Kolumne Am Rande: Der Ansturm auf Stein-Souvenire der AKW-Kühltürme Philippsburg

Geschichte: Die beiden Kühltürme des AKW Philippsburg wurden am 14. Mai gesprengt. Hunderte Schaulustige verfolgten das Spektake
Geschichte: Die beiden Kühltürme des AKW Philippsburg wurden am 14. Mai gesprengt. Hunderte Schaulustige verfolgten das Spektakel.
Stein-Souvenir: 600 Menschen holen sich am Samstag Schuttbrocken der Kühltürme ab.
Stein-Souvenir: 600 Menschen holen sich am Samstag Schuttbrocken der Kühltürme ab.

Zuschauer hatten an jenem Donnerstag um 6.05 Uhr Tränen in den Augen. Starke Emotionen für zwei 152 Meter hohe Stahlbetonkolosse, die am 14. Mai in sich zusammenfielen: die Kühltürme des stillgelegten Atomkraftwerks Philippsburg im Kreis Karlsruhe. Tränen für zwei Bauwerke, die das Bild einer Region prägten. Und bei manchen Sinnbild waren für die Überzeugung, eine an sich riskante Technik in Schach halten zu können. Ach, was hätten Atomkraftgegner Freudentränen vergossen, wären die Dinger samt Atommeiler nie gebaut worden. Vor Ort aber war man stolz, „ein Atomkraftwerk zu haben“, wie der damalige Philippsburger Bürgermeister Fritz Dürrschnabel in einem Gespräch mit der „Bruchsaler Rundschau“ sagte, kurz nachdem Block Zwei vom Netz genommen war. Die Sentimentalität einer Region kann sich jetzt kanalisieren. Der Energiekonzern EnBW gibt am Samstag kostenlos Steine aus dem Bauschutt ab. 600 Menschen haben sich binnen drei Tagen gemeldet. Ein wahrer Ansturm. Die Online-Registrierung hat der Konzern schon wieder geschlossen. Mehr als 1200 Steine gibt es nicht. Denn der Rest – 65.000 Tonnen – soll vor Ort aufgeschüttet werden. Garantiert schadstofffrei, sagt EnBW. Und unverstrahlt. Also alles sicher für die heimische Glasvitrine. Irgendwann sind dann Steine aus dem Reaktor zu haben ...