Nach Brand auf Mallorca
Kegelbrüder: Ist Bier ein Brandbeschleuniger?
Die schweren Strafvorwürfe gegen acht deutsche Mallorca-Touristen, allesamt Kegelfreunde aus Nordrhein-Westfalen, sorgen in Spanien zunehmend für Diskussionen. Drei Jahre und acht Monate nach dem Brand in einer Bar im „Ballermann“-Partyviertel an der Playa de Palma auf Mallorca erhob die spanische Staatsanwaltschaft Anklage gegen die Männer und forderte für jeden von ihnen sieben Jahre Haft. Nun nährt ein Beschluss des Landgerichts in Palma zusätzliche Zweifel an den Ermittlungen – und am Vorgehen des zuständigen Untersuchungsrichters.
„Unverhältnismäßig“ hohe Kaution
Wie aus einem der „Mallorca Zeitung“ vorliegenden Gerichtsbeschluss hervorgeht, erhalten die acht Angeklagten nun einen erheblichen Teil ihrer hinterlegten Kaution in Höhe von 500.000 Euro zurück. Das Landgericht stufte die vom Untersuchungsrichter in Palma festgesetzte Sicherheitsleistung als „unverhältnismäßig“ ein und senkte sie auf 131.000 Euro, da ein gerichtliches Gutachten den Gesamtschaden auf lediglich knapp 100.000 Euro beziffert habe. Der zuständige Ermittlungsrichter Antoni Rotger hatte nach dem Brand auf der hohen Kaution bestanden und zunächst auch Untersuchungshaft für die Touristen angeordnet – in Medien wurde er deswegen als „Richter Gnadenlos“ bezeichnet.
Den Männern wird vorgeworfen, am 20. Mai 2022 durch Brandstiftung ein Feuer in der Bar „Why not Mallorca“ ausgelöst zu haben. Nach Auffassung der Anklage sollen sie am ersten Urlaubstag auf den Balkonen ihres Hotels gefeiert und glühende Zigarettenstummel auf das Schilfdach der tieferliegenden Barterrasse geworfen haben. Zudem heißt es in der Anklageschrift, sie hätten „Bier oder eine ähnliche Flüssigkeit“ auf das Dach geschüttet – was nach Ansicht der Staatsanwaltschaft den Brand angefacht haben könnte.
Zweifel an Bier-Theorie
Gerade dieser Punkt sorgt für heftige Debatten und Spott. „Man kann mit Bier Durst oder auch Feuer löschen“, kommentierte ein Nutzer im Online-Forum der „Mallorca Zeitung“. Fachleute verneinen, dass Bier mit einem Alkoholgehalt von vier bis sechs Prozent als Brandbeschleuniger wirken kann. Auch das Anwaltsteam der „Kegelbrüder“ sieht hierin einen zentralen Schwachpunkt der Anklage.
Andere Stimmen sprechen von einem möglichen „Showprozess“, mit dem ein abschreckendes Signal gesetzt werden solle. Hintergrund ist die seit Jahren wachsende Ablehnung des deutschen Sauf- und Partytourismus auf Mallorca. Zudem wird die Beweisführung kritisch hinterfragt. Nach Ansicht von Beobachtern sei bislang nur wenig konkretes Belastungsmaterial vorgelegt worden. Auch die lange Verfahrensdauer sorgt für Unverständnis.
Tatsächlich liegt der Brand inzwischen fast vier Jahre zurück. Ein Termin für den Beginn des Prozesses vor dem Landgericht in Palma steht weiterhin nicht fest.
Verteidiger sehen keine belastbaren Beweise
Zusätzliche Diskussionen löst der Inhalt der Anklageschrift selbst aus. Wie die Zeitung „Diario de Mallorca“ berichtet, räumt die Staatsanwaltschaft ein, dass sich „nicht feststellen lässt, welche konkrete Handlung jeder einzelne der Beschuldigten vorgenommen hat“. Dennoch wird allen acht Männern vorgeworfen, sie hätten „bewusst gehandelt“, sich gegenseitig angefeuert.
Die Verteidigung weist diese Darstellung entschieden zurück. In einer Pressemitteilung erklärten die Anwälte, die Ermittlungsakten enthielten „zahlreiche entlastende Anhaltspunkte“. Es gebe „keine belastbaren oder eindeutigen Beweise für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Angeklagten“. Die Mandanten betonten ihre Unschuld und setzten auf eine objektive und faire Hauptverhandlung.
Hinzu kommt, dass einige der Angeklagten nach Angaben der Verteidigung Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sind. Sie hätten nach Ausbruch des Feuers Hotelgästen beim Verlassen des Gebäudes geholfen und dabei selbst Rauchvergiftungen erlitten.