Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Polarlichter über der Pfalz: Wenn der Himmel schimmert

Polarlichter über der Pfalz. Naturfotograf gelangen diese Aufnahmen bei Neustadt am Morgen des 12. November
Polarlichter über der Pfalz. Naturfotograf gelangen diese Aufnahmen bei Neustadt am Morgen des 12. November

Polarlichter, die rot oder grün über der Pfalz leuchten. Auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag können sie am Pfälzer Nachthimmel zu sehen sein.

Sie schimmern mal rötlich, weiter im Norden am Polarkreis grünlich und hin und wieder sogar bläulich-lila am Nachthimmel und tänzeln fast schon mystisch über der Erde. Die Rede ist von Polarlichtern. Und diese treten eigentlich eher über den nördlichen Breitengraden der Erde auf, in der kommenden Nacht sind sie aber auch über den mittleren Breiten zu sehen, genauer auch über der Pfalz. Auslöser sind Eruptionen auf der Sonne, die Teilchen freisetzen, die auf die Erde treffen.

Aktuell gab es gleich mehrere solcher starken Sonnenstürme. Bereits vergangene Nacht waren Polarlichter zu sehen. Der Pfälzer Naturfotograf Dirk Schatz hat in den frühen Morgenstunden um Neustadt bereits erfolgreich Fotos davon geschossen. Die wichtigsten Fragen und Antworten z den Polarlichtern über der Pfalz:

Wann treten die Polarlichter auf?
„Die letzten Tage war es sehr unruhig auf der Sonne“, erklärt Carolin Liefke, Astrophysikerin am Heidelberger Haus der Astronomie. So waren bereits vergangene Nacht Polarlichter zu entdecken. „Heute Nacht wird es aber voraussichtlich noch toller“, prognostiziert Lieke. Bereits ab 17 Uhr, also sobald es allmählich dunkel wird, könne man sich auf die Lauer legen. Auch Volkmer Bothmer, Astrophysiker an der Universität Göttingen, bestätigt das. „Wir erwarten heute das Eintreffen eines Sonnensturms, der gestern mit etwa 2000 Kilometer pro Sekunde oder höher auf der Sonne stattfand“, erklärt Bothmer, der unter anderem als Projektleiter an der Nasa-Sonnen-Mission Parker Solar Probe mitgearbeitet hatte. Bothmer zufolge trifft der Sonnensturm laut der ihm vorliegenden Daten am Nachmittag auf die Erde. Eine recht exakte Vorhersage bietet unter anderem das Space Weather Prediction Center, also das Weltraumwetter-Prognosezentrum aus den USA, auf seiner Homepage. Dort gibt es eine 30-minütige Vorhersage mit einer Animation, die den Verlauf darstellt.

Wo sieht man die Polarlichter am besten?
„Es gilt das gleiche, wie bei vielen astronomischen Ereignissen: Es hilft, wenn man weg von den Lichtern der Städte und Ortschaften ist“, erklärt Liefke. Besonders gut sichtbar werden die Polarlichter also über dem Pfälzerwald oder dem Odenwald zu sehen sein.

Feldweg und Polarlichter bei Neustadt.
Feldweg und Polarlichter bei Neustadt.

Was ist wichtig, um Polarlichter zu sehen?
„Zu Beginn besser in Richtung Norden blicken. Wenn es so richtig los geht, dann sieht man sie am ganzen Himmel“, betont Liefke. Umgekehrt gilt aber auch: „Wenn in Richtung Norden keine zu sehen sind, dann sieht man auch woanders nichts.“ Liefke betont zudem Geduld. „Man muss etwas Zeit draußen verbringen.“ Die Polarlichter werden mal heller, mal schwächer zu sehen sein. „Die Teilchen treffen in Schüben auf die Erde.“ Interessanterweise kann auch der Blick durchs Smartphone helfen, zumindest dessen Nutzung als Kamera: „Die meisten Handys können lange belichten“, sagt Liefke. Wer die Möglichkeit hat, kann sein Gerät mit längerer Belichtung positionieren und ein Foto aufnehmen. „Wenn man einen rötlichen Schimmer sieht, dann sind Polarlichter da“, sagt Liefke.

Spielt das Wetter aktuell bei der Beobachtung mit?
Der November war bisher ein Mix aus Nebel und strahlend-blauem Himmel. Und so wird es wohl auch in dieser Nacht wieder der Fall sein. Der Deutsche Wetterdienst geht aber nur von lokaler Nebelbildung aus. Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag soll in Rheinland-Pfalz großteils gering bewölkt bis klar sein. „Entlang des Rheins kann sich das ein oder andere kleinere Nebelgebiet bilden“, prognostiziert eine DWD-Meteorologin auf RHEINPFALZ-Nachfrage telefonisch am frühen Nachmittag. Gerade zu Beginn der Nacht könne es hohe Bewölkung geben. „Im Laufe der Nacht wird das aber weniger und nicht mehr so dicht.“

Polarlichter über der Pfalz im November 2025.
Polarlichter über der Pfalz im November 2025.

Wie entstehen Polarlichter?
Polarlichter entstehen durch Eruptionen auf der Sonnenoberfläche. Diese Sonnenstürme bringen geladene Teilchen auf die Erde. Treffen diese auf Atome, fangen diese, vereinfacht gesagt, an zu leuchten. Die Teilchen rasen dauerhaft von der Sonne auf die Erde, bei stärkeren Stürmen treffen aber viele mehr auf unserem Planeten. Dann sind die Polarlichter auch in tieferen Breitengraden und nicht nur im Polarbereich zu sehen. Bei stärkeren Sonneneruptionen sind Polarlichter über Zentraleuropa zu sehen. Bereits 2024 konnten Polarlichter – auch über der Pfalz – über Europa beobachtet werden. Liefke zufolge werden die Polarlichter heute auch so stark zu sehen sein, wie vor einem Jahr.

Welche Arten von Polarlichtern gibt es?
Rötliche Lichter entstehen durch Sauerstoff-Atome die mit den geladenen Teilchen der Sonne in Höhen ab 150 Kilometer aufeinandertreffen. Grüne Lichter entstehen auch durch das Zusammentreffen von Teilchen und Sauerstoff, aber deutlich tiefer. „Die gibt es bereits in einer Höhe von 100 Kilometern“, so Liefke. In Skandinavien sind die grünen Lichter häufiger zu sehen, in den mittleren Breiten dafür eher rötliche Polarlichter. „Grüne Polarlichter können aber auch bei uns auftreten“, sagt die Astrophysikerin. Lila-bläuliche Polarlichter werden durch das Aufeinandertreffen mit Stickstoffatomen verursacht.

Blick auf das Hambacher Schloss. Polarlichte erleuchten über dem Pfälzerwald
Blick auf das Hambacher Schloss. Polarlichte erleuchten über dem Pfälzerwald

Wieso ist die Sonne gerade so aktiv?
Die Sonne unterliegt einem elfjährigem Zyklus. Das Maximum ihrer Aktivität im derzeitigen Zyklus liegt bereits zurück, aber wohl noch bis Anfang 2026 sind verstärkte Ausbrüche möglich. „Es gibt mehrere Zehntausend Stürme pro Zyklus“, sagt Bothmer. Aber nicht viele würden die Energie haben, um auf der Erde zu „Effekten“ zu führen. Hierzu müssten verschiedene physikalische Komponenten zusammenkommen, unter anderem der Weg von Sonne zu Erde oder die Stärke des Ausbruchs. Interessant: Alle Sonnenstürme, die besonders stark waren, waren multiple – also mehrere hintereinander, so Bothmer und weiter: „Die multiplizieren sich.“

Aufnahme des Sonnensturms auf der Sonne am 11. November mit den NASA-und ESA- Raumsonden SDO und SOHO-
Aufnahme des Sonnensturms auf der Sonne am 11. November mit den NASA-und ESA- Raumsonden SDO und SOHO-

Ist ein Sonnensturm und das verstärkte Auftreten gefährlich?
Sonnenforscher Bothmer zufolge habe es auch vergangene Nacht bereits Ausfälle im Funkverkehr gegeben. „Auch Flugzeuge sind teilweise niedriger geflogen.“ Grundsätzlich gibt er aber Entwarnung. „Für mich sind das normale Vorgänge.“ Heftiger seien die Auswirkungen, wenn ein Sonnensturm mit etwa 3000 Kilometern pro Sekunde ausbreche. Dann könne es bei der Infrastruktur, also bei Kommunikation oder Stromversorgung, zu Problemen kommen.

Vor allem in den 90er-Jahren habe es laut Liefke Störungen gegeben, unter anderem seien Umspannwerke in den USA ausgefallen. „Die Sonne wird gut überwacht“, so Liefke. Quasi minütlich könne vorhergesagt werden, wann die Teilchen auf der Erde auftreffen würden. Dann werden beispielsweise Satelliten anders ausgerichtet oder in einen anderen Modus geschaltet, erklärt die Astrophysikerin. Auch die Astronauten auf der Raumstation ISS gehen dann in Module der Station, die stärker von Blei ummantelt seien, um weniger Strahlung abzubekommen.

Und für die Sonne selbst? Sind die verstärkten Eruptionen problematisch? Nein, beruhigt Bothmer. „Das ist wenig, was von der Sonne an Masse weg geht, vergleichen mit der Gesamtmasse.“

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