Santa Cruz de Tenerife RHEINPFALZ Plus Artikel Kreuzfahrt: Streit um Virus-Schiff mit Kurs auf Teneriffa

Am Mittwoch wurden drei Patienten von der „MV Hondius“ evakuiert und in die Niederlande und nach Deutschland ausgeflogen.
Am Mittwoch wurden drei Patienten von der »MV Hondius« evakuiert und in die Niederlande und nach Deutschland ausgeflogen.

Nach Hantavirus-Fällen und Todesopfern an Bord erlaubt Spanien einem Kreuzfahrtschiff die Weiterfahrt nach Teneriffa. Doch dort regt sich heftiger Protest.

Im Drama um die „MV Hondius“ ist ein weiterer Krankheitsfall bekannt geworden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte am Mittwoch mit, die Schweizer Behörden hätten bei einem früheren Passagier des Expeditionskreuzfahrtschiffs eine Hantavirus-Infektion bestätigt. Damit steigt die Anzahl der bekannten Krankheitsfälle im Zusammenhang mit der Reise auf acht.

Die seit Tagen vor den Kapverden liegende „MV Hondius“ soll unterdessen Kurs auf die Kanareninsel Teneriffa nehmen. Spaniens Regierung gab grünes Licht und folgt damit einer Bitte der WHO und der Niederlande, dem Heimatland der Reederei. Auf den Kanaren sorgte diese Entscheidung hingegen für große Unruhe.

Der erkrankte Schweizer befindet sich nach Angaben des Berner Bundesamts für Gesundheit (BAG) im Zürcher Universitätsspital in Behandlung. Nach Angaben des BAG war der Mann zusammen mit seiner Ehefrau Ende April von einer Südamerikareise mit der „MV Hondius“ in die Schweiz zurückgekehrt. Nachdem er Krankheitssymptome bemerkt hatte, begab er sich ins Krankenhaus, wo er isoliert wurde. Ein Test ergab ein positives Resultat auf das Andesvirus, eine in Südamerika vorkommende Hantavirus-Variante. Die Ehefrau des Mannes zeige bisher keine Symptome und habe sich vorsorglich in Selbstisolation begeben.

Evakuierung von Bord

Unterdessen wurden am Mittwoch drei Personen vom Kreuzfahrtschiff evakuiert und in Ambulanzflugzeuge verlegt. Anschließend sollte das Schiff von den Kapverden aus Kurs auf Teneriffa nehmen – die Fahrt dauert etwa drei Tage. Bei den Evakuierten handelt es sich um den schwer erkrankten niederländischen Bordarzt und um eine Person aus Großbritannien; die beiden wurden zur Behandlung in die Niederlande geflogen. Außerdem wurde eine deutsche Kontaktperson der am 2. Mai an Bord verstorbenen Deutschen nach Deutschland gebracht und dort unter Quarantäne gestellt.

Nach Angaben der Feuerwehr Düsseldorf soll diese Kontaktperson in die Universitätsklinik Düsseldorf gebracht werden. Dafür sei ein spezieller Hochinfektionstransport vorbereitet worden. Die Feuerwehr sprach von einem in Nordrhein-Westfalen einzigartigen Konzept für Transporte hochinfektiöser Patienten.

Wie die niederländische Reederei Oceanwide Expeditions mitteilte, sollen zudem zwei Fachärzte für Infektiologie aus den Niederlanden an Bord der „MV Hondius“ gehen. Ein weiterer Arzt befindet sich laut Reederei bereits auf dem Schiff.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte auf X, die Weltgesundheitsorganisation arbeite gemeinsam mit den Schiffsbetreibern daran, die Gesundheit von Passagieren und Besatzung engmaschig zu überwachen. Das öffentliche Gesundheitsrisiko bleibe niedrig.

Debatte auf den Kanaren

Die Entscheidung, das Schiff auf die Kanaren fahren zu lassen, ist politisch umstritten. Die spanische Zentralregierung hat dem Kreuzfahrtschiff die Weiterfahrt erlaubt, nachdem die WHO in Abstimmung mit der Europäischen Union darum gebeten hatte. Madrid verweist dabei auf humanitäre Verpflichtungen.

Kanarenpräsident Fernando Clavijo forderte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez auf, die Entscheidung zu überdenken. Er beklagte „fehlende Transparenz“ und sagte, es gebe nicht genügend Informationen, um die Bevölkerung zu beruhigen. Seine Regierung habe bislang keine offiziellen Informationen aus Madrid erhalten.

Das spanische Gesundheitsministerium versucht dagegen, die Sorgen zu zerstreuen. Der Virusausbruch sei auf das Schiff begrenzt. Selbst wenn weitere Fälle festgestellt würden oder kranke Personen in Spanien behandelt werden müssten, sei das Gesundheitssystem darauf vorbereitet.

Der Ausbruch hat bisher drei Todesfälle gefordert. Nach Angaben der Reederei starb am 11. April ein niederländischer Passagier an Bord. Seine Frau starb später nach dem Verlassen des Schiffes auf dem Rückweg. Am 2. Mai erlag zudem eine deutsche Passagierin ihrer Erkrankung.

An Bord befinden sich laut der Reederei 149 Personen: 88 Passagiere und 61 Besatzungsmitglieder. Die „MV Hondius“ war auf einer Expeditionsreise von Ushuaia in Argentinien über die Antarktis und mehrere Inseln im Südatlantik unterwegs. Die Reise sollte ursprünglich am 4. Mai auf den Kapverdischen Inseln enden.

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