Bundestagswahl 2025
Pfalz: Wo die AfD am stärksten abschneidet
Um zu verstehen, was in Rheinland-Pfalz und in der Pfalz am Sonntag passiert ist, genügt ein Blick: Nach der Bundestagswahl 2021 war bis auf fünf schwarze Landkreise im Nordwesten des Landes und einen grünen Flecken in Mainz das Rot der SPD die dominierende Farbe auf der politischen Landkarte. Dreieinhalb Jahre später ist Mainz noch immer grün, dann ist da viel, sehr viel Schwarz. Und in der Pfalz leuchtet an fünf Stellen eine neue Farbe: das Blau der AfD. Nach landesweit 9,2 Prozent hat die rechtspopulistische und in Teilen der Republik als rechtsextremistisch eingestufte Partei ihren Zweitstimmenanteil auf 20,1 Prozent mehr als verdoppelt.
Die blauen Flecken – das sind vier kreisfreie Städte und ein Landkreis im Süden des Bundeslandes, in der Pfalz: die 180.000-Einwohner-Stadt Ludwigshafen, das knapp 100.000 Bürger zählende Kaiserslautern, Pirmasens (43.000), Zweibrücken (35.000) und der Kreis Kusel (71.000). Hier hat die AfD geschafft, was sich spätestens bei der Kommunal- und Europawahl schon angedeutet hat: Sie ist vor den etablierten Parteien stärkste politische Kraft geworden.
Beträchtlicher Vorsprung
In Ludwigshafen liegen zwischen der AfD und der CDU als Nummer zwei nur winzige 0,2 Prozentpunkte. In der einst knallroten Chemiemetropole hat die SPD beispielsweise keinen einzigen der 14 Stadtteile mehr gewonnen – 2021 waren es noch alle. Andernorts sind die Abstände der AfD zur konservativen Konkurrenz aber durchaus beträchtlich: 1,9 Punkte im Kreis Kusel, 2,3 in Kaiserslautern und 3,7 in Zweibrücken. Den größten Vorsprung hat die Partei vor den Christdemokraten allerdings in der strukturschwachen Schuhstadt Pirmasens: 5,2 Prozentpunkte.
Wer das Phänomen des Rechtsrucks in der Pfalz in seiner Tiefe verstehen will, der muss ein wenig ins Wurzelwerk der (kommunal-)politischen Strukturen kriechen. Beispiel: Kreis Germersheim. Der ist in seiner Gesamtheit immer noch CDU-Land. In der Kreisstadt Germersheim allerdings sammelt die AfD 34,6 Prozent der Zweitstimmen und liegt 12,2 Prozentpunkte vor den zweitplatzierten Christdemokraten. Wer auf Ebene der Ortsgemeinden weitersucht, der findet sogar noch Dörfer mit Werten jenseits der 40 Prozent. Die sind mit Vorsicht zu genießen, weil es sich um reine Ergebnisse der Urnenwahl handelt. Die per Post abgegebenen Stimmen werden den kleineren Orten laut Landeswahlleiter nicht mehr zugeordnet und finden sich lediglich im Verbandsgemeinde-Resultat wieder. Ähnlich verhält es sich mit Ortsbezirken in kreisfreien Städten.
Unterm Strich bleibt: In allen fünf Pfälzer Wahlkreisen zusammengenommen, kommt die AfD auf 23,41 Prozent der rund 836.500 abgegebenen Zweitstimmen in der Region. Damit schneidet die Partei in der Pfalz besser ab als bundesweit: Dort erreichte sie mit 20,8 Prozent der Stimmen rund 2,5 Prozentpunkte weniger. Entsprechend fällt das Fazit prominenter Vertreter der Partei aus. Sebastian Münzenmaier, Direktkandidat im Wahlkreis Kaiserslautern und schon bisher stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion sagt: „In der Pfalz ist die AfD Volkspartei.“
CDU beschuldigt Ampel
Folgt man Münzenmaiers Definition von Volkspartei, dann bleibt die Frage: Wer hat sie dazu gemacht? Johannes Steiniger, Generalsekretär der rheinland-pfälzischen CDU und für seine Partei auch im neuen Bundestag als Abgeordneter des Wahlkreises Neustadt-Speyer vertreten, winkt bei der Frage nach dem Beitrag der umstrittenen Abstimmung zur Migrationspolitik kurz vor der Wahl ab: „Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätten wir die AfD bei 25 Prozent gesehen. Ich glaube, da haben wir Schlimmeres verhindert.“ Und die Ex-Bundeslandwirtschaftsministerin und frühere Landeschefin Julia Klöckner lässt am Montag nach der Wahl in der Berliner Parteizentrale verlauten: „Die Ampel muss sich Gedanken darüber machen, wie sie die AfD stark gemacht hat.“ Sie selbst kann durchatmen: Sie gehört mit Steiniger zu den elf Christdemokraten aus Rheinland-Pfalz, die das Ticket nach Berlin für die kommenden vier Jahre gelöst haben.
