Britischer Tierfilmer und Schriftsteller
Weltberühmter Naturschützer: Der Nationalheilige wird 100
In seiner Heimat wurde er schon zu Lebzeiten zum kulturellen Erbe erklärt, zum Nationalheiligtum Großbritanniens: Sir David Attenborough. Auch für den Rest der Welt gilt die BBC-Ikone als ein Pionier der Naturdokumentation und einer der einflussreichsten Umweltschützer unserer Zeit. Attenboroughs legendäre Fernsehserien wie „Life on Earth“ oder „The Blue Planet“ erreichten ein weltweites Millionenpublikum und haben das Bewusstsein geschärft für die Verletzlichkeit des Planeten, auf dem wir leben. An diesem Freitag wird der Tierfilmer, Naturforscher und Schriftsteller 100 Jahre alt.
Einer seiner berühmtesten Momente war wohl, als er auf allen vieren auf eine Gruppe Berggorillas in Ruanda zukroch und sich plötzlich von Angesicht zu Angesicht mit einem Gorillaweibchen fand. David Attenborough drehte sich zur Kamera und flüsterte: „Es liegt mehr Sinn und gegenseitiges Verständnis darin, einen Blick mit einem Gorilla auszutauschen als mit jedem anderem Tier, das ich kenne. Wir sind uns so ähnlich.“
Studium in Cambridge
Es waren Szenen wie diese, die seine Dokumentationen zu Straßenfegern machten. Die Kneipen in Großbritannien blieben leer, weil die Leute lieber zu Hause saßen, um die nächste Folge von „Life on Earth“ zu sehen. Attenborough verkörperte das Beste der BBC, weil er ihre Grundsätze umsetzte, die der erste Generaldirektor John Reith in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts formulierte: Der öffentliche Rundfunk habe dem Gemeinwohl zu dienen und solle „informieren, bilden und unterhalten“. Das tat David Attenborough über die vergangenen 70 Jahre, zuletzt, in seinem 100. Lebensjahr, mit der Dokumentation „Wild London“.
Schon früh interessierte er sich für die Natur, sammelte Fossilien und Steine und belieferte als Elfjähriger das Zoologische Institut der Universität von Leicester mit einem großen Vorrat von Molchen, die er in einem Teich fing, der direkt neben dem Institut lag. Nach einem Studium der Zoologie und Geologie in Cambridge trat er in den 1950er Jahren in den Dienst der BBC und machte Karriere als Produzent, Manager und Moderator von Natursendungen. 1972 bot sich ihm die Chance, Generaldirektor der BBC zu werden, doch Attenborough lehnte ab und entschloss sich, freiberuflich als Produzent und Moderator von Tierfilmen zu arbeiten, allerdings in enger Zusammenarbeit mit der Rundfunkanstalt. So entstanden wegweisende Dokus wie „Life on Earth“ (Das Leben auf der Erde: eine Naturgeschichte), „The Living Planet“ (Die Erde lebt) und „Trials of Life“ (Spiele des Lebens).
Kampf gegen Klimawandel
Als Attenborough zehn Jahre alt war, besuchte er zusammen mit seinem älteren Bruder Richard (dem späteren Oscar-gekrönten Schauspieler und Regisseur, der 2014 starb) eine Vorlesung über die Rettung kanadische Biber. Wie Richard einmal berichtete, war sein Bruder tief beeindruckt von der Warnung vor einer ökologischen Katastrophe: „Der Gedanke, dass der Mensch die Natur gefährdet, indem er ihre Reichtümer rücksichtslos plündert, war zu jener Zeit ungehört, aber er ist bis heute Teil von Davids eigenem Credo geblieben.“ Und so wurde er zu einem frühen Vorkämpfer für Umweltschutz, Artenvielfalt und Naturbewahrung. Er ist einer der führenden Figuren im Kampf gegen die Klimakatastrophe und warnte 2018: „Wenn wir nicht handeln, steht der Zusammenbruch unserer Zivilisationen und das Aussterben eines Großteils der natürlichen Welt bevor.“
Nur die Queen erfuhr vergleichbare Bewunderung
Durch seine beispiellos lange Präsenz auf der öffentlichen Bühne ist Attenborough heute in Großbritannien so etwas wie der Großvater der Nation geworden. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2020 war er für die Briten der mit Abstand am meisten bewunderte Mann auf der Welt: Mit 23,1 Prozent schlug er damals Barack Obama, der mit 15,9 Prozent auf dem zweiten Platz landete. Nur die gleichaltrige Queen Elizabeth, mit der David Attenborough befreundet war, erreichte ein vergleichbares Resultat.