Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeinsames Wandernetz: Eine Kommune wird nicht dabei sein

Der Ungeheuersee sollte nach Meinung der Verantwortlichen in der VG Freinsheim ins Wegenetz aufgenommen werden. Diese Forderung
Der Ungeheuersee sollte nach Meinung der Verantwortlichen in der VG Freinsheim ins Wegenetz aufgenommen werden. Diese Forderung haben sie jetzt erhoben – sie wird aber nicht erfüllt.

Die Verbandsgemeinde Freinsheim soll laut Bezirksverband beim Grundwanderwegenetz im Pfälzerwald ausgespart werden. Das hat mit Forderungen zu tun, die gestellt wurden.

Die Verbandsgemeinde Freinsheim (Kreis Bad Dürkheim) wird beim „Grundwanderwegenetz“ im Pfälzerwald nicht dabei sein. Das hat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), Vorsitzender des Bezirkstags der Pfalz, der RHEINPFALZ mitgeteilt. Hintergrund sind Bedingungen, die die Verbandsgemeinde im Januar gestellt hat, auf die der Bezirksverband aber nicht eingehen will.

Die Verbandsgemeinde Freinsheim hatte verlangt, dass weitere Strecken in das Wegekonzept aufgenommen werden. Diesem Wunsch könne nicht entsprochen werden, sagt Ihlenfeld. Es wäre den anderen 24 Kommunen gegenüber unfair, die dem gemeinsamen Projekt schon zugestimmt haben: „Wir können nicht das ganze Geflecht noch mal aufmachen. Es würden sich Streckenanteile und damit auch die Berechnungen verändern“, sagt Ihlenfeld.

Zur Erklärung: Das alte 3500 Kilometer umfassende Wegenetz soll auf ein Grundwanderwegenetz von 1950 Kilometern verkleinert werden. Dieses soll gut markiert sein und dauerhaft gepflegt werden – so sieht es eine Vereinbarung zwischen dem Bezirksverband Pfalz, dem Pfälzerwald-Verein, dem Tourismusverein Pfalz-Touristik und den betroffenen Kommunen vor.

Freinsheim hat einen kleinen Streckenanteil

Welche Strecken im Wegenetz sind, sei mit großer Beteiligung von Kommunen, Pfälzerwald-Verein und Touristikern in mehreren Sitzungen erarbeitet worden, sagt Friedericke Stakelbeck, Direktorin der in Lambrecht (Kreis Bad Dürkheim) beheimateten Geschäftsstelle des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen: „Wir haben viel Info-Arbeit betrieben.“ Die Verbandsgemeinde Freinsheim im Kreis Bad Dürkheim ist nach den Planungen mit einem Streckenanteil von 27 Kilometern (die VG spricht von 22,5 Kilometern) vertreten.

Verbunden ist die Umsetzung mit einer „Demarkierung“ der Wege, die nicht mehr gebraucht werden und die nicht im Groß-Plan enthalten sind: Die Markierungen von Pfälzerwald-Vereins-Wegen, die außerhalb des neuen Wanderwegenetzes liegen, sollen entfernt werden, wie Stakelbeck sagt. Eine Karte mit dem genauen Wegeverlauf wolle man indes erst veröffentlichen, wenn die Förderzusage des Landes für das Projekt eingegangen ist. Das Wirtschaftsministerium hatte eine Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt, das sind 75 Prozent der Gesamtkosten von zwei Millionen Euro. Start der auf drei Jahre angelegten Umsetzung des Projekts soll laut Ihlenfeld im ersten Halbjahr 2026 sein.

Wunsch: Verlängerung von drei Streckenführungen

Eigentlich wollte die Verbandsgemeinde Freinsheim im Dezember entscheiden, ob sie beim Wegenetz dabei ist. Nach einer Dienstbesprechung mit den Ortsbürgermeistern im Januar habe man die Bitte nach drei Streckenverlängerungen an den Bezirksverband übermittelt, sagt Büroleiter Jörg Heidemann, der sich im Auftrag von Bürgermeister Jürgen Oberholz (FWG) meldet. Es gehe nicht darum, dass gänzlich neue Wege, sondern schon bestehende Wanderwege in Gänze (und nicht abgeschnitten) mit ins Netz aufgenommen würden. Die Ortsgemeinden fühlten sich „unterrepräsentiert“, die Strecken, die im Grundwegenetz aufgenommen wurden, seien „touristisch nicht so interessant“, fasst er die Bedenken zusammen. Deswegen habe man den Bezirksverband gebeten, weitere Streckenteile – beispielsweise eine Strecke zum Ungeheuersee (Weisenheim am Berg) oder nach Höningen (Ortsteil von Altleiningen) mit aufzunehmen. Sollte das geschehen, würden die Kommunen, bei denen die Zuständigkeit für die Wege liegt, dem Konzept zustimmen. Betroffen sind Herxheim am Berg, Kallstadt und Weisenheim am Berg sowie Freinsheim. Heidemann betont, dass die Verbandsgemeinde die touristische Bedeutung des Themas Wandern als wichtig erachte und inhaltlich auf einer Linie mit dem Bezirksverband und der Pfalz-Touristik sei: „Allen Gemeinden ist wichtig, dass wir das Thema voranbringen.“

Auf die Frage, warum die Verbandsgemeinde sich erst jetzt äußere, obwohl das Verfahren schon drei Jahre laufe, räumt der Büroleiter ein, dass die Sache auf Seiten der VG „nicht optimal“ gelaufen sei und das Ganze „in unserem Bereich nicht so forciert worden ist, wie es notwendig wäre“: So habe weder der Info-Fluss innerhalb der Verbandsgemeinde noch der zwischen der Verbandsgemeinde und den Ortsgemeinden gestimmt. Daraus habe man gelernt.

Ihlenfeld gibt zu verstehen, dass er es politisch unklug finde, dem Konzept nicht zuzustimmen und Zusatz-Forderungen zu stellen: „Wenn ich selber Ortsbürgermeister wäre, würde ich sagen: Wir machen bei dem Projekt mit – als Zeichen.“ Den Ortsgemeinden sei sogar angeboten worden, dass bei einer späteren Evaluation noch Nachbesserungen vorgenommen werden könnten. Er äußert sich enttäuscht über die Haltung der Ortsbürgermeister und sagt, er hoffe, dass sich die VG Freinsheim perspektivisch doch noch am gemeinsamen Wegenetz für den Pfälzerwald beteiligt: „Wir wollen die Türen nicht verschließen. Doch jetzt beantragen wir die Förderung des Landes ohne sie, sonst wird es zu spät“, sagt er mit Verweis auf die endende Legislaturperiode in Mainz. „Die Mittel stehen bereit“, sagt Ihlenfeld, das Ministerium akzeptiere auch, dass die VG Freinsheim nicht dabei ist. Kommende Woche finden Ausschusssitzungen des Bezirksverbands und des Biosphärenreservats statt. Dort soll beschlossen werden, dass der Bezirksverband die Lücke in der Finanzierung übernehme, die durch den Wegfall der VG Freinsheim gerissen werde. Mit der Übernahme will man laut Ihlenfeld vermeiden, dass die anderen 24 Partner mehr bezahlen müssen.

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