Ludwigshafen-Tatort
Tatort-Kommissarin Lisa Bitter: „Man kann sich gar nicht schlimm auf Pfälzisch streiten“
Frau Bitter, wie gut sind denn aus Ihrer Sicht die Fahrradwege in Ludwigshafen ausgebaut?
Die Innenstadt von Ludwigshafen ist sehr eng mit viel Verkehr und vielen Einbahnstraßen. Das ist für Fahrradfahrer leider aktuell noch etwas mühsam. Das durfte ich vor ein paar Monaten für den neuen Tatort selbst erfahren. Aber ich habe auch einige neue Radwegmarkierungen gesehen. Man merkt also schon, dass sich in Sachen Radwege etwas tut und die Stadt versucht, autofreier zu werden.
Im neuen Tatort ermitteln Sie undercover als Kurierfahrerin und müssen auch selbst öfters in die Pedale treten. Wie war Ihre Reaktion, als Sie das Drehbuch gelesen haben, und wie haben Sie sich auf Ihre Rolle als Johanna Stern vorbereitet?
Ich habe mich total gefreut. Es ist gut, dass Johanna auch mal aus dem Kommissariat rauskommt und sich in ganz anderen Strukturen beweisen muss. Da ich selber gerne und viel Rennrad fahre, musste ich mich körperlich jetzt nicht groß auf den neuen Tatort vorbereiten. Die Sportlichkeit, was das Fahrrad betrifft, habe ich drauf.
Wie liefen die Szenen mit Ihnen auf dem Rad dann beim Dreh ab? War es schwierig, die Szenen zu filmen?
Wir hatten ein ganz tolles Kameraauto, das vor oder hinter mir hergefahren ist. Es war anspruchsvoll, weil wir durch den laufenden Verkehr gefahren sind. Wir konnten nicht stundenlang in Ludwigshafen den Verkehr sperren, um für den Tatort die Fahrradszenen zu drehen. Wir mussten die Straßenverkehrsordnung und andere Verkehrsteilnehmer beachten. Da war präzise Teamarbeit gefragt. Der Dreh hat großen Spaß gemacht, das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.
Der neue Tatort thematisiert die Probleme der Radinfrastruktur in Deutschland – besonders die Gefahren, die es für Radler in der Stadt gibt. Verstehen Sie es auch ein bisschen als Auftrag des Tatorts, gesellschaftspolitische Themen anzusprechen und sichtbar zu machen?
Absolut, das finde ich sogar sehr wichtig. Der Tatort hat eine wahnsinnig große Reichweite, sehr viele Menschen schalten am Sonntagabend ein. Und deshalb finde ich es richtig, dass man auch Themen anspricht und im Film unterbringt, die eventuell unbequem sind: zum Beispiel die Radinfrastruktur in Deutschland, die nun mal in den allermeisten Städten seit Jahren ausbaufähig ist. Es braucht mehr und sicherere Radwege, denn an Kreuzungen und großen Verkehrsknotenpunkten fühlen sich viele Radfahrer schutzlos. In vielen Städten ist der Radverkehr noch nicht ausreichend priorisiert, insbesondere für Pendler im Alltagsverkehr.
Das klingt fast so, als wäre Ihnen das auch ein persönliches Anliegen, dass sich in dem Bereich etwas tut.
Das ist auch so. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum Menschen das Auto nehmen, um in die Innenstadt zu fahren. Ich sehe jeden Tag in meiner Heimatstadt München verstopfte Straßen voller Autos – und ganz viele dieser Autofahrer hätten sicherlich mit der Bahn oder eben dem Fahrrad fahren können. Und ehrlicherweise können wir uns die vielen Autos in den Städten schon lange nicht mehr leisten. Ich würde mir für unsere Innenstädte wirklich wünschen, dass wir da in Zukunft deutlich kreativere und nachhaltigere Konzepte finden, die weniger die Luft verschmutzen, weniger Platz wegnehmen und das Zusammenleben ein bisschen sicherer und klimafreundlicher machen.
Sie sind seit 2014 beim Ludwigshafen-Tatort dabei, mit Ulrike Folkerts als Lena Odenthal an Ihrer Seite. Vor der Kamera sind sie ein gutes Team, ist das auch hinter der Kamera so?
Ja, wir sind über die Jahre wirklich gut zusammengewachsen und agieren als Team sowohl vor als auch abseits der Kamera sehr gut zusammen. Wir verstehen uns, können aber auch unterschiedlicher Meinung sein. Wir verbringen durch unsere Arbeit natürlich regelmäßig sehr viel Zeit miteinander und ich glaube, wir sind beide ziemlich dankbar, dass wir eine gute freundschaftliche Ebene miteinander haben.
Dank der Dreharbeiten beim Ludwigshafener Tatort haben Sie auch die Region hier kennengelernt. Was schätzen Sie an der Pfalz besonders?
Ich mag den Pfälzer Dialekt. Darin steckt so viel gute Laune und die Leute klingen immer sehr freundlich. Ich glaube, man kann sich gar nicht schlimm auf Pfälzisch streiten. Wann immer ich in der Pfalz ankomme und den Dialekt höre, denke ich: Ach, hier bin ich wieder. Außerdem sind die Menschen sehr offenherzig – diese Art mag ich einfach. Und natürlich hat die Pfalz auch eine unglaublich schöne Landschaft. Die deutsche Weinstraße mit ihren ganzen Weindörfern ist wunderschön. Wenn ich nach einem Drehtag Zeit habe und schönes Wetter ist, finde ich einen Ausflug in die Weinberge immer ganz bezaubernd.
Ludwigshafen hat allerdings nicht den Ruf, eine besonders schöne Stadt zu sein. Wie nehmen Sie die Stadt wahr?
Ludwigshafen ist vielseitig. Es gibt schöne Gegenden, aber es gibt auch viele Ecken, die runtergekommen und vernachlässigt worden sind. Für mich macht es genau das interessant, diese Stadt zu entdecken. Ich finde es richtig, dass wir im Tatort diesen Kontrast auch zeigen. Ludwigshafen ist so verschieden, da spielen sich so viele Konflikte ab, die für viele andere Städte und Probleme in ganz Deutschland stehen. Deswegen ist es gut, dass es Ludwigshafen als Standort in der Tatort-Landschaft gibt.
Sie selbst sind auch ein großer Tatort-Liebhaber. Wer sind denn Ihre Lieblingsermittler?
Da ich in München lebe und mir die Stadt sehr nah und vertraut ist, sehe ich vor allem gerne die Münchner Kollegen. Ich bin auch schonmal auf das neue Team gespannt. Auch der Hamburg-Tatort mit Wotan Wilke Möhring gefällt mir sehr. Die hatten vergangenen Dezember sogar eine Doppelfolge. Das würde ich mir tatsächlich auch mal für unseren Tatort in Ludwigshafen wünschen.
Zur Person
Lisa Bitter (41) ist eine deutsche Schauspielerin, die vor allem bekannt durch ihre Rolle als Johanna Stern in der beliebten Krimireihe „Tatort“ ist. Dort ermittelt sie seit 2014 in Ludwigshafen als Kriminalkommissarin an der Seite von Ulrike Folkerts. Die in Erlangen geborene Mittelfränkin wirkte nach ihrer Schauspielausbildung in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen, Kinofilmen sowie Theaterstücken mit – unter anderem auch am Staatstheater Stuttgart. Die neue Ludwigshafen-Folge des Tatorts „Sashimi Spezial“ wird kommenden Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt.
Die Serie
In der Serie „Zeitreise“ wollen wir Persönlichkeiten neu vorstellen. Die bisherigen Folgen finden Sie unter: rheinpfalz.de/zeitreise