Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Flugzeugunglück in Limburgerhof: Was geschah in 3000 Metern Höhe?

Die Trümmerteile landeten in einem Umkreis von mehreren Hundert Metern.
Die Trümmerteile landeten in einem Umkreis von mehreren Hundert Metern.

Nach dem Flugzeugunglück in Limburgerhof wird weiter über die Ursache des Absturzes gerätselt. Mehrere Szenarien werden diskutiert. Eines davon können Ermittler ausschließen.

Am Montagmorgen sind in Limburgerhof bereits die Dachdecker am Werk. Sie werden in den kommenden Tagen viel zu tun haben rund um die Albert-Einstein-Allee im Norden der 11.000-Einwohner-Gemeinde des Rhein-Pfalz-Kreises. Die Ereignisse des vergangenen Samstags wirken bei den Anwohnern noch immer nach. Viele sind geschockt. Um kurz vor 11.30 Uhr ist aus bisher ungeklärter Ursache ein Kleinflugzeug vom Typ North American T-28A Trojan über dem Wohngebiet abgestürzt. Beide Flugzeuginsassen starben bei dem Absturz.

Bei einem der Toten handelt es sich um den geschäftsführenden Direktor der Klinikgruppe Artemed, Rainer Salfeld (66). Die Klinikgruppe bestätigte auf Anfrage der RHEINPFALZ den Tod von Salfeld. Zuerst hatte der „Münchener Merkur“ berichtet, dass es sich um Salfeld handelt. Artemed verwaltet 19 Krankenhäuser in Deutschland – darunter etwa das St.-Josefkrankenhaus in Heidelberg.

Verstarb bei dem Unglück: der geschäftsführende Direktorder Klinikgruppe Artemed aus Tutzing, Rainer Salfeld.
Verstarb bei dem Unglück: der geschäftsführende Direktorder Klinikgruppe Artemed aus Tutzing, Rainer Salfeld.

Salfeld war gemeinsam mit einem langjährigen Wegbegleiter (60) und Berufspiloten von Aachen auf dem Weg in seine bayerische Heimat. Ziel sollte der Flughafen Oberpfaffenhofen im Kreis Starnberg sein. Auch im Raum Aachen gehören zwei Krankenhäuser zum Klinikverbund.

Trümmer fallen vom Himmel

Die Trümmerteile des Wracks schlugen in einem Umkreis von mehreren Hundert Metern in dem Wohngebiet ein. Hunderte Kilo schwere Tragflächen und die Turbine schlugen auf Dächern und in der Straße auf. Sie rissen metergroße Löcher in Dächer und den Gehweg. Rückblickend sprechen Retter von einem Wunder, dass niemand außer den Insassen verletzt oder getötet wurde.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Ein Nutzer stellt bereits am Samstagmittag auf der Plattform Instagram beängstigende Aufnahmen ins Netz. Zu sehen ist, wie Trümmerteile vom Himmel in das Wohngebiet fallen. Ein Anwohner, mit dem die RHEINPFALZ am Montag sprechen konnte, beschreibt den Moment kurz vor dem Einschlag so: „Es hat sich angehört, als ob zwei Lastwagen zusammengestoßen sind.“

Inzwischen weisen nur noch Markierungen darauf hin, wo die Trümmer in dem Wohngebiet eingeschlagen sind. Die Kriminalpolizei hat gemeinsam mit der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Ermittlungen zu der Unglücksursache aufgenommen. Die Wrackteile wurden für die Ermittlungen eingesammelt und werden in den kommenden Wochen nach Braunschweig in eine Halle des BFU gebracht. Dort werden sie wieder zusammengesetzt. Gemeinsam mit Radardaten und anderen Fluginformationen werden die Experten dann versuchen, zu rekonstruieren, wie es zu dem Absturz kam. Über einen Flugschreiber, der weitere Daten während des Fluges aufzeichnet, habe die Maschine nicht verfügt, heißt es von den Ermittlern auf Nachfrage.

Radar: Keine Auffälligkeiten

Neben der Untersuchung am Wrack wird die Ermittler auch die Frage beschäftigen, was sich in den Minuten kurz vor dem Absturz ereignet hat. Bisher bekannt ist nach Recherchen der RHEINPFALZ, dass die Maschine um 10.45 Uhr auf dem Flughafen Aachen-Merzbrück startete. Von dort fliegen keine kommerziellen Linienflüge, sondern nur private Maschinen, etwa von Hobbyfliegern. Kurz nach dem Start erreichte das Flugzeug eine Flughöhe von 9500 Fuß, was knapp drei Kilometern entspricht, und flog in konstanter Geschwindigkeit von circa 370 Kilometern pro Stunde. Gegenüber der RHEINPFALZ bestätigte die Deutsche Flugsicherung bereits am Sonntag, dass der Flug unauffällig gewesen sei. Man habe mit dem Piloten in Kontakt gestanden, zuletzt um 11.20 Uhr. Kurz darauf hätten die Kollegen bemerkt, dass das Flugzeug rapide an Höhe verliert, so ein Sprecher der Flugsicherung. Um 11.27 Uhr habe man deshalb umgehend die Rettungskräfte vor Ort informiert, da man von einem Absturz ausgegangen sei.

Was in diesen Minuten in 3000 Metern Höhe über der Pfalz passiert ist, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nur schwer sagen. Auf den Radaraufzeichnungen des Anbieters „Flightradar24“ ist zu sehen, dass das Flugzeug plötzlich eine Kurve fliegt und kehrtmacht. Dann bricht die Übertragung ab.

Fachleute sind „ratlos“

Unter Fachleuten sorgt das Unglück schon jetzt für Diskussionen. Die RHEINPFALZ konnte mit einem Fachmann aus Süddeutschland sprechen, der jahrzehntelange Erfahrung mit der Restaurierung von alten Militärflugzeugen hat und selbst Pilot ist. „Ich habe mich heute Morgen mit den Kollegen unterhalten, und wir sind alle ratlos“, sagt er. Die T-28A sei ein Propellerflugzeug der US-amerikanischen Navy aus Nachkriegszeiten, erklärt der Fachmann. Es sei aus baulicher Sicht zwar komplex und mit einer Menge hydraulischer Komponenten ausgestattet, aber dennoch einfach zu bedienen. Wer etwas Übung mit einer Cessna habe, könne früher oder später die T-28A ebenfalls bedienen. Einen Bedienungsfehler, der zu dem Absturz geführt haben könnte, schließt der Fachmann deshalb aus. Über den verstorbenen Piloten sei bekannt, dass er über viel Erfahrung verfüge, betont er.

Das Flugzeug des Typs T-28A Trojan ist ein altes Navy-Flugzeug, mit dem Piloten das Landen auf Flugzeugträgern üben sollten.
Das Flugzeug des Typs T-28A Trojan ist ein altes Navy-Flugzeug, mit dem Piloten das Landen auf Flugzeugträgern üben sollten.

Dass der Pilot wegen schlechter Wetterbedingungen abgestürzt ist, etwa weil er mit seiner Maschine in Turbulenzen geriet, sei aus seiner Sicht ebenso wenig plausibel: „Dann hätte man auf dem Radar schon früher Ausweichmanöver feststellen müssen.“ Die Flugdaten lassen so etwas jedoch nicht erkennen. Kurz vor dem Absturz flog die Maschine mit geradem Kurs sowie konstanter Höhe und Geschwindigkeit in Richtung Bayern. Stattdessen habe der Pilot plötzlich abrupt abgedreht, vielleicht weil er etwas gesehen und ihm ausweichen wollte, vermutet der Fachmann.

Ein Zusammenprall mit einem anderen Flugzeug oder einem unidentifizierten Flugobjekt wie etwa einer Drohne? Auf den Radardaten, die die RHEINPFALZ einsehen konnte, sind keine anderen Flugzeuge zum Zeitpunkt des Absturzes über Limburgerhof erkennbar. Auch die Ermittler haben hierauf bisher keine Hinweise, sagt Thorsten Mischler, Sprecher des Polizeipräsidiums Rheinpfalz: „Wir gehen aktuell davon aus, dass das Flugzeug in der Luft auseinandergebrochen ist.“

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