Speyer Junge Leute, Corona und der liebe Gott

Seelsorger versuchen, den jungen Menschen in der Krise zu helfen.
Seelsorger versuchen, den jungen Menschen in der Krise zu helfen.

Junge Menschen können aus allen möglichen Gründen verzweifelt sein. Deshalb gibt es an vielen Schulen und Universitäten Seelsorger, häufig von kirchlichen Trägern. Sie helfen zu jeder Zeit und sind auch in der Coronakrise gefragt. Was raten sie den Schülern und Studenten? Und was können sie derzeit überhaupt tun?

„Auch die Seelsorge muss mit der durch Corona veränderten Situation klarkommen,“ sagt Luise Gruender von der Hochschulseelsorge des Bistums Speyer. Soziale Programme, die sie normalerweise anbiete, wie Weinproben, Wandern oder Stadtradeln, seien nicht möglich. Normalerweise sind die Studierenden am Campus, treffen ihre Kommilitonen vor Ort und in den Seminaren. Jetzt, auch um Geld zu sparen, sind viele zurück in die Heimat gezogen. „Diese Lücke der Begegnung versuchen wir online zu schließen“, sagt Gruender. Dafür gebe es verschiedene Angebote, zum Beispiel „Impulse“, Video-Konferenzen, in denen die Studenten abends miteinander ins Gespräch kommen können. Mit der Resonanz sei sie zufrieden, etwa 20 Leute seien pro Termin dabei. Das Bedürfnis, sich untereinander auszutauschen, sei groß.

Groß ist wohl auch das Bedürfnis, sich mit Seelsorgern auszutauschen: Es gebe spürbar mehr Einzelgespräche als vor der Krise, in Präsenz, in Form von Spaziergängen, aber auch online. Bei den Anfragen gehe es einerseits um finanzielle Not, Hilfe beim Ausfüllen der Coronahilfe-Anträge, aber auch um persönliche Fragen und Fragen des Glaubens. Da gebe es natürlich die Angst vor einer Infektion, aber auch Zukunftsängste, wenn das Studium aufgrund der Krise nicht so läuft wie gedacht, oder wenn Geld fehlt, weil Nebenjobs weggefallen sind. Gleichzeitig gebe es aber auch ganz praktische Anfragen, wie man den Alltag gut strukturieren kann, oder mit Konflikten in der Wohngemeinschaft umgeht – jetzt, wo viele den ganzen Tag zu Hause sind.

In Gottes Hände fallenlassen

Stellen die Studenten auch die großen Sinnfragen? Ja, einzelne würden das Gespräch dazu suchen, aber nicht alle, sagt Gruender. Allerdings gebe es unter Studierenden besonders viele, die viel denken, daher gebe es auch verhältnismäßig viele, die sich mit solchen Fragen beschäftigten. „Wir haben nicht die Erwartung, Studierende für die Kirche zu akquirieren. Doch klar, das Thema spielt rein. Sich fallen zu lassen – etwa in Gottes Hände – entspannt ja auch und macht alltägliche Probleme leichter“, sagt sie. Sie könne aber auch verstehen, dass sich manche fragen, was das für ein Gott ist, der so etwas zulässt. Gerade diejenigen, die Familie oder Freunde durch Corona verloren haben.

Auch für die Jüngeren ist das Bistum Speyer da: Die Probleme, über die Schüler mit Schulseelsorgerin Katharina Ritter-Schardt am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium Speyer reden, unterscheiden sich dabei gar nicht so stark von denen der Studierenden. Während es bei letzteren um Konflikte in der Wohngemeinschaft geht, erzählen Schüler häufig von Problemen in der Familie. Es ist auch für die Schüler nicht leicht, den Tag zu strukturieren. „Jeder Tag ist gleich und eintönig, hat kürzlich eine relativ junge Schülerin erzählt: aufstehen, essen, lernen, essen und dann ins Bett“, sagt Ritter-Schardt.

Darunter litten die Schüler schon. Aber auch für Ältere sei es mühsam, sich vieles selbst zu erarbeiten, ohne unmittelbare Reaktionen des Lehrers. Außerdem fehlten den Schülern ebenfalls die sozialen Kontakte.

Bedrohung durch Corona

Ein weiteres Thema: Viele fühlten sich durch die Corona-Krise bedroht. Die Angst, sich zu infizieren oder Menschen zu verlieren, haben nicht nur Studentinnen und Studenten, sondern auch Schülerinnen und Schüler.

Was sie den Schülern rät, hängt laut Ritter-Schardt vom Alter ab. Bei Jüngeren versuche sie, die Angst zu nehmen. Die Schwierigkeit sei aber, die Jugendlichen einerseits zu animieren, die Regeln einzuhalten, andererseits aber dafür zu sorgen, dass sie sich nicht zu sehr bedroht fühlen. „Wenn jemand Angst hat, dass die Oma an Corona sterben könnte, versuche ich, darüber zu reden, was wir dazu beitragen können, dass die Krankheit weniger verbreitet wird. Es geht aber auch darum, dass wir es am Ende nicht in der Hand haben“, sagt Ritter-Schardt.