Bliesgau
Jäger berichtet von Wilderei: Andreas S. war ihm „von der ersten Sekunde an suspekt“
Mindestens fünf Jäger hatten Andreas S. im Jahr 2017 wegen Wilderei angezeigt oder gegen ihn ausgesagt – folgenlos. Der Jagdpächter von Peppenkum schildert dieser Zeitung, was sich vor fünf Jahren in seinem Revier ereignete.
Das Dörfchen Peppenkum ist eine Landidylle. Es liegt im Saarpfalzkreis in der Urlaubsregion Bliesgau, direkt an der Grenze zu Lothringen, umgeben von Feldern, Obstwiesen, Bächen und Wäldchen. In diesem Dorf wohnt der Jagdpächter von Peppenkum, die gesamte Gemarkung ist sein Revier.
Um fünf Uhr fällt ein Schuss im Nordwesten
Eines Morgens im August 2017 machte er sich mit seinem Sohn früh gegen fünf Uhr fertig zur Jagd. „Wir wollten Wutze schießen.“ In der Morgendämmerung, wenn die Wildschweine in die Maisfelder wechseln.
Beim Bereitmachen im heimischen Hof hörten sie einen Schuss aus Nordwesten. „Ich sagte zu meinem Sohn: ,Wir müssen uns beeilen. Der Kollege von Altheim sitzt schon an.’“
Silberner BMW flüchtet in hohem Tempo
Der Sohn fuhr auf dem gut ausgebauten und asphaltierten Feldweg voraus in Richtung Maisfeld kurz vor der Reviergrenze zu Altheim. „Da ist ihm ein silberner BMW entgegengekommen. Mit hohem Tempo. Der hat voll aufgeblendet, hat keine Anstalten gemacht, anzuhalten oder auszuweichen. Mein Sohn musste mit seinem Auto halb in die Böschung fahren.“
Der Jagdpächter hat sich das Kennzeichen des BMW bis heute gemerkt. „NK, dann AS und dann die Ziffern ...“. AS – das sind die Initialen von Andreas S. und sein Wohnort Spiesen liegt im Landkreis Neunkirchen (NK).
„Vom Typ her: Ich weiß alles, ich kann alles“
„Ich kannte den S. ja schon“, erzählt der Peppenkumer. „Er war mir ungefähr 2015 oder 2016 als Durchstarter in der saarländischen Bäcker-Szene vorgestellt worden. Von der ersten Sekunde an war er mir suspekt. Überheblich, vom Typ her: Ich weiß alles, ich kann alles. Sein Großvater und sein Vater hatten einst die Bäckerei in Altheim. Mir war bekannt, dass S. im Angelsportverein Altheim war und somit genau wusste, wo die Wildwechsel in unserer Gegend sind.“
Zwei Stunden nach dem Vorfall auf dem Feldweg fuhr der Jagdpächter nach Zweibrücken. Unterwegs, am Bickenaschbacherhof, sah er auf einmal rechts von der Brücke den silbernen BMW. „Der stand da, wie wenn der S. gerade am Bach angeln wäre.“ Der Jagdpächter besah sich den Wagen, erkannte im Innenraum einen großen Köcher zwischen den Sitzen. „Da passen Angelruten rein oder auch ein Gewehr.“ Weil die Scheiben abgedunkelt waren, konnte er nicht viel mehr erkennen. Und da niemand zu sehen war, fuhr der Jagdpächter weiter. Im Nachhinein ist er froh, dass sich S. nicht zeigte und dass der silberne BMW zuvor auf dem Feldweg nicht gestoppt hatte. „Weiß Gott, was der S. dann vielleicht angestellt hätte!“
Verendetes Reh mit Schuss durch Kiefer gefunden
Aus zwei Gründen erstattete der Peppenkumer damals Anzeige gegen Andreas S. wegen Wilderei. „Es war ja damals schon rumgegangen, dass er wildert.“ Außerdem hatte der Jäger im Juli 2017 ein totes Reh in seinem Revier gefunden, das durch einen Äserschuss zugrunde gegangen war. Darunter verstehen Jäger einen Schuss in den Kiefer eines Tieres. Das passiert, wenn ein Kopfschuss beabsichtigt war, dieses Ziel aber verfehlt wurde. „Ich wusste, dass S. immer auf den Kopf schießt. Ich habe das selbst mal gesehen, als S. in einem Gehege bei Medelsheim einen Hirsch schoss.“
Irgendwann bekam der Jagdpächter einen Brief von der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren sei aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Er fragte dann bei der Kripo nach und erhielt die Auskunft, dass die Ehefrau von Andreas S. diesem ein Alibi gegeben habe. Die beiden hätten um sieben Uhr des fraglichen Tages gemeinsam gefrühstückt. Der BMW könne also gar nicht zu dieser Zeit am Bickenaschbacherhof gestanden haben.
Alle Berichte zum Polizistenmord und zum Prozess finden Sie hier. Unter dem Link sind auch neue Videos von genau den Örtlichkeiten zu sehen, wo Andreas S. im Jahr 2017 Jägern zufolge wilderte.