Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Apotheken: Warum die Versorgung in der Pfalz bröckelt

 Markus Moser in seiner Adler-Apotheke in Landau.
Markus Moser in seiner Adler-Apotheke in Landau.

Immer mehr Apotheken schließen: In Rheinland-Pfalz spitzt sich die Lage zu. Warum Versorgungslücken drohen – und welche Regionen besonders betroffen sind.

Die Erkältung sitzt fest, der Kopf dröhnt, der Weg führt wie selbstverständlich zur nächsten Apotheke um die Ecke. Ein kurzer Stopp, schnell ein Medikament holen – Routine. Doch statt des gewohnten Lichts hinter dem Tresen: ein dunkles Schaufenster, die Tür verschlossen. Dauerhaft geschlossen. Für viele Menschen in Rheinland-Pfalz ist das längst keine Ausnahme mehr, sondern zunehmend Realität.

Betrachtet man die neuesten Zahlen des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz, steht das wohl immer mehr Menschen bevor. Die Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz meldete für 2024 rund 850 Apotheken – im Vergleich zu 2014 ein Minus von 22 Prozent. Eine kritische Lage, wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung altert und zunehmend versorgungsintensiv wird. Ein weiterer Grund zur Sorge: 2025 gab es laut Kammer 26 Apothekenschließungen – bei gerade einmal zwei Neueröffnungen.

Vielschichtges Problem für Apotheken

„Der Rückgang der Apotheken ist dramatisch und hat für Rheinland-Pfalz erhebliche Auswirkungen“, sagt auch Peter Stahl, Präsident der Kammer. Jede Schließung bedeute einen spürbaren Verlust wohnortnaher Versorgung. Für Christian Brand, Vorstandsmitglied der Kammer, ist das nicht verwunderlich. „Wenn sich an der Honorierung der Apotheken nichts ändert, gleichzeitig aber Löhne und Kosten steigen, ist das vorprogrammiert.“

Peter Stahl, Inhaber der Sonnen-Apotheke in Neustadt.
Peter Stahl, Inhaber der Sonnen-Apotheke in Neustadt.

Die Honorierung der Apotheken ist nicht nur für Brand eine zentrale Ursache für die zunehmenden Schließungen. „Wir haben steigende Kosten bei gleichbleibender Bezahlung“, so Peter Stahl. Hinzu kommt ein Nachfolgeproblem: Viele junge Apotheker schrecken in wirtschaftlich unsicheren Zeiten vor der Selbstständigkeit zurück. Zwar würden ausländische Fachkräfte auch in rheinland-pfälzischen Apotheken den Personalmangel lindern, allerdings bleibe die Frage, „ob ihr Beitrag ausreicht, um den Fachkräftemangel langfristig zu beheben“, sagt Stefan Friebis, Pressesprecher der Kammer.

Rückgang vor allem in strukturschwachen Regionen

In der Pfalz sind dabei vor allem strukturschwache Regionen betroffen. In Pirmasens hat sich die Anzahl der Apotheken zwischen 2014 und 2024 fast halbiert: Von einst 15 Apotheken sind heute nur noch acht übrig (minus 47 Prozent). In Frankenthal (minus 31,6 Prozent), Neustadt (minus 29,4 Prozent) und Landau (minus 26,3 Prozent) musste fast ein Drittel aller Apotheken schließen. Auch der Donnersbergkreis ist ein Krisenherd. Innerhalb von zehn Jahren sank die Zahl der Apotheken von 17 auf elf, ein Rückgang von 35,3 Prozent. Am stabilsten ist die Lage in Bad Dürkheim. Von 29 Apotheken (2014) in der Kurstadt bestehen noch 27 (2024).

Christian Brand, Inhaber Apotheke am Schillerplatz, Kaiserslautern. Foto: frei
Christian Brand, Inhaber Apotheke am Schillerplatz, Kaiserslautern. Foto: frei

„Das lässt sich ein Stück weit an der Kaufkraft festmachen“, erklärt Christian Brand, der unter anderem Inhaber der Kaiserslauterer Apotheke am Schillerplatz ist. „Pirmasens ist eine der am stärksten abgehängten Regionen der Pfalz. In Kaiserslautern ist das ähnlich wahrzunehmen, wenn auch nicht ganz so dramatisch.“ Auch für Peter Stahl, der die Sonnen-Apotheke in Neustadt betreibt, sind die regionalen Unterschiede wenig überraschend. „Hier in Neustadt ist die Versorgung nicht gefährdet, aber in den Vorstadtbezirken wird es zunehmend problematisch“, so Stahl.

Maßnahmen für Apotheken

„Die Zahl der Patienten ist in den letzten zehn Jahren gleich geblieben. Dadurch verteilen sich mehr Kunden auf weniger Apotheken“, bemerkt Markus Moser, Inhaber der Adler-Apotheke in Landau am Rathausplatz. Doch was können bestehende Apotheken in der Pfalz noch tun, um im Wettbewerb zu bestehen?

„Ich bin intensiv auf der Suche nach einem Nachfolger für meinen Betrieb“, beschreibt Peter Stahl seine Situation. „Viele Kollegen stehen vor demselben Problem. Aber man kann jungen Menschen nicht vorwerfen, dass sie das wirtschaftliche Risiko scheuen.“ Auch Christian Brand in Kaiserslautern will nicht aufgeben. „Die Instrumente, die mir die Gesetzgebung an die Hand gibt, sind leider eher gering“, sagt er. Unternehmerisches Geschick und gezieltes Marketing seien gefragt, um Kunden zu binden. In Konkurrenz zu Internetanbietern und vor dem Hintergrund einer unattraktiven Innenstadt sei das jedoch schwierig.

Markus Moser sieht sich in seiner Adler-Apotheke mit wachsendem Mehraufwand konfrontiert. „Büro- und Zusatzarbeiten erledige ich nach Ladenschluss selbst“, so Moser. „Der Stress nimmt zu, Leerlaufzeiten werden seltener. Das ist nur mit großem Engagement meiner Mitarbeiter zu schaffen.“ Auch Samina Abdul Malik, Inhaberin der Kurapotheke in Bad Dürkheim und der Rats-Apotheke in Weisenheim am Berg, muss trotz vergleichsweise stabiler Lage handeln. „Wir versuchen, bessere Konditionen mit Großhändlern auszuhandeln und unser Einkaufsmodell anzupassen. Ob das hilft, bleibt abzuwarten.“

Zwischen Optimismus und Sorgen um die Zukunft

Deutlich optimistischer zeigt sich Annegret Fix, Inhaberin der Löwen-Apotheke in Thaleischweiler-Fröschen und der Marien-Apotheke in Rodalben. „2021 habe ich zwei Apotheken in Thaleischweiler übernommen und fusioniert, 2024 zwei weitere in Rodalben. So konnte ich die Versorgung sichern und gleichzeitig moderne Strukturen aufbauen“, beschreibt sie. Gleichzeitig investiert sie in Digitalisierung und Service: „Wir haben E-Rezept-Terminals an externen Standorten aufgestellt und einen Abholautomaten für eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit.“ Zudem werde das Angebot um präventive und ganzheitliche Gesundheitsleistungen erweitert. „Wenn wir nah am Menschen bleiben und zugleich innovativ sind, wird die Vor-Ort-Apotheke auch in zehn Jahren eine wichtige Rolle spielen.“

Annegret Fix (Mitte) ist zuversichtlich, was ihre Zukunft betrifft. Links und rechts sind Silvia Röder und Konrad Stein
Annegret Fix (Mitte) ist zuversichtlich, was ihre Zukunft betrifft. Links und rechts sind Silvia Röder und Konrad Stein

Die Sorgen um die eigene Zukunft fallen unterschiedlich aus. „Neben der Baustelle in Kaiserslautern und der schwierigen Honorarlage beschäftigt mich das ganz akut“, gibt Christian Brand zu. „Allgemein sehe ich eher schwarz. Für Kaiserslautern wünsche ich mir attraktivere Konzepte seitens der Stadt und ein stärker gewerblich geprägtes Denken.“ Auch Samina Abdul Malik denkt bereits über eine mögliche Schließung nach. Markus Moser hingegen sieht aktuell noch keinen Anlass dazu.

Auf der Suche nach Lösungen müssen Apotheken mitunter kreativ werden.
Auf der Suche nach Lösungen müssen Apotheken mitunter kreativ werden.
x