superkolonien bildet und für ihre unterirdischen Bauten steinige, trockene und heiße Umgebungen bevorzugt, wie ein Sprecher des BUND informiert. Das führt dazu, dass sie sich zum Beispiel unter gepflasterten Gehwegen und Parkplätzen ausbreiten und sich die unterirdischen Nester zu gigantischen Kolonien mit mehreren Hundert oder Tausend Königinnen verbinden. Auch vor Hausdämmungen machen die Tiere keinen Halt.
Durch die schiere Masse an Ameisen können Schäden wie absinkende Gehwege und Straßen oder zerstörte Hausfassaden entstehen. Teilweise dringen die Tiere auch weiter vor, sorgen in Stromkästen für Stromausfälle oder in Häusern für Unbehagen. Durch die Vernetzung der Bauten sei es fast unmöglich, die Ameisen ganz zu beseitigen.
Welche Gebiete in der Pfalz sind betroffen?
Im Mai 2025 ist in der Verbandsgemeinde Edenkoben erstmals die invasive Ameisenart Tapinoma magnum in Altdorf und Hainfeld bestätigt worden. Über 70 Kolonien konnten gemeinsam mit den Gemeinden und den privaten Grundstückseigentümern lokalisiert werden, heißt es von der Verwaltung der Verbandsgemeinde.
Am Oberen Kurpark am Ostertagbrunnen sowie auf dem Hauptfriedhof krabbeln sie seit 2025 ebenfalls: Tapinoma magnum Ameisen bringen auch in Bad Dürkheim Pflastersteine zum Wackeln. Die Stadt wollte im letzten Jahr mit der Bekämpfung beginnen und die Ausbreitung weiter beobachten – Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern seien dafür willkommen.
Ameisen-Gewusel in der Wohnung und letztendlich sogar Tapinoma magnum, die aus der Steckdose kriechen: In Bissersheim haben Einwohner seit 2024 mit den Tierchen zu tun.
Auch in Bobenheim-Roxheim (Rhein-Pfalz-Kreis) ist die Tapinoma magnum angekommen. Die Bobenheim-Roxheimer Verwaltung beauftragte zur Eindämmung des Befalls auf öffentlichem Grund eine Fachfirma und wählte vor allem die Heißwassermethode zur Zerstörung von Nestern.
Die Superkolonien auf den öffentlichen Flächen in Hainfeld und Burrweiler seien mittlerweile erfolgreich zerstört worden, berichtet der Erste Beigeordnete Eberhard Frankmann. In Burrweiler sollen in den nächsten Wochen erneut Nematoden ausgebracht werden. Das gehöre zum üblichen Ablauf. Bei wärmeren Temperaturen sei jedoch ein erneutes Auftreten nicht auszuschließen.
In Dirmstein sind die Insekten zunächst am Dorfrand beim Feuerwehr-Gerätehaus entdeckt worden, dann ein paar Hundert Meter weiter im Bereich der Festhalle. Der Winter habe die Tiere dann erstmal verschwinden lassen, jetzt seien sie aber wieder aktiv – und rücken offenbar weiter in Richtung Zentrum vor.
Ein Teil der Freinsheimer Bahnhofstraße ist von der invasiven Großen Drüsenameise befallen. Anwohner berichten von Sandbergen neben Stromkästen und Insekten im Haus.
Auch im Germersheimer Ortsteil Sondernheim kam bereits 2024 der Verdacht auf, dass es sich bei der Ameisenplage in mehreren Straßen und auf einem Spielplatz um Tapinoma magnum handeln könnte. Mittlerweile gebe es Meldungen im dreistelligen Bereich. Zur Bekämpfung hat die Stadt ein Merkblatt mit Maßnahmen an die Bürger herausgegeben. Auch der Friedhof habe sich laut Pressemitteilung der Stadt im letzten Jahr zu einem Ameisen-Hotspot entwickelt.
Auch in Grünstadt geht die Stadtverwaltung inzwischen davon aus, dass sie ein Tapinoma-magnum-Problem hat. Befallen ist offenbar das Umfeld der Kreuzung Am Wehrhaus/Tiefenthaler Straße, das den Angaben aus dem Rathaus zufolge schon seit Jahren durch besonders viele Ameisen auffällt.
Hainfeld
In Hainfeld (Kreis Südliche Weinstraße) sei im Mai 2025 ein Schädlingsbefall gemeldet worden. Ein ganzer Straßenzug sei laut den Aussagen eines Anwohners von den Ameisen in Besitz genommen worden. Wie auch in Burrweiler sei die Superkolonie in Hainfeld im September erfolgreich zerstört worden.
Schon im Sommer 2024 wurde in Herxheim (Kreis Südliche Weinstraße) eine Superkolonie im Ortszentrum entdeckt. Betroffen waren einige Straßen und der Friedhof. Die Gemeinde verteilte Köderdosen an Privatpersonen und ging auch mit mehreren Tausend Litern Insektizid gegen die Ameisen vor. Auch 2025 sind die Maßnahmen fortgeführt worden.
Sie kommen aus der Dusche und wandern durch Wohn- und Schlafzimmer: In Landau wissen Betroffene seit Jahren nicht mehr weiter. Auch aktuell gehen wieder mehr Rückmeldungen und Fragen aus der Bürgerschaft ein. Besonders betroffen seien Godramstein, Teile der Südstadt sowie der Südwesten. Die Landauer Stadtverwaltung versucht wie im vergangenen Jahr den Kampf mit Kieselgur.
In Limburgerhof (Rhein-Pfalz-Kreis) soll die Bekämpfung der Tapinoma magnum im letzten Jahr erste kleine Erfolge erzielt haben. Nachdem Granulate und ein Schaumgemisch nicht die gewünschte Wirkung zeigten, ging die Gemeinde mit einem Gel gegen die Ameisen vor.
Tapinoma magnum sind auch in der Verbandsgemeinde Lingenfeld zu finden. Drei Orte waren 2025 betroffen. In Lustadt krabbelte es am Meisen- und Finkenweg sowie in der Mozartstraße.
Als Horror bezeichnet ein Anwohner in Ludwigshafen-Rheingönheim im letzten Jahr seinen Kampf gegen die Ameisen, den er unter anderem mit einem großen Eimer Vaseline führt. Hier haben sich die Tiere unter einem Parkplatz in einem Wohngebiet angesiedelt. Auch andere Bürger meldeten sich mit Verdachtsfällen bei der Stadtverwaltung.
Absackende Steine sind die Folge der Ameisen in Maikammer (Kreis Südliche Weinstraße). Im letzten Jahr wollte der Gemeinderat prüfen, wie gegen die Tiere vorgegangen werden könnte, ohne chemische Mittel einsetzen zu müssen.
Neben Meldungen aus Otterstadt und einem Verdachtsfall in Waldsee gab es auch in Neuhofen beim Aldi im vergangenen Jahr ein bestätigtes Vorkommen von Tapinoma magnum. Auch hier wird die invasive Ameisenart dieses Jahr wieder bekämpft.
Mit Gummistiefeln in den Garten und Ameisen aus dem Kinderzimmer vertreiben: So sieht seit Jahren die Realität einiger Bürger in Neustadt aus. Auch hier sei die Tapinoma magnum nachgewiesen worden.
Otterstadt
In Otterstadt arbeitet die Ortsgemeinde bei der Bekämpfung der Ameisenplage mit der Verbandsgemeinde zusammen. Neben dem bestätigten Fall in Otterstadt gebe es auch in der Nachbargemeinde Waldsee einen Verdachtsfall.
VG Römerberg-Dudenhofen
Tapinoma magnum breitet sich auch im Speyerer Umland immer stärker aus. In jeder der vier Ortsgemeinden Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen und Römerberg gibt es mittlerweile Meldungen. In Römerberg ist die Ameisenart sogar in allen drei Ortsteilen gesichtet worden.
Schweigen-Rechtenbach
In Schweigen-Rechtenbach werde ebenfalls seit bereits vier Jahren gegen die Ameisen gekämpft, wie Bürgermeisterin Sabine Bentz mitteilt. Einwohnerversammlungen, Vor-Ort-Termine und das Absprühen von Gehwegen seien im letzten Jahr bereits vorgenommen worden. "Das Problem bekommen die kleinen Gemeinden ohne Hilfe der Verwaltung und des Kreises nicht in den Griff", so Bentz. Sie ruft Bürger dazu auf, Verdachtsfälle sofort zu melden.
Die Ameisenart Tapinoma magnum scheint seit letztem Jahr auch in Speyer angekommen zu sein. Bei der Stadtverwaltung waren mehrere Hinweise eingegangen. Neben Meldungen aus dem Oberkämmerer hatte die Stadt nach Angaben einer Sprecherin weitere Hinweise aus potenziell betroffenen Bereichen wie etwa vom Spielplatz Krokusweg erreicht.
Wachenheim
Im Sommer 2025 wurde die Ameisenart Tapinoma magnum in Wachenheim entdeckt. Seitdem wird die Art bekämpft. Hoffnungen, die Ameisen könnten den Winter nicht überstehen, bleiben wahrscheinlich unerfüllt. Jetzt im Sommer könnten sie mit voller Kraft zurückkommen, befürchten Experten.
2025 wurde auch aus Weingarten (Kreis Germersheim) in der Verbandsgemeinde Lingenfeld das Vorkommen der Tapinoma magnum Ameise gemeldet. Betroffen war besonders das Gebiet am Schlossberg.
Westheim ist neben Weingarten und Lustadt der dritte Ort der VG Lingenfeld im Kreis Germersheim, aus dem es im letzten Jahr bestätigte Meldungen der Ameisenart gab. Gemeldet wurde aus den Mühlwiesen.
Wie kann ich Tapinoma magnum Ameisen erkennen?
Um die Tiere der Art Tapinoma magnum von anderen Arten zu unterscheiden, können folgende Kriterien helfen, die die Verbandsgemeinde Edenkoben auf ihrer Webseite veröffentlicht hat:
- Die Ameisen sind schwarz und haben unterschiedliche Größen
- Sie krabbeln in großer Menge an besonders sonnigen, steinigen Flächen herum
- Ihr Verhalten wirkt aggressiver als bei normalen Ameisen, was sich zum Beispiel dadurch äußert, dass sie verstärkt an Menschen hochkrabbeln
- Die Ameisen sondern einen Geruch nach ranziger Butter ab, wenn sie zerquetscht werden
Tapinoma magnum erkennen: Tipps vom Experten im Video
Sind Tapinoma magnum für den Menschen gefährlich?
Die Ameisenart gilt als aggressiv, also angriffslustig, und kann auch beißen. Laut dem Landauer Dermatologien Mounir Anwar seien die Bisse allerdings in den meisten Fällen mit normalen Insektenstichen vergleichbar. Betroffene würden meist von punktförmigen, juckenden Papeln oder Quaddeln berichten, meist an Füßen, Knöcheln oder Händen. Es könne auch zu lokalen Rötungen, Juckreiz oder Brennen kommen, so Anwar gegenüber der RHEINPFALZ.




