Pfälzerwald
Gemeinsames Wanderwegenetz: 24 von 25 Kommunen haben schon „Ja“ gesagt
Die Hütte ist schon zu sehen – aber es sind eben noch ein paar Meter bis zum Ziel. So könnte man den Stand der Bemühungen um ein gemeinsames Wanderwegenetz im Pfälzerwald beschreiben. Die Räte von 24 Verbandsgemeinden und Städten haben im Sommer und im Herbst beschlossen, dass sie beim Wanderwege-Projekt dabei sein wollen. Die Entscheidung des 25. kommunalen Partners, der Verbandsgemeinde Freinsheim (Kreis Bad Dürkheim), steht noch aus, sie soll Mitte Dezember fallen. Dort ist das Verfahren etwas aufwendiger als bei den anderen Kommunen, dazu später.
Das Wegenetz wird kleiner
Kurzer Rückblick: Vor mehr als drei Jahren ist ein Konzept erarbeitet worden, das eine Verringerung der Wanderwege des Pfälzerwald-Vereins im Pfälzerwald vorsieht: Aus 3500 Kilometer markierten Wegen soll ein „Grundwanderwegenetz“ von 1950 Kilometern werden, das dauerhaft gepflegt wird und gut ausgeschildert ist. Der Bezirksverband Pfalz, der Pfälzerwald-Verein und die Pfalz-Touristik arbeiten dabei mit 25 Verbandsgemeinden und Städten zusammen, auf deren Gemarkungen die Wege liegen. Schriftlich fixiert ist das in einer Kooperationsvereinbarung.
Das Mainzer Wirtschaftsministerium hat eine Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt, das sind 75 Prozent der Gesamtkosten von 2 Millionen Euro. Die restliche halbe Million müssen die 25 Verbandsgemeinden und Städte tragen. Die Anteile belaufen sich dabei zwischen 5400 Euro für Grünstadt im Kreis Bad Dürkheim (knapp 2 Kilometer Strecke, nicht vorhandene Beschilderung) und 32.000 Euro für die Verbandsgemeinde Dahner Felsenland im Kreis Südwestpfalz mit 207 Kilometer Strecke und schon jetzt top Beschilderung. Berücksichtigt werden bei den Kosten neben der Länge der Wegstrecke auch die Qualität der bisherigen Markierung: Wer schon Vorarbeit geleistet hat, zahlt weniger. Neben der Einmalzahlung kommen auf die Kommunen Folgekosten in Höhe von 2000 bis 6000 Euro jährlich zu – und zwar 15 Jahre lang, so lange läuft die Vereinbarung. Damit soll auch eine halbe Nachhaltigkeitsstelle bezahlt werden, die für Qualitätssicherung und Marketing zuständig sein wird. Die Umsetzung des Projekts soll 2026 beginnen und zwei Jahre dauern.
Der Antrag soll im Dezember raus
Für Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), Vorsitzender des Bezirkstags der Pfalz und des Vereins Pfalz-Touristik, ist es eine gute Nachricht, dass 24 der 25 Beteiligten ihr Ja zur Kooperationsvereinbarung gegeben haben: „Die Kommunen haben alle verstanden, dass es viel Sinn ergibt, sich zusammenzuschließen, weil man dann die Förderung des Landes erhält“, sagt Ihlenfeld, der auch Landrat des Kreises Bad Dürkheim ist. Er hofft für auch auf ein Ja aus Freinsheim im Dezember. Gleich nach der Abstimmung soll der Förderantrag für das Wege-Konzept nach Mainz geschickt werden. Eine förmliche Frist gebe es nicht, sagt Ihlenfeld – der Antrag solle aber in jeden Fall noch im Dezember rausgehen. „Es ist natürlich wichtig, dass wir noch vor der Landtagswahl den Förderbescheid haben“, sagt Ihlenfeld. Denn nach Wahlen dauere es für gewöhnlich einige Zeit, bis sich alles neu sortiert hat. Das grundsätzliche Signal der Landesregierung, dass das Projekt gefördert werden soll, sei gegeben worden. Vom Wirtschaftsministerium hieß es dazu im Frühjahr: „Der Pfälzerwald hat das Potenzial, eine einmalige Wanderdestination zu werden.“
Was passiert, wenn Freinsheim nicht zustimmt?
Was würde passieren, wenn die Verbandsgemeinde Freinsheim der Vereinbarung eine Abfuhr erteilt? Hans-Ulrich Ihlenfeld schließt aus, dass der Bezirksverband die Kosten für die Kommune übernehmen würde. Das würde dem Solidargedanken widersprechen und wäre den anderen gegenüber nicht fair. „Theoretisch“ dürfte es zwar möglich sein, einen Förderantrag in Mainz zu stellen, wenn die VG Freinsheim nicht mitmachen würde, sagt Ihlenfeld. Man würde dann 27 Kilometer – 1,4 Prozent der Gesamtstrecke – aus dem Konzept nehmen. Doch der Wunsch sei, dass auch diese Kommune dabei ist: „Wir setzen alles daran, dass die Räte zustimmen“, sagt Ihlenfeld.
Jörg Heidemann, Büroleiter der Verbandsgemeindeverwaltung Freinsheim, verweist mit Blick auf den Zeitrahmen darauf, dass die Sache – anders als in anderen Verbandsgemeinden – nicht mit lediglich einem VG-Ratsbeschluss erledigt ist. Denn auch die drei Ortsgemeinden Herxheim am Berg, Kallstadt und Weisenheim am Berg sowie die Stadt Freinsheim müssten zuvor noch ihr Okay geben. Das liege daran, dass in der VG Freinsheim nur die Tourismus-Werbung von den Ortsgemeinden auf die Verbandsgemeinde übertragen worden sei, die Zuständigkeit für die Wege jedoch bei den Ortsgemeinden liege. Jetzt müssten die drei Ortsgemeinderäte und der Stadtrat von Freinsheim darüber abstimmen, ob sie „die Unterhaltung der Wege auf die Verbandsgemeinde übertragen wollen“, sagt Heidemann. Und weil von den acht Kommunen, die zur VG gehören, nur vier betroffen sind, sollen die Kosten auch nur von diesen zu tragen sein. Es handelt sich um Einmalkosten von insgesamt 9740 Euro und Folgekosten von 2536 Euro pro Jahr.
Bürgermeister ist zuversichtlich
Bürgermeister Jürgen Oberholz (FWG) geht davon aus, dass die Kommunen in der Verbandsgemeinde Freinsheim dem Vorhaben zustimmen werden. Gleiches gelte für den Verbandsgemeinderat: Der Haupt- und Finanzausschuss, der die Sache vorberaten hat, habe den Plänen schon seinen Segen erteilt.
