Comedy RHEINPFALZ Plus Artikel Komiker Robert Treutel: Ich schlafe mit Bodo Bach im selben Bett

„Ich liebe Mundarten“, sagt Bodo Bach. Beziehungsweise Robert Treutel, wie der Comedian mit bürgerlichem Namen heißt.
»Ich liebe Mundarten«, sagt Bodo Bach. Beziehungsweise Robert Treutel, wie der Comedian mit bürgerlichem Namen heißt.

Bodo Bach ist Hessens bekanntester Spaßvogel. Im Interview mit Erhard Stern spricht der Comedian darüber, warum er in der Pfalz manchmal nur Bahnhof versteht.

Ich versuche das mal so locker wie Sie früher bei Ihren Telefonstreichen: Genau Sie wollte ich sprechen …
Ich hab’ immer versucht, nett und freundlich zu den Leuten zu sein. „Ich hätte da gerne mal ein Problem“ war glaube ich der nächste Satz.

Was ist eigentlich aus der Anhängerkupplung für Ihren Ferrari geworden?
Die hat es leider nie gegeben. Es gibt zwar immer noch Hinweise im Internet von Bodo-Bach-Fans, die sagen, es gibt doch eine Möglichkeit, an einen Ferrari eine Anhängerkupplung zu schrauben. Aber Ferrari selbst hat sich leider nie mehr bei mir gemeldet.

Mit der Kunstfigur Bodo machte Treutel ab Mitte der 1990er Jahre Spaßanrufe bei Radio FFH.
Mit der Kunstfigur Bodo machte Treutel ab Mitte der 1990er Jahre Spaßanrufe bei Radio FFH.

Bodo Bach ruft bei Ferrari an aus dem Jahr 1997 ist einer Ihrer bekanntesten Spaßanrufe. Mittendrin hat man mal das Gefühl, dass der Mann am anderen Ende der Leitung das Ganze durchschaut hat, aber dennoch weiter mitspielt. Wie viele Anrufe sind tatsächlich schiefgegangen?
Da würde ich widersprechen. Ich fand den Anruf bei Ferrari sehr authentisch. Mein Gesprächspartner war über das Telefonat nicht wirklich glücklich und wollte die Ausstrahlung verhindern. Seine Chefs in Maranello sahen das jedoch anders. Sie ließen es sich schicken und fanden es sehr lustig. Sie meinten, Ferrari käme dabei sympathisch rüber, und ließen den Telefonstreich sogar auf ihrem Stand bei der Internationalen Automobilausstellung laufen. Es gab aber immer mal Leute, die erst einmal nicht glücklich waren. Ich habe drei, vier in Erinnerung, die waren auf Dauer böse, aber der Rest war am Schluss doch auf meiner Seite und hat über sich selbst gelacht. Bei über 2000 Telefonaten gab es jedenfalls keine offenen Feindseligkeiten.

Die Spaßanrufe sind mit Ihnen auf die Bühne und ins Fernsehen gewechselt. Wann sind Ihnen die Ideen ausgegangen?
Comedy hat nur eine gewisse Halbwertszeit. Beim zwölften Mal wird ein Witz nicht lustiger, dann packt man den weg. Ich hatte einfach kein Interesse mehr daran. Das ist wie bei vielen Dingen: Alles hat seine Zeit. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich überall angerufen und alles an Spaß herausgeholt habe.

Geblieben ist Ihr Alter Ego Bodo Bach. Wie viel Robert Treutel steckt in Bodo Bach und wie viel Bodo Bach ist mittlerweile in Robert Treutel?
Das hat sich tatsächlich sehr angenähert. Im Radio habe ich ja als Robert Treutel moderiert und die Figur Bodo Bach erfunden. Mit den Anrufen bin ich in etwas reingeraten, was ich vorher nicht abschätzen konnte: Der Bodo Bach wurde schnell beliebt, die Leute haben gewartet, dass er wieder irgendwo anruft. Das war eine Rolle, bei der ich meine Frankfurter Mundart gerne mit ins Gespräch gebracht habe, weil die mich bodenständiger machte. So war es leichter, die Leute am Telefon für mich zu gewinnen. Gemeinheiten kommen im Dialekt oft sympathischer rüber. Beim Fernsehen haben sie gesagt: Wir wollen schon Originale, aber keine verkleideten Komiker. Dann war auch für mich der Zeitpunkt gekommen, dass ich Brille und Batschkapp weglasse und wieder mehr der Robert Treutel werde. Es gibt aber schon sehr viel Robert Treutel im Bodo Bach. Ich sage immer: Wir schlafen sogar im selben Bett.

Robert Treutel ist Hobby-Golfer.
Robert Treutel ist Hobby-Golfer.

Wie wichtig ist der hessische Dialekt für Ihre Comedy?
Wenn ich in meine Mundart komme, dann fühle ich mich leichter. Ich habe dann das Gefühl, ich kann komplizierte Sachverhalte besser erzählen und das Ganze bodenständiger rüberbringen. Das ist wichtig bei Bodo Bach. Der ist kein feingliedriger Denker und keiner, der versucht, die Welt mit seinen Botschaften zu verbessern. Er beschreibt die Welt so, wie er sie sieht. Er nimmt die Dinge, die oft kompliziert daherkommen, einfacher – und da hilft der Dialekt.

Gibt es fürs Hessische Grenzen oder geht das in der ganzen Republik?
Es funktioniert tatsächlich überall. Das ist das Schöne an Hessen, wir liegen mittendrin. Man kann das aber entschärfen. In meiner Heimat kann ich mehr Dialekt sprechen. Wenn ich dagegen in Hamburg sage „Mei Fraa hat gsagt, ich soll ham komme“, dann versteht mich dort kein Mensch. Ich gebe aber zu, dass es „in de Palz“ auch heftige Mundarten gibt, bei denen ich nichts verstehe. Wenn sich die Techniker unterhalten, muss ich auch mal sagen: Leute, kommt mir ein bisschen entgegen. Aber ich liebe Mundarten.

Bodo Bach ist gerngesehener Gast in verschiedenen Rateshows. Bei den „Straßenstars“ im Hessischen Rundfunk geht es darum, wildfremde Menschen, die auf der Straße angesprochen wurden, richtig einzuschätzen. Was macht Ihnen dabei Spaß?
Ich bin regelmäßiger Gast bei den „Straßenstars“ und dem Wissensquiz „Meister des Alltags“. Letzteres wurde vom SWR nach zwölf erfolgreichen Jahren leider gerade abgesetzt. Weil die Ratesendungen jedoch auf vielen Kanälen ständig wiederholt werden, hat man den Eindruck, der Bodo sitzt ja nur noch im Fernsehen. Die „Straßenstars“, die ich ja schon ganz, ganz lange mache, liebe ich allerdings. Erstens gibt es nichts zu gewinnen – das finde ich großartig. Und ich mag diese spielerische Art, andere Menschen einzuschätzen; ich finde es klasse, dass wir in der Sendung unsere Vorurteile überdenken müssen, weil wir alle oft zu sehr nach Äußerlichkeiten gehen. Ich hoffe deshalb, dass es mit der Sendung weitergeht.

Bodo Bach mit Enie van de Meiklokjes in „Meister des Alltags“.
Bodo Bach mit Enie van de Meiklokjes in »Meister des Alltags«.

Erste Erfahrungen mit dem Fernsehen hatten Sie bereits mit Jobs während Ihres später abgebrochenen Jurastudiums. So sollen Sie für Hans-Joachim Kulenkampff Kaffee gekocht haben. Wie war „Kuli“ hinter der Kamera?
Das ist ja 1000 Jahre her. Ich habe ihn aber in guter Erinnerung und habe ein bisschen was von ihm in meine kleine Fernsehkarriere mitgenommen: Man darf sich nicht verstellen. Wenn die Kamera aus war, war Kulenkampff der gleiche wie vor der Kamera. Da gab es keinen Schalter, den er umgelegt hat, um plötzlich zu lächeln oder charmant zu sein. Das gilt auch für Jürgen von der Lippe. Das ist auch keiner, der bei Rotlicht denkt, noch eins draufsetzen zu müssen – wie andere, bei denen man merkt, dass sie nicht authentisch sind. Es war aber nicht so, dass ich mit „Kuli“ in der Garderobe gesessen und mich lange mit ihm unterhalten hätte. Ich fand, er war ein herausragender Showmaster, der heute vermutlich wegen seines Umgangs mit seinen Kandidatinnen und der Alte-weiße-Männer-Mentalität einen Shitstorm nach dem anderen abkriegen würde.

Ich habe bei der Vorbereitung dieses Interviews geschwitzt wie selten. Können Sie sich vorstellen, warum?
Nee, was könnte das sein?

Auf Ihrer Internetseite haben Sie eine Sammlung der dümmsten Fragen, die Ihnen schon gestellt wurden. Ich wollte nicht Teil davon werden. Mit wem Bodo gerne mal Abendessen gehen würde, ist eine davon.
Da bräuchte ich jetzt einen Moment Zeit zum Überlegen. Ich bin ja sehr an Politik interessiert. Vielleicht ginge es in die Richtung.

Sie gehen langsam auf die 70 zu. Wird es bald den Comedy-Vorruhestand geben oder gibt es Pläne, von denen die Welt erfahren sollte?
Tatsächlich muss ich noch ein bisschen arbeiten. Ich habe mir zwar eine kleine gesetzliche Rente erarbeitet, aber die reicht nicht. Ich habe auch nicht die großen Arenen gefüllt, sodass ich mir die Taschen nicht richtig vollmachen konnte. Aber ich bin gerne auf der Bühne. Erstens hält mich das jung. Zweitens ist es keine harte Arbeit, sondern Spaß. Man steht vor den Leuten und erzählt dummes Zeug. Ursprünglich hatte ich die Idee, dass ich mit meinem Best-of-Programm, das ich im Moment spiele, eine kleine Abschiedstour einleite. Aber ich merke, dass die Leute immer noch kommen. Deshalb überlege ich mir, doch noch einmal ein neues Programm auf die Beine zu stellen. Dafür suche ich jetzt Themen – hier und da habe ich schon ein paar Einfälle. Ich hoffe, dass ich Anfang 2026, dann werde ich 68 Jahre alt sein, noch einmal mit neuem Programm auf „Welttournee durch Deutschland“ gehen werde. Ich würde aber gerne noch einmal auf die Frage zurückkommen, mit wem ich gerne einmal essen gehen würde: Wie wäre es mit Ihnen?

Gerne. Ich bin gelegentlich in Frankfurt.
Oder ich komme in die Pfalz.

Die Serie

In unserer Serie „Zeitreise“ wollen wir Persönlichkeiten neu vorstellen – um einen Rückblick und eine Vorausschau zu wagen, um eine andere Seite von ihnen vorzustellen oder weil man einige Zeit nichts von ihnen gehört zu haben glaubt. Die bisherigen Folgen finden Sie auf rheinpfalz.de/zeitreise.

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